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Lokales Wohnungsmarkt braucht eine Milliarde Euro Investitionen im Jahr
Leipzig Lokales Wohnungsmarkt braucht eine Milliarde Euro Investitionen im Jahr
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07:00 16.12.2017
In der LWB-Zentrale an der Wintergartenstraße startet 2018 die Planung für gleich zehn Wohnungsneubau-Vorhaben.
In der LWB-Zentrale an der Wintergartenstraße startet 2018 die Planung für gleich zehn Wohnungsneubau-Vorhaben. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Leipzig soll beim Wohnungsbau kräftig Gas geben, um das starke Einwohnerwachstum zu bewältigen. Laut Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sind von den 335 000 Wohnungen in der Pleiße-Metropole nur noch 1,8 Prozent (also rund 6000) ungenutzt und zeitnah vermietbar. Zwar habe die Bevölkerungszunahme im Jahr 2016 erstmals leicht unter der Minimalvariante in den langfristigen Vorausschätzungen gelegen, räumte Jung beim 30. Leipziger Immobiliengespräch ein. „Dennoch legen wir 2017 wieder um mehr als 10 000 Neu-Bürger zu. Wahrscheinlich wird es bis 2030 ein Wert irgendwo zwischen 670 000 und 720 000.“

Angesichts des recht niedrigen Durchschnittseinkommens in Leipzig müssten die hiesigen Bauprojektentwickler und die Kommune gemeinsam dafür sorgen, dass viele neue – und vor allem bezahlbare Wohnungen entstehen, appellierte das Stadtoberhaupt. „Früher hätte ich das noch anders formuliert. Heute ist es mir wirklich eine Herzensangelegenheit, den Mietanstieg zu begrenzen und Verdrängungsprozessen entgegenzuwirken.“

Michael Rücker, Chef der Firma W&R Immocom, die die Immobiliengespräche veranstaltet, rechnete vor, dass die vom OBM geforderten 5000 bis 6000 neuen Wohnungen pro Jahr einem Investitionsvolumen von jeweils etwa einer Milliarde Euro entsprechen würden. „Das heißt: pro Jahr ein BMW-Werk. Und bedeutet eine Verdopplung der aktuellen Zahlen.“ Schon heute würden sich aber Bauherren beklagen, dass die Genehmigungsprozesse im Rathaus lange dauern. Torsten Kracht, Geschäftsführer bei Instone Real Estate, kritisierte, in der Bauverwaltung würden Mitarbeiter sowie „klare Richtlinien für alle Beteiligten“ fehlen. Die Bearbeitungszeiten von Bauanträgen hätten sich in den letzten Jahren „verdoppelt bis verdreifacht“. Kracht warnte zugleich, die Immobilienbranche steuere in eine Sackgasse, wenn sie die Neubaukosten nicht senken könne. Kaltmieten von über zehn Euro seien für die allermeisten Leipziger unbezahlbar. Um gemeinsam neue Lösungen zu finden, brauche es im Baudezernat „einen Macher, der vorangeht“.

Das Problem, dass Neubauten erst bei Kaltmieten ab zehn Euro rentabel werden, kenne sie aus vielen anderen Städten, so Babette Schmidt von der Magdeburger AOC Immobilien, die an der Prager Straße 150 Wohnungen errichten will. „In Leipzig liegen die Bestandsmieten unter den Sätzen, die in Berlin für geförderte Wohnungen gelten“, ergänzte Jacopo Mingazzini, Vorstand der Accentro AG. Statt über Milieuschutz-Satzungen nachzudenken, würde es mehr zum sozialen Frieden beitragen, wenn die Leipziger beim Kauf von Wohneigentum unterstützt würden, regte Malte Maurer von der Deutsche Wohnen SE an. Ihr gehören in Leipzig rund 3000 Wohnungen.

OBM Jung erklärte, die Zahl der Stellen im Baudezernat sei schon erhöht worden. „Wir haben unglaubliche Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter für diese Stellen zu finden.“ Das „Führungsproblem“ im Baudezernat, wo zurzeit gleich drei Amtsleiterstellen vakant sind, werde bald im Zug einer ganz neuen Struktur gelöst.

Von Jens Rometsch