Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Zitterpartie um marode Agra-Brücke
Leipzig Lokales Zitterpartie um marode Agra-Brücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:01 29.07.2019
Schön, aber marode: Die Agra-Brücke durchschneidet den denkmalgeschützten Agra-Park und muss dringend ersetzt werden – vorzugsweise durch einen Autotunnel. Wenn die Überführung in den nächsten zehn Jahren aufgegeben werden müsste, wären weiträumige Umleitungen notwendig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Stadteinwärts geht es seit Wochen nur noch mit Tempo 30. Die Fahrspuren sind schon seit Monaten eingeengt. Die Agra-Brücke, über die jeden Tag Zehntausende Pendler rollen, wird zusehends marode. Doch der Ersatzbau – egal ob Tunnel, Trog oder neue Brücke – wird frühestens in zehn Jahren stehen. Und was ist, wenn die Brücke vorher gesperrt werden muss? „Das ist für uns eine Horrorvorstellung“, meint Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD) und mahnt schon jetzt: Der viele Verkehr, der heute über die Brücke fließt, kann nicht über Markkleebergs Straßen umgeleitet werden.

Bislang nur Voruntersuchungen erstellt

Die marode Agra-Brücke sollte im Jahr 2010 abgebrochen und durch eine neue Konstruktion ersetzt werden. Doch weil die Überführung den denkmalgeschützten Agra-Park durchschneidet, machten sich damals die Städte Markkleeberg und Leipzig für den Bau eines Autotunnels oder zumindest eine Troges stark, um die Beeinträchtigung des Parkes deutlich zu minimieren. Seitdem werden Pläne und Gutachten erstellt – und die Brücke verfällt zusehends.

Auf LVZ-Anfrage erklärte jetzt das sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV), dass es dem Bundesverkehrsministerium im März dieses Jahres Voruntersuchungen für die Erneuerung und den Ausbau der Bundesstraße 2 im Bereich der Agra-Brücke zugestellt hat. Damit das Ministerium entscheiden kann, ob es einen preisgünstigen neuen Brückenbau finanziert oder eine deutlich teurere Trog- beziehungsweise Tunnellösung. Wann Berlin entscheiden wird, ist unbekannt. Klar ist nur, dass das Projekt dort keine Priorität hat – auch wenn es inzwischen offiziell in die Förderpläne der Kohlekommission aufgenommen wurde.

„Neubau steht erst in zehn Jahren“

Doch selbst wenn der Bund noch in diesem Jahr eine Entscheidung trifft, wäre dies nicht mehr als ein kleiner Etappensieg. Denn anschließend muss die neue Lösung noch geplant werden und später ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren durchlaufen. „Ich gehe davon aus, dass das Bundesverkehrsministerium noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällt – vorzugsweise für die von uns angestrebte Tunnellösung“, sagt OBM Schütze. „Dann dauert es noch bis zu zehn Jahre, bis die neue Lösung fertig ist. Baubeginn kann auf keinen Fall vor 2025 sein, eher 2026/27.“

Auch Oberbürgermeister Schütze weiß: Es ist unklar, ob die marode Brücke noch so lange durchhält. „Der bauliche Zustand hat sich verschlechtert“, schildert das Stadtoberhaupt die Situation. „Die Schäden des Bauwerks schreiten weiter voran. Es besteht die Gefahr von Absenkungen.“ Und Schütze warnt: „Man kann nicht einfach abwarten und hoffen, dass nichts passiert.“

Brücke wird noch einmal ertüchtigt

Das LASuV verweist darauf, dass aktuell Brückenbauarbeiten stattfinden, mit denen die Lebensdauer des Bauwerks noch einmal verlängert werden soll. Auch deshalb sei dort Tempo 30 ausgeschildert – voraussichtlich bis zum Frühjahr 2020. Vorgenommen werde eine „statisch-konstruktive Teilinstandsetzung“. Vorsorge für eine Not-Sperrung der Brücke gebe es aktuell nicht. „Diese Gefahr wird nicht gesehen“, so ein Sprecher. „Die Sicherheit der Brücke wird durch eine engmaschige Kontrolle des Bauwerkszustandes und durch laufende Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen gewährleistet.“

Markkleebergs Oberbürgermeister bestätigt das. „Es gab schon einmal einen Entwurf für ein Umleitungskonzept, das bei einer Voll- oder Teilsperrung der Agra-Brücke greifen sollte“, berichtet er. „Der wurde aber mit der Begründung zurückgezogen, dass es dafür keine Notwendigkeit mehr gibt."

„Ad-hoc-Sperrung ist Schreckenszenario

Also kein Grund zur Sorge? „Eine Ad-hoc-Sperrung ist für uns ein Schreckenszenario“, sagt Schütze. „Denn unsere Seenallee und die Koburger Straße könnten den Umleitungsverkehr nicht aufnehmen.“ Die Pendler aus dem Süden müssten dann zwingend über die A72 und von dort über die A38-Anschlusstellen Leipzig-Südost und Leipzig-Südwest verteilt werden – auch in der Gegenrichtung. Maximal der Verkehr aus Markkleeberg könnte über die Bornaische, die Chemnitzer und die Koburger Straße nach Leipzig pendeln. „Es darf nicht passieren, dass dann dort gebaut wird und gesperrt ist“, warnt Schütze.

Von Andreas Tappert

Am Sonntag war der Nordstrand des Cospudener Sees wieder Party-Zone: 30 Acts traten bei der zwölften Auflage des Think-Festivals auf.

30.07.2019

Wenn Insekten verschwinden, ist das Ökosystem in Gefahr. Das macht nicht nur Umweltverbänden, sondern auch LVZ-Lesern Sorgen. LVZ.de hat nachgefragt, was die Stadt Leipzig für die Insekten tut – und wie sich die Hitze auf kleine Käferchen auswirkt.

11.11.2019

In der ersten Jahreshälfte 2019 wurden aus Deutschland knapp 10 000 Menschen abgeschoben. Über das ungewisse Warten auf Entscheidungen, schwindende Hoffnungen und den Schock einer Abschiebung spricht ein in Leipzig lebender Iraker, der aus Angst vor Anfeindungen anonym bleiben möchte.

28.07.2019