Zoo Leipzig und WWF stellen Report über illegalen Tigehandel vor
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Lokales Alarmierend: Zoo Leipzig und WWF stellen Report über illegalen Tiger-Handel vor
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Zoo Leipzig und WWF stellen Report über illegalen Tigehandel vor

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15:48 30.09.2020
Stellen den WWF-Report vor: Zoochef Jörg Junhold und Arnulf Köhncke (WWF Deutschland) in der Tiger-Taiga, hinten steht Amurtiger-Weibchen Akina. Quelle: Kempner
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Leipzig

Akina ist Medienprofi. Lässigen Schrittes bewegt sie sich Richtung Film- und Fotokameras. Angelockt von Rindfleisch-Snacks, die Tierpfleger Dennis Hochgreve ihr zuwirft, rückt sich das junge Tigerweibchen am Dienstagvormittag perfekt mit Jörg Junhold und Arnulf Köhncke ins Bild – für ein wichtiges Thema: den Erhalt ihrer wild lebenden Artgenossen.

Zur Vorstellung des World-Wildlife-Fund-Reports zum Tigerhandel in Europa stehen Köhncke, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland, und der Chef des Leipziger Zoos vor der Tiger-Taiga und fächern ein alarmierendes Zahlenwerk auf: Rund 1800 der Raubkatzen leben in Zoos, in freier Wildbahn ist es weniger als das Doppelte. Das liegt nicht zuletzt am illegalen Handel mit den Tieren. „Eine große Gefahr“, warnt Köhnke, „denn das Geschäft mit Tigerteilen und -produkten floriert und wird immer weiter angeheizt.“

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Auch Deutschland handelt mit Tigern

Die Studie dokumentiert, dass Europa ein Drehkreuz des internationalen Tigerhandels ist. Nicht nur Belgien, Frankreich oder Italien gehören zu den weltweit größten Ex- und Importeuren, sondern auch Deutschland. Fatal dabei: EU-Länder dürfen die Raubkatzen zu kommerziellen Zwecken in Drittländer liefern. Im Untersuchungszeitraum von 2013 bis 2017 wurde mit 187 lebenden Tigern Handel getrieben, davon landeten allein 73 in Zirkussen, Freizeitparks und Wandertiershows etwa in Vietnam, Thailand, Russland und der Türkei.

„Wir fordern ein Verbot dieser Geschäfte“, betont Köhncke. Kontrolle ist allerdings nur möglich, wenn aus jedem Land verlässliche Datenbanken und Register vorliegen – so wie beispielsweise in den Zoologischen Gärten. Der Zoo Leipzig führt schon seit 1973 das Internationale Tiger-Zuchtbuch.

Für Bedeutung sensibilisieren

„Wir müssen der Bedrohung der Tiger durch gemeinsame Anstrengungen begegnen“, sagt Junhold, auch Präsident des Verbandes der zoologischen Gärten. „Hier vor Ort kann das Publikum für die Schönheit dieser Tiere sensibilisiert werden und für die hohe Bedeutung, deren Population zu sichern.“

Den Anlass der Studie gaben Ermittlungen in der Tschechischen Republik 2018, als ein komplexes Netzwerk aus Privatzüchtern, Mittelsmännern und Händlern aufgedeckt wurde. Das offenbarte die Schwächen in den nationalen rechtlichen Bestimmungen.

www.wwf.de

Von Mark Daniel

30.09.2020
30.09.2020