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Polizeiticker Gericht: Vater setzt Sohn absichtlich auf heiße Herdplatte
Leipzig Polizeiticker Gericht: Vater setzt Sohn absichtlich auf heiße Herdplatte
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07:02 03.07.2019
Gewalt gegen Kinder: Ein am Leipziger Amtsgericht verurteilter Vater akzeptiert die Verurteilung nicht. (Symbolbild) Quelle: dpa/Patrick Pleul
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Leipzig

Bis zuletzt sprach er von einem bedauerlichen Unfall. Doch das Leipziger Amtsgericht glaubte ihm diese Version nicht. Es verurteilte den Angeklagten Amjad Al-R. (32) jetzt wegen Misshandlung seines kleinen Sohnes zu 17 Monaten Haft auf Bewährung. Laut Gerichtssprecher Stephan Blaschke hatten Staatsanwaltschaft und Nebenklage zuvor mit 22 Monaten eine höhere Bewährungsstrafe beantragt. Verteidiger Hagen Karisch plädierte indes auf fahrlässige Körperverletzung und eine Geldstrafe. „Wir haben Berufung eingelegt und gehen nach wie vor davon aus, dass der Angeklagte nicht mit Absicht gehandelt hat“, betonte der Anwalt.

Verbrennungen zweiten und dritten Grades

Staatsanwaltschaft und Gericht sind jedoch davon überzeugt, dass der angeklagte Syrer seinen kleinen Sohn bewusst mit dem nackten Po auf eine heiße Herdplatte gesetzt hat, um ihn wegen erneuten Einnässens zu züchtigen. Demnach fügte der 32-Jährige dem Jungen im September 2016 in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Leipziger Riebeckstraße schwere Verletzungen zu. Der zur Tatzeit zwei Jahre und neun Monate alte Junge erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades. In dem Prozess, der am 23. Mai begonnen hatte, ging es um den schweren Vorwurf der Misshandlung Schutzbefohlener.

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Das Gericht stützte seine Ansicht auf die Aussage eines Angestellten, des damaligen Heimleiters, wonach die Kindesmutter ihren Ehemann unmittelbar nach dem Vorfall schwer belastet hatte. Es habe sich „um eine Bestrafung des Jungen“ gehandelt, so die Frau. Im aktuellen Verfahren hatte die 36-jährige Syrerin die Aussage verweigert und ihr Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch genommen. Sie hatte sich zeitweise von ihrem Ehemann getrennt und lebte mit den Kindern auch im Frauenhaus. Zum Prozessauftakt kündigte der Angeklagte jedoch an, dass die Familie wieder zusammenziehen werde.

Rechtsmediziner schließt andere Ursachen aus

Amjad Al-R. hatte eine derartige Züchtigung vehement bestritten. Vielmehr seien die Wunden „aus Versehen“ entstanden, erklärte der Verteidiger. Offenbar habe sich der Junge verbrannt, als sein Mandant mit dem Kind auf dem Arm am Backofen hantierte. Oder der Kleine sei mit heißen Kohlen für die Shisha-Pfeife des Vaters in Berührung gekommen. Diese Varianten hatte ein Rechtsmediziner damals als Ursache für die kreisrunden Brandwunden aber ausgeschlossen.

Von Sabine Kreuz