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Lokales Wird OBM Jung Sparkassen-Chef? Sachsens SPD sorgt sich um Leipzig
Leipzig Lokales Wird OBM Jung Sparkassen-Chef? Sachsens SPD sorgt sich um Leipzig
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19:49 25.04.2018
Steht Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor dem Absprung? Leipzigs Stadtoberhaupt – hier bei einem Termin im Straßenbahnhof Angerbrücke im Juli 2017 – ist als Verbandspräsident der ostdeutschen Sparkassen im Gespräch.
Steht Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor dem Absprung? Leipzigs Stadtoberhaupt – hier bei einem Termin im Straßenbahnhof Angerbrücke im Juli 2017 – ist als Verbandspräsident der ostdeutschen Sparkassen im Gespräch. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 Die Wechselambitionen des Leipziger Oberbürgermeisters Burkhard Jung (60, SPD) haben am Dienstag ein politisches Erdbeben in Sachsen ausgelöst. Vor allem in der SPD ist die Sorge groß, nach fast 30 Jahren das Leipziger Rathaus zu verlieren.

Wie die LVZ berichtet hatte, ist Jung als Nachfolger des geschäftsführenden Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Michael Ermrich (64), im Gespräch. Der frühere CDU-Landrat (Kreis Harz, Sachsen-Anhalt), scheidet zum 1. Juni 2019 aus dem Amt. Die Wahl seines Nachfolgers soll bereits im Oktober stattfinden.

Sachsens SPD-Chef Martin Dulig reagierte zunächst gelassen. „Er hat mir gestern mitgeteilt, dass es diese Anfrage gegeben hat“, sagte er am Dienstag zu einem möglichen Wechsel Jungs an die Spitze des OSV. Es sei Jungs Recht, sich darüber Gedanken zu machen. Mit Blick darauf, dass die SPD in Leipzig den Chefsessel abgeben könnte, zeigte sich Dulig angriffslustig und besorgt zugleich.

„Dass ich als SPD-Chef natürlich sehr für Leipzig kämpfe und um Leipzig kämpfe, wird jetzt nicht überraschen.“ Von der Nachricht „völlig überrascht“ zeigte sich der Vorsitzende der Leipziger SPD-Stadtratsfraktion Christopher Zenker. „Sollte er sich für einen Wechsel entscheiden, würde ich das persönlich sehr bedauern.“

Um das OSV-Amt will sich auch der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) bewerben. Er sieht vor allem die Landkreise hinter sich. In der Verbandsversammlung, die den Präsidenten wählt, verteilen sich die Stimmenanteile jedoch nach dem Stammkapital der einzelnen Sparkassen, was den großen Stadtsparkassen Vorteile einräumt.

Nach den Worten des Geschäftsführers des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, Mischa Woitscheck, genießt Jung die Unterstützung aller vier Städte- und Gemeindebünde – Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie schlagen Jung für das Präsidentenamt vor. „Das ist ein Vertrauensbeweis, und das ehrt mich auch“, so Jung.

Er sei zwar noch unentschlossen, könne das breite Vertrauensvotum jedoch nicht ignorieren. Zudem sei er inzwischen 20 Jahre im Rathaus, davon zwölf Jahre als OBM. Da stelle sich schon noch einmal die Frage nach einer Veränderung.

Jung hatte zuletzt im März betont, 2020 für eine dritte OBM-Amtszeit kandidieren zu wollen, sofern ihn die Partei wieder nominiert. Dass dies geschieht, daran hatte niemand Zweifel, denn Alternativen für eine Zeit nach Jung hat die SPD nicht aufgebaut.

„Die Leipziger haben jetzt einen Anspruch darauf, dass sich der Oberbürgermeister sehr rasch zu seinen Zukunftsplänen äußert“, forderte Leipzigs CDU-Chef Robert Clemen. „Offenkundig ist Jung amtsmüde und bringt nicht mehr den notwendigen Gestaltungswillen auf.“ Die CDU stehe bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Von Klaus Staeubert, Björn Meine und Roland Herold

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