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Lokales Ohne deutsche Teilung wären Leipzig und Dresden heute Millionenstädte
Leipzig Lokales Ohne deutsche Teilung wären Leipzig und Dresden heute Millionenstädte
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10:52 12.06.2019
Mauerbau im August 1961 in Berlin. In den 1950er Jahren siedelten Menschen aus dem Osten in Scharen in die Bundesrepublik über. Quelle: dpa
Leipzig/Dresden

Rund 30 Jahre nach dem Mauerfall sind die optischen Flurschäden des Sozialismus in Ostdeutschland weitgehend verschwunden. „Viele Dörfer haben sich herausgeputzt, Rathäuser funkeln, Gründerzeit-Altbauten sind kernsaniert“, heißt es in einer neuen Studie des Dresdner ifo-Instituts. „Ihren alten historischen Glanz haben die meisten ostdeutschen Städte und Gemeinden zurück. Das einzige was ihnen fehlt, sind ihre Einwohner.“

Ostdeutschland sei auf die Bevölkerungszahl des Jahres 1905 zurückgefallen. Gleichzeitig lebten auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik heute so viele Einwohner wie niemals zuvor in der Geschichte. „Die Einwohnerzahlen beider Landesteile driften trotz Wiedervereinigung nahezu ungebremst auseinander. Die anhaltende Wucht der deutschen Teilung wird bis heute in der Öffentlichkeit völlig unterschätzt“, sagt Studienautor Felix Rösel.

"Nichts bleibt, wie es war", soll einst der römische Kaiser Mark Aurel gesagt haben. Das gilt in vielen Perspektiven auch für die Messestadt. Wir haben Bilder aus dem LVZ-Fotoarchiv mit neuen Aufnahmen kombiniert.

Heftiger Bevölkerungsschwund von 1949 bis zum Mauerbau 1961

Kaum ein Ereignis habe die jüngere deutsche Wirtschaftsgeschichte so geprägt wie die Teilung des Landes in Bundesrepublik und DDR im Jahr 1949. Wäre die Einwohnerzahl in Ostdeutschland nach Kriegsende genauso gewachsen wie in Westdeutschland, würden in Ostdeutschland heute rund doppelt so viele Einwohner leben. Dresden und Leipzig wären Millionenstädte. Dresden hatte Ende 2018 rund 560.000 Einwohner, Leipzig kratzt inzwischen an der Grenze zu 600.000 Menschen und wird diese Marke im Laufe des Jahres überspringen, wie Statistiker aus dem Neuen Rathaus errechnet haben.

Die Hauptursache für den Bevölkerungsschwund ist laut Rösel die Massenflucht aus Ostdeutschland von 1949 bis zum Mauerbau im Jahr 1961. Darüber hinaus fehlte Ostdeutschland auch die Zuwanderung junger Gastarbeiter in den 60er und frühen 70er Jahren. Schließlich trug auch die Abwanderung nach der Wende vor genau 30 Jahren zu der unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung bei. Vor der deutschen Teilung vor rund 70 Jahren hätten sich Ost- und Westdeutschland dagegen nahezu parallel entwickelt“, sagt der Wissenschaftler. „Die Teilung hat die beiden Teile Deutschlands dauerhaft auf völlig unterschiedliche Entwicklungspfade geschickt.“

In Leipzig wird immer irgendwo gebaut, weichen alte Perspektiven den neuen. Ein Blick ins LVZ-Fotoarchiv.

Konzentration der Förderung auf Städte wäre falsch

„Einkommen und Arbeitslosenquoten in Ost und West gleichen sich zwar langsam an, aber die Bevölkerungszahlen driften immer weiter auseinander“, sagt Rösel weiter. In einigen ländlichen Regionen haben laut Studie die Bevölkerungszahlen gar den Stand von Mitte des 19. Jahrhunderts erreicht, mit weiter rückläufiger Tendenz. Der ifo-Forscher geht auch auf die jüngsten Überlegungen zu einer Konzentration öffentlicher Fördermittel auf ostdeutsche Großstädte ein. „Der ländliche Raum im Osten ist infolge der deutschen Teilung regelrecht ausgeblutet. Ein Ende der Förderung des ländlichen Raumes in Ostdeutschland wäre eine doppelte und deshalb besonders ungerechte Bestrafung. Wir brauchen genau das Gegenteil und müssen den sozialen Zusammenhalt sowohl in den Städten als auch in der Fläche fördern.“

Von Andreas Dunte

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