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Leipzig Lokales Zwei Drittel der Leipziger haben Angst vor wachsender Kriminalität
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19:24 18.07.2017
Die Zahl der Einbrüche nimmt dramatisch zu – doch die Prävention in vielen Leipziger Haushalten hält nicht Schritt.   Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Zwei Drittel der Leipziger machen sich große Sorgen vor einer Zunahme der Kriminalität in ihrer Stadt. Dies geht aus der jüngsten Umfrage zur Sicherheit in Leipzig hervor, die Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) am Dienstag im Rathaus vorstellte. Demnach sind die Befürchtungen bei 67 Prozent der teilnehmenden Bürger stark oder sehr stark. Bei der letzten Befragung 2011 waren es noch 62 Prozent.

Stichprobenartig hatte die Stadt im vergangenen Jahr unter allen deutschen und ausländischen Einwohnern zwischen 18 und 85 Jahren – immerhin mehr als 466.000 Datensätze – per Zufallsgenerator 6000 Personen ermittelt und angeschrieben. 2845 Leipziger füllten am Ende den achtseitigen Fragebogen aus. Das ermittelte Sicherheitsempfinden sei eine eigenständige Größe, kein Abbild des tatsächlichen Kriminalitätsaufkommens, so Soziologieprofessor Kurt Mühler von der Uni Leipzig. „Aber es ist eine Art Hinweisgeber auf Probleme und entstehendes Unbehagen.“

Tagsüber sicher

Immerhin: 94 Prozent der Befragten fühlen sich zumindest tagsüber in ihrem Wohngebiet sicher. Nachts geht das allerdings nur noch 64 Prozent so. Eine knappe Mehrheit (52 Prozent) hält auch die Präsenz der Polizei für ausreichend. Satte 77 Prozent meinten, die Anwesenheit von Politessen im Stadtgebiet sei ausreichend oder könnte sogar geringer ausfallen. 69 Prozent urteilten so im Falle von Geschwindigkeitskontrollen.

Besonders beeinträchtigt fühlen sich die befragten Einwohner von Hundekot im Wohngebiet – 55 Prozent nehmen das Problem oft war. Auch Abfall wie Glas, Papier und Zigarettenkippen wird als häufiges Ärgernis ( 48 Prozent) wahr­genommen, Graffiti (35 Prozent) und ­freilaufende Hunde (26 Prozent) zur Überraschung der Stadt hingegen eher weniger.

Angst vor Fahrrad- oder Autodiebstahl

Bei der Einschätzung der Kriminalitätsgefahr sind die Leipziger nicht weit weg von der Realität. So hielten es 91 Prozent der Befragten für wahrscheinlich, dass man in Leipzig Opfer eines Fahrraddiebstahles wird. Zum Vergleich: 2016 registrierte die Polizei in der Stadt 9642 Fahrraddiebstähle. 81 Prozent schätzten die Wahrscheinlichkeit hoch ein, Opfer eines Autodiebstahls oder eines Einbruchs in den Pkw zu werden. 65 Prozent sehen eine beträchtliche Gefahr, überfallen zu werden, wenn man nachts allein unterwegs ist.

Und viele Einwohner ziehen daraus Konsequenzen. 85 Prozent gaben an, immer oder zumindest oft Wertgegenstände aus ihrem Auto zu nehmen, 70 Prozent haben nur noch kleinere Geldbeträge bei sich, 60 Prozent meiden nachts Parkanlagen und andere gefährliche Orte. „Das individuelle Präventionsverhalten steigt mit dem Alter“, erklärte Rosenthal.

Aufklärung nötig

Aus Sicht der Stadt geschieht das jedoch nicht in allen Bereichen im nötigen Umfang. So gaben lediglich 44 Prozent der Leipziger an, Einbruchssicherungen für Wohnungen und Nebengelasse zu verwenden. Angesichts von 2179 Wohnungseinbrüchen und 7933 Diebstählen aus Dachböden und Kellern allein 2016 sieht der Ordnungsbürgermeister Luft nach oben. 41 Prozent sei die Sicherheitstechnik zu teuer, 38 Prozent halten ihre Wohnung für sicher genug, 26 Prozent haben noch gar nicht darüber nachgedacht. „Da ist aus unserer Sicht noch viel Aufklärung nötig“, so Rosenthal.

Und nicht nur das: Die Stadt will die Ergebnisse der mittlerweile fünften Sicherheitsumfrage seit 1995 zum Anlass für eine Reihe von Maßnahmen nehmen. Gegen den überbordenden Fahrraddiebstahl wird das Präventionsprojekt „Rad.LE“ eingerichtet. Vorgesehen ist auch die Bildung einer neuen Dienstgruppe des Stadtordnungsdienstes im Zentrum.

Noch in diesem Jahr soll der Stadtordnungsdienst zehn zusätzliche Stellen erhalten, 2018 kommen weitere zehn hinzu. Die Stadt wolle sich auch weiterhin für Korrekturen bei der Polizeireform einsetzen, so Rosenthal. Ziel seien etwa mehr Bürgerpolizisten und Fußstreifen. Zudem drängt die Stadt darauf, dass zur Entlastung der Polizei auch gemeindliche Vollzugsbedienstete polizeiliche Aufgaben wahrnehmen dürfen.

Von Frank Döring

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