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Lokales Zoff um Gelbe Tonnen in Markranstädt
Leipzig Lokales Zoff um Gelbe Tonnen in Markranstädt
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10:01 30.04.2019
Frank Stierke mit seiner ungeleerten Gelben Tonne in Markranstädt. Quelle: Rainer Küster
Markranstädt

In Sachen Abfallentsorgung rumort es mal wieder in Markranstädt. Diesmal sind Gelbe Tonnen der Stein des Anstoßes, die nicht entleert wurden. Gleich reihenweise blieben die Behälter für Verpackungsmüll bei der letzten turnusmäßigen Leerung stehen. Eine Entwicklung, die nicht nur von Anwohnern bereits seit längerem beobachtet wird.

Entsorger moniert „Fehlbefüllungen

Die Gründe für diese Situation sind offenbar ebenso rechtens wie ärgerlich. „Fehlbefüllungen“ nennt sie der zuständige Entsorgungsbetrieb Abfall-Logistik Leipzig (ALL), ein Unternehmen der Stadt Leipzig und der Berliner ALBA Group. Die können auf verschiedene Weise zustande kommen. Neben bewussten Fehlbefüllungen – selbst Gartenabfälle wurden in Gelben Tonnen bereits entdeckt – können sich auch Passanten ungeliebten Mülls entledigen, wenn die Behälter am Straßenrand stehen.

Beanstandungsscheine“ an den Tonnen

So wie im Fall von Frank Stierke. Er wohnt in der Albertstraße und obwohl er nie offiziell zum Hausmeister ernannt wurde, kümmert sich der Rentner seit Jahren um die gemeinschaftlichen Belange im Mietshaus. Dazu zählt auch, auf die ordnungsgemäße Befüllung der Mülltonnen zu achten, sie am Abend hinauszustellen und nach der Leerung wieder in den Hof zu rollen. Diesmal hatte es auch ihn erwischt. Eine Gelbe Tonne war nicht entleert, statt dessen mit einem Beanstandungsschein versehen. Wie so viele andere auch.

Probleme durch fremden Abfall

„Als ich den Deckel geöffnet habe, fiel mir sofort eine Handvoll Walnüsse auf, die oben drauf lag. Die war da am Abend zuvor noch nicht drin“, klagt der 71-Jährige. Sofort habe er die Abfallfibel zur Hand genommen und auch den Rest der Befüllung kontrolliert. „Nur eine alte Socke habe ich noch gefunden, die da nicht hinein gehört“, war das Ergebnis seiner Überprüfung. Laut Beanstandungsschein sollen sich in der Tonne aber auch „Hausmüll, Glas oder Papier, Nichtverpackungen, Schuhe/Textilien und Speisereste“ befunden haben.

Komplexes Problem

Frank Sparschuh, Chef der Markranstädter Bau- und Wohnungsverwaltungsgesellschaft (MBWV) kennt das Problem. „Für den normalen Bürger ist es gar nicht möglich, den Verpackungsmüll hundertprozentig sortenrein zu trennen“, meint er und ist überzeugt: „Man findet in jeder Gelben Tonne Fehlbefüllungen.“ Als Beispiel führt er Getränkedosen an, von denen manche in die Gelbe Tonne gehören, andere wiederum nicht. Das Problem ist komplex und sowohl für Sparschuh als auch die Mieter teuer. Fehlbefüllte Tonnen bleiben zunächst stehen. Deren Abholung muss gesondert beauftragt und extra bezahlt werden. „Mitunter wegen Kleinigkeiten“, klagen Stierke und Sparschuh unisono. Draußen stehenbleiben dürfen die Tonnen in der Zwischenzeit nicht. Das stelle eine Sondernutzung öffentlichen Raumes dar, bestätigt das Ordnungsamt Markranstädt, und ziehe eine Anhörung nach sich, die eine entsprechende Zahlungsaufforderung an den Hauseigentümer zur Folge haben könne.

„Sortierqualität hat nachgelassen“

Henning Krumrey, Sprecher der ALBA Group, beziffert die Zahl der nicht entleerten Tonnen auf lediglich rund 0,3 Prozent des Gesamtaufkommens. Verstärkte Kontrollen, wie sie in Markranstädt vermutet werden, will Krumrey nicht bestätigen: „Leider ist die Sortierqualität in den gelben Tonnen in den vergangenen Monaten schlechter geworden. Dies liegt in Einzelfällen auch daran, dass zur Abholung bereitgestellte Tonnen von Passanten als Mülltonne missbraucht werden.“ Er rät daher, die Gelben Tonnen erst am Tag der Entsorgung bis spätestens 7 Uhr bereitzustellen.

„Höhere Recyclingquoten“

Einen möglichen Kulanzrahmen, wie beispielsweise bei ein paar Walnüssen oder falschen Getränkedosen, schließt Krumrey grundsätzlich aus. Bei einer Fehlbefüllung sei der Entsorger verpflichtet, diese Tonnen stehen zu lassen. „Hintergrund sind die gesetzlichen Vorschriften, die seit dem 1. Januar 2019 noch höhere Recyclingquoten vorschreiben. Mit Abfällen in den Tonnen lassen sich diese gesetzlichen Vorgaben nicht erreichen“, so Henning Krumrey.

Abschaffung als Alternative?

Frank Sparschuh hält dagegen: „Wer weiß schon sicher, was erlaubte Verbundstoffe sind oder beispielsweise Nichtverpackungen?“ Da somit nahezu jede Tonne beanstandet werden könne, droht der MBWV-Chef mit einer Konsequenz, die sogar rechtskonform ist. „Wenn es uns zu bunt wird, schaffen wir die Gelben Tonnen einfach ab. Dann gehen diese Abfälle eben in den Hausmüll.“ Rund um die Müllabfuhr im allgemeinen sowie das System der Gelben Tonnen oder Gelben Säcke gibt es auch in Leipzig immer wieder Diskussionen.

Von Rainer Küster

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