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Lokales Zum Aus des So&So: Clubbetreiber übt Kritik am Investor
Leipzig Lokales Zum Aus des So&So: Clubbetreiber übt Kritik am Investor
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07:01 19.01.2019
Ab Februar nur noch Geschichte: Das So&So auf dem Gelände vom Freiladebahnhof in der Theresienstraße, das zum Wohnviertel umgebaut wird. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar ist Schluss: Das So&So macht endgültig dicht. Ursprünglich sollte der Club auf dem Gelände des Eutritzscher Freiladebahnhofs im Bauvorhaben des neuen, riesigen Wohnprojekts der CG Gruppe berücksichtigt werden. Dann entschied sich der Vermieter anders und schickte die Kündigung raus. Vor dem Abschied sprachen wir mit Johannes Reis (30), zusammen mit Robin Meneses der Betreiber, über den vergeblichen Kampf um die Location und die Zukunft.

„So oder so möchten wir lachend Abschied nehmen“, heißt es auf Ihrer Homepage. Ist das möglich nach dem, was in den letzten Monaten passiert ist?

Wir haben uns ja schon lange mit der Sache auseinandersetzen müssen und sind darauf vorbereitet. Die finalen Partys wollen wir natürlich genießen. Aber in der letzten Nacht Ende Januar wird es emotional natürlich schwer werden.

Welche Emotionen überwiegen im Vorfeld?

Zum einen Dankbarkeit – im letzten halben Jahr haben wir enorme Unterstützung bekommen von Freunden, neuen Freunden, dem Team, aus der Politik. Außerdem von allen Leipziger Clubs. Die waren sehr kollegial und haben geholfen, wo es nur ging. Andererseits spüre ich auch Verbitterung. Das Ende fürs So&So hat mal wieder gezeigt, wie unerheblich breite Anstrengungen sein können, wenn es um Profit geht. Trotz Demo von 2500 Leuten, trotz Petition und Unterstützung von Stadträten – das Wirtschaftsinteresse des Investors hat sich durchgesetzt. Offenbar wurde von der CG Gruppe nie die Überlegung in Betracht gezogen, wie wertvoll der Club für die Infrastruktur und die Qualität des neuen Viertels hätte sein können.

Die Rede war davon, dass 300 Wohnungen wegfallen würden, weil eine Disco so nah neben Wohnungen nicht erlaubt sei.

In Ihrer Zeitung wurden als Begründung für diese These Immobilienkenner zitiert: Beim Verbleib des So&So müsse man mit dem Zirkel einen Kreis darum ziehen, weil eine Disco so nah neben Wohnungen nicht erlaubt sei. Das ist Unsinn. Von der Bauphysik her haut das mit dem Zirkel schon nicht hin. Es lagen Entwürfe vor, nach denen wir am Rande eines Parks gelegen hätten und in unmittelbarer Umgebung keine unlösbaren Probleme bestanden hätten. Leider hatten wir nicht die finanziellen Mittel für ein Lärmschutzgutachten – ich bin sicher, dass das gut für uns ausgegangen wäre.

Ein Argument für die Schließung war laut Leipziger CG Gruppe, dass durch das nötige Kappen der Stromversorgung der Weiterbetrieb eh unmöglich gewesen wäre.

Das steht im Widerspruch zu dem, was bereits passiert ist: Der Strom, den wir zuvor aus dem Bahnnetz bezogen haben, ist gekappt, seit November hängen wir am Netz der Stadtwerke. Natürlich hätten wir die Bauarbeiten vor Ort nicht leichter gemacht, aber das war nur eine Frage des Willens.

In einem Interview haben Sie eingeräumt, Sie seien zu naiv an das Projekt So&So herangegangen – inwiefern?

