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Polizeiticker Leipzig Hitlergruß am Leipziger Synagogen-Denkmal: 15 Monate Haft
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Hitlergruß am Leipziger Synagogen-Denkmal: 15 Monate Haft
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16:55 27.08.2019
Rolf Isaacsohn trat im Strafprozess am Amtsgericht als Zeuge auf. Quelle: Silvia Hauptmann
Leipzig

Für Staatsanwalt Andreas Ricken gab es am Ende des Prozesses keine Zweifel. „Der Angeklagte hat an dem Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus verhöhnend den Hitlergruß gezeigt und die NS-Herrschaft verherrlicht“, sagte er in seinem Plädoyer am Dienstagnachmittag im Leipziger Amtsgericht. Richter Arno Goebes bewertete dies ähnlich und verurteilte den beschuldigten Gerüstbauer John G. (36) zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung. Die Anklagebehörde hatte drei Monate mehr gefordert.

Es war ein Fall, der Schlagzeilen machte: Bei TV-Dreharbeiten am Synagogen-Denkmal in der Leipziger Gottschedstraße am 12. Oktober 2017 fielen zwei Männer auf: John G. (36) und Kevin H. (25), dessen Verfahren abgetrennt worden war. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll der Ältere den Arm zum Hitlergruß erhoben und in Richtung des MDR-Teams, das mit dem Holocaust-Überlebenden Rolf Isaacsohn (86) gerade ein Interview geführt hatte, den Stinkefinger gezeigt sowie ausgespuckt haben.

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Das Problem zumProzessauftakt vor gut einer Woche: Isaacsohn, der mit seinem Vater das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte, sowie ein Zeuge aus dem Fernsehteam äußerten sich widersprüchlich, machten vor Gericht teilweise andere Angaben als noch bei ihren polizeilichen Vernehmungen. Auch auf den Fernsehaufnahmen ist die Tat nicht zu sehen. Selbst eine Überwachungskamera am Mahnmal für die beim November-Pogrom 1938 abgebrannte Hauptsynagoge filmte die Szenerie nicht. Wie sich später herausstellte, handelte sich nur um eine Attrappe.

Der mehrfach vorbestrafte Vater von zwei Kindern (1, 9) stritt den Hauptvorwurf ab. Er habe den Hitlergruß nicht gezeigt, sondern sich provoziert gefühlt, weil ein Kameramann ihn und seinen Bekannten „ohne ersichtlichen Grund“ gefilmt hätten. Lediglich ein Redakteur des MDR, der an jenem Tag das Interview geführt hatte, belastete John G. eindeutig: „Der Angeklagte setzte an zum Hitlergruß.“

Keine Bewährung

Weil die Beweislage auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft zu dürftig war, wurde ein weiterer Verhandlungstermin an diesem Dienstag anberaumt, um einen zunächst verhinderten Zeugen zu hören. Der Mann aus dem TV-Team erkannte in John G. den Mann vom Tatort wieder. „Der Angeklagte war derjenige, der den Hitlergruß für vier bis fünf Sekunden gezeigt hat“, so der Tontechniker, „ich war etwa 30 Meter entfernt.“

Verteidiger Dieter Wisniewski bezeichnete die Widersprüche in einigen Zeugenaussagen als befremdlich. „Wenn mein Mandant im Unrecht war, hat er es auch eingeräumt.“ Dies galt auch für einen Teil der ebenfalls angeklagten vier Ladendiebstähle.

Staatsanwaltschaft und Gericht sahen die Anklagevorwürfe – Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung, Beleidigung – aufgrund der Zeugenaussagen hingegen bestätigt. Richter Goebes sah auch keinen Anlass dafür, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Immerhin sei John G. bereits erheblich vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, saß auch schon im Gefängnis.

Von Frank Döring

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