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Lokales Zoll-Bildungszentrum nimmt Quartier in Leipzig
Leipzig Lokales Zoll-Bildungszentrum nimmt Quartier in Leipzig
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06:01 17.12.2018
4,2 Hektar umfasst das Gelände des früheren Bundeswehrkrankenhauses in Wiederitzsch. Nach dem Umbau zum Zoll-Bildungszentrum soll es dort einen Tag der offenen Tür geben. Armin Kühne
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Leipzig

Im früheren Bundeswehrkrankenhaus in Wiederitzsch hat der Umbau zu einem Zoll-Bildungszentrum begonnen. Ab August 2019 sollen dort jährlich bis zu 400 Zollanwärter für den mittleren Dienst ihre Theorie-Ausbildung erhalten, bestätigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf LVZ-Anfrage.

Behandlungsbereiche werden Lehrsäle

Konkret würden nun einstige Behandlungsbereiche in Lehrsäle und Gruppenarbeitsräume umgewandelt. „Die vorhandenen Unterkünfte wie das Bettenhaus und die Schwesternwohnheime werden als Unterkünfte weiter genutzt“, so BImA-Sprecher Thorsten Grützner. „Teilweise sind Anpassungen nötig, um ausreichend Unterkunftsplätze zu schaffen.“

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Mit der Entscheidung des Zolls für Wiederitzsch ist Leipzig ein echter Coup gelungen. Bislang gibt es deutschlandweit erst drei solche Ausbildungsstätten für den mittleren Dienst: eine große in Siegmaringen (bei Tübingen) und zwei kleinere in Plessow nahe der Havel (wo schon die Fachschule der DDR-Zollverwaltung in einem schlossähnlichen Gutshaus residierte) sowie in Rostock-Gehlsdorf. Hingegen findet das dreijährige Studium für den gehobenen Dienst in Münster statt, erläuterte Zoll-Sprecher Jürgen Wamser. „Durch den Brexit und andere internationale Veränderungen stehen wir vor zusätzlichen Aufgaben. Bis 2026 sollen deshalb mehrere Tausend Stellen beim deutschen Zoll aufgebaut werden“, sagte er. Die Ausbildungskapazität müsse zeitnah um 40 Prozent erhöht werden.

Mehrere Bundesländer im Rennen

Die vorhandenen Einrichtungen dafür liefen „jetzt schon am Limit“, erläuterte Wamser. Um den neuen Standort hätten sich verschiedene Bundesländer beworben. „Wir freuen uns für Leipzig und für Sachsen, dass es dort geklappt hat. Zumal diese Stadt sehr verkehrsgünstig liegt.“

Zwei Jahre dauere die Ausbildung für den Mittleren Dienst, wobei die Anwärter bereits ein Gehalt beziehen. Die ersten sechs Monate sind vor allem der Theorie gewidmet und zumindest für jene Beamte, die später eine Waffe tragen, auch dem Sport. Darauf folgen zwölf Monate praktische Ausbildung in einer Zolldienststelle sowie am Schluss noch mal sechs Monate Theorie und Recht im Bildungszentrum. „Zudem wird für unsere Arbeit die Fortbildung immer wichtiger“, betonte der Zoll-Sprecher. Auch in Wiederitzsch würden daher künftig viele erfahrene Beamtinnen und Beamte auf den neuesten Stand gebracht.

Mietvertrag für die Leerstandsflächen

Wie berichtet, hatte sich besonders der Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann (CDU) für die nun gefundene Lösung eingesetzt. „Damit das Krankenhaus nicht weiter ungenutzt und ein Ärgernis für die Anwohner bleibt, habe ich viele Gespräche geführt“, erklärte er. Nach LVZ-Informationen war Leipzig erst vor wenigen Monaten in das Rennen um die Behörde gestartet. Vor zwei Wochen segnete der Bundestag die Standortentscheidung ab.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mietet auf dem 4,2 Hektar großen Areal schon längere Zeit verschiedene Flächen: so für die Bundespolizei, für das Technische Hilfswerk (THW) und für eine medizinische Fachuntersuchungsstelle der Bundeswehr. Laut Sprecher Grützner sicherte sie sich nun mit einem langfristigem Mietvertrag „die zur Verfügung stehenden Leerstandsflächen“ in dem Objekt für das Zoll-Bildungszentrum. Die notwendigen Umbauten würden durch den privaten Eigentümer der Immobilie ausgeführt. Die Kosten dafür seien in der Miete inbegriffen, die die BImA bezahlt.

LVB planen bessere Bus-Anbindung

Vor Ort verbinden sich mit der Standort-Entscheidung des Zolls Hoffnungen, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nun endlich bald die Bus-Anbindung für Wiederitzsch verbessern. LVB-Sprecher Marc Backhaus sagte hierzu, es seien schon Bundesfördermittel im Rahmen des Projektes „Absolut“ beantragt.

Bei „Absolut“ wollen öffentliche und private Partner gemeinsam einen selbstorganisierenden Busshuttle im Leipziger Norden aufbauen – möglichst mit fahrerlosen Bussen. Per App könnten Shuttles herbeigerufen werden, die auf einer stets gleichen Route verkehren. Die Strecke soll auch die Messe und das BMW-Werk bedienen. „Voraussichtlich im Februar teilen wir zu den Plänen Genaueres mit“, sagte Backhaus. Vielleicht liege dann auch schon der Fördermittelbescheid vor.

Für 118 Millionen D-Mark modernisiert

Das Bundeswehrkrankenhaus in der Bahnhofstraße 86 wurde in den Neunzigerjahren für 118 Millionen D-Mark modernisiert. Im Zuge einer Bundeswehrreform kam 2007 die Schließung. Später erwarb es die Golden Gate GmbH aus München für sechs Millionen Euro, diese Firma ging aber 2014 pleite. Im Jahr darauf versuchte Golden Gate dennoch, das Areal an den Freistaat Sachsen als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber zu verpachten. Dies löste in Wiederitzsch Proteste aus.

Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach sorgte dafür, dass die Gebäude weiter kleinteilig vermarktet wurden. In der zweiten Jahreshälfte 2017 gelang ihm der Verkauf „an einen deutschen Immobilienentwickler“, dessen Name damals nicht bekanntgegeben wurde.

Neuer Eigentümer gehört zu ImmVest Wolf

Laut Handelsregister ist der Käufer ein Ableger des bekannten Leipziger Bauprojektentwicklers ImmVest Wolf. Dieser erwarb die Golden Gate Leipzig GmbH samt Grundstück. Im August 2018 firmierte dieses Unternehmen um auf den neuen Namen LE Campus GmbH. Geschäftsführer blieb der aus München stammende Rupert Doehner. Da ihm noch weitere Vermietungen an Privatfirmen gelangen, dürfte nun die einstige Problemimmobilie fast ausgebucht sein.

Wenn die Umbauten für den Zoll im früheren Bundeswehrkrankenhaus Wiederitzsch abgeschlossen sind, soll es dort noch einen Tag der offenen Tür geben.

Von Jens Rometsch