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Polizeiticker Berichterstattung über Femizide: Sachlich, objektiv und distanziert
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Berichterstattung über Femizide: Sachlich, objektiv und distanziert 

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21:37 01.07.2020
Der Essay "Die unerkannte Pandemie Femizid" von Bettina Wilpert am Mittwochabend im Produktionssystem der LVZ. Quelle: LVZ
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Leipzig

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir haben heute einen Essay der jungen Leipziger Schriftstellerin Bettina Wilpert veröffentlicht, um Raum zu geben für eine kritische Debatte, deren Inhalt am 16. Mai sozusagen bis vor unsere Haustür getragen wurde. An jenem Tag erklärten etwa 500 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Vorplatz des LVZ-Medienhauses im Leipziger Peterssteinweg: „Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind!“.

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Es geht um Femizide, um Frauenmorde, um die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Jedes Jahr geschehen in Deutschland dutzende Frauenmorde, weil Frauen nicht die ihnen von Männern zugedachte Rolle erfüllen wollen. Bettina Wilpert setzt sich mit der Thematik auseinander und geht dabei auch kritisch mit der Medienberichterstattung ins Gericht.

Interpretation und Fakten

Wir tolerieren die Sicht der Autorin, was jedoch nicht heißt, dass wir die Sache in allen Teilen so sehen wie sie. Wir meinen nicht, dass unsere Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Tod der 37-jährigen Myriam Z. dazu angetan war, Mitleid mit dem Täter zu erwecken, wie es in dem Essay heißt. Den Hintergrund eines mutmaßlichen Täters auszuleuchten, stellt den Versuch dar, tiefer in den Hergang des Geschehenen vorzudringen.

Dass unsere Berichte damit andeuteten, „die Verstorbene sei selbst schuld an ihrem Tod“ gewesen, ist eine Interpretation. Es war keinesfalls unsere Absicht, „einen Mord ein Stück weit zu rechtfertigen“, sondern wir haben Fakten zusammentragen, soweit das in einem schwebenden Verfahren möglich ist.

Die Installation auf dem Vorplatz der Leipziger Volkszeitung wurde genutzt , um auf Femizide aufmerksam zu machen –und gängige Berichterstattung darüber zu kritisieren. Rote Wäschestücke und Text-Informationen wurden auf die gespannten Leinen geklammert. Quelle: Foto: Armin Kühne

Dazu gehört auch die Tatsache, dass der mutmaßliche Täter aus Afghanistan stammt, vor Jahren nach Deutschland emigrierte und hier inzwischen als „gut integriert“ galt. Bettina Wilpert besteht darauf, dass der Mann Deutscher ist, was seinem Pass nach durchaus möglich ist, wenn er denn die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hat. In einer Berichterstattung allerdings sagt das nichts über seinen kulturellen Hintergrund und die damit möglicherweise verbundenen Ansichten des Zusammenlebens von Mann und Frau, die mittelalterlichen Vorstellungen entspringen können.

Die im Text angeführte und kritisierte „Behauptung, dass jemand mit einem deutschen Pass noch kein ‚richtiger Deutscher‘ sei“, wurde von uns so nie aufgestellt. An dieser Stelle vermischt sich die Kritik der Autorin an unserer Berichterstattung mit allgemeiner Kritik an der „AfD und neuen rechten Gruppen“.

Medien sind keine Gerichte

Last but not least: Bettina Wilpert spricht von „Mord“. Ohne erneut in den Verdacht des Tätermitleids kommen zu wollen: die Sache ist nicht aufgeklärt und nicht vor Gericht verhandelt. Damit steht auch nicht fest, ob es Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge, etc. war. Medien sind keine Gerichte und Journalisten und Schriftsteller keine Juristen.

Wir stellen uns jeden Tag der Aufgabe, sachlich, objektiv und distanziert über das Leben in Leipzig, Sachsen und der Welt zu berichten. Wir freuen uns, wenn unsere Leser uns auf diesem Weg kritisch begleiten, und wir stellen uns Debatten, die an uns herangetragen werden. Der Essay auf dieser Seite ist ein Beispiel dafür. Wenn Sie mögen, schreiben Sie uns unter der Mailadresse Chefredaktion@lvz.de,wie Sie die Sache sehen.

Ihr Jan Emendörfer, Chefredakteur

Von LVZ