Grundsätzlich meine ich: Wären junge Leute an bestimmte Kulturprojekte ohne eine gewisse Naivität, Risikobereitschaft und Enthusiasmus herangegangen, gäbe es einiges in dieser Stadt nicht. Aber klar – wir waren blauäugig, auch mangels Erfahrung. Dass der Mietvertrag zur Zeit der Eröffnung 2016 immer nur jährlich verlängert werden konnte, ist uns auf die Füße gefallen. Im Vorfeld habe ich recherchiert, ob in absehbarer Zukunft ein Bauvorhaben ansteht. Unter anderem aus dem Bauordnungsamt kam die Nachricht, dass auf lange Sicht nichts passieren werde. Es war falsch, sich darauf zu verlassen.

Künstler und Personal verzichten bis zum Ende auf Bezahlung – zu Gunsten eines Neuanfangs. Gibt es für den eine Perspektive?

Noch nichts Konkretes, und es ist schwer, das passende Objekt zu finden. In den Jahren seit unserer Eröffnung sind potenzielle Flächen eher weniger als mehr geworden.

Es gab Angebote von der CG Gruppe für den Postbahnhof und im Leipziger Westen. Was ist daraus geworden?

Ein Gebäude auf dem Postbahnhof wurde ja schon 2016 ins Spiel gebracht, doch dieses wurde einseitig zurückgezogen, und nach dem Planungs- und Bürgerbeteiligungs-Verfahren durften wir davon ausgehen, auf dem Verladebahnhof bleiben zu können. 2018 folgte eine weitere Offerte auf dem Postbahnhof, das Objekt war allerdings viel zu klein und in direkter Nachbarschaft zu einer Kleingarten-Anlage. Auch der TV-Club hat das wegen der Winzigkeit abgelehnt. Wenn man Karstadt retten will, rettet man auch nicht nur die Sportabteilung.

Und das zweite Objekt...?

... war schön, eine kleine Industriehalle aus der Gründerzeit in Lindenau. Allerdings brandschutztechnisch eine Katastrophe, das hätte unser Budget bei weitem gesprengt – und Konflikte wegen der Zufahrten von anliegenden Handwerkbetrieben auf dem Areal gegeben.

Unter anderem das Four Rooms musste wegen anderer Vermietungs-Interessen schließen. Wird das Clubsterben weitergehen?

Unser Beispiel zeigt, dass sich etwas ändern muss. Hätte es in dem Vertrag zwischen der Stadt und dem Investor einen Passus über den Verbleib von So&So und dem TV Club gegeben, wäre alles anders gelaufen. Das könnte erneut ein Problem für die Distillery werden, wenn das Bauvorhaben am Bayrischen Bahnhof reaktiviert wird. Dringend nötig ist ein Club- und Kultur-Kataster, das den Schutz der Einrichtungen garantiert – eine der Forderungen der Interessengemeinschaft Live-Kommbinat, der auch wir angehören.

Welche Veranstaltung im So&So wird Ihnen in Erinnerung bleiben?

Zum Beispiel das Warm-Up zum Burg-Herzberg-Festival mit drei Bands und dem herrlich verrückten DJ Soulrabbi. Am Ende des großen Abends haben rund 20 Musiker backstage eine Party bis 8 Uhr früh geschmissen, nur gesungen und getrunken. Unvergesslich!

Wovon leben Sie und Mitbetreiber Robin Meneses, bis es ein neues So&So gibt?

Robin ist professioneller, freischaffender Orchestermusiker. Ich werde wieder als DJ arbeiten und ansonsten meine Zeit in die Suche nach einem neuen Zuhause investieren. Ich stehe in der Verantwortung für alle, die uns so lange geholfen haben. Interview: Mark Daniel

Vorletzte Veranstaltung diesen Samstag mit Ninze & Okaxy (The Last Chapter) ab 23 Uhr, Theresienstraße 2. Das Finale „Schöne alte Welt“ wird vom 25. bis 28. Januar gefeiert. Hinweise zu einem möglichen neuen Standort können an info@kuz-soundso.de geschickt werden.

Von Mark Daniel

Sofern die Kreispolizeibehörde eine Eisfläche nicht freigegeben hat, erfolgt das Betreten stets auf eigene Gefahr. Eventuelle Kosten werden nicht von der Stadt Leipzig übernommen.

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