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Polizeiticker Leipzig 67-jähriger Leipziger vor Gericht: Stieftochter wirft schwere sexuelle Übergriffe vor
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig 67-jähriger Leipziger vor Gericht: Stieftochter wirft schwere sexuelle Übergriffe vor
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19:02 06.11.2017
Landgericht Leipzig.
Landgericht Leipzig. Quelle: dpa
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Leipzig

Gravierende Vorwürfe treffen einen 67 Jahre alten Rentner aus Leipzig: Vor zwei Jahrzehnten soll Manfred Ulrich H. seine Stieftochter in mindestens 15 Fällen schwer sexuell missbraucht haben. Am Montag begann am Landgericht Leipzig ein mehrtägiger Prozess. Laut Oberstaatsanwältin Heike Poganiatz soll sich der Angeklagte erstmals im Mai 1995 in einer Wohnung in Leipzig, in der Käthe-Kollwitz-Straße, auf schwerste Weise an dem Mädchen vergangen haben – da war es erst acht Jahre alt. „Er vollzog mit der Stieftochter den Geschlechtsverkehr“, sagte die Oberstaatsanwältin. Das Kind habe schlimme Schmerzen erleiden müssen. In der Anklageschrift ist von einer unbekannten Anzahl sexueller Übergriffe auf die Kleine bis zu ihrem elften Lebensjahr die Rede. Mindestens jedoch weitere 14 Mal soll Manfred Ulrich H. bis 1998 den Beischlaf durchgeführt haben.

Die inzwischen 30 Jahre alte und verheiratete Frau hatte erst 2013 Anzeige erstattet. Vor zwei Jahren, am 5. Oktober 2015, erhob dann die Staatsanwaltschaft Anklage. Diese basiert hauptsächlich auf den Angaben der Betroffenen. „Verjährt ist nichts“, sagte der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr. Gleichwohl sei es schwer, nach so langer Zeit derlei Sachverhalte zu ermitteln beziehungsweise während des Prozesses aufzuklären. „Es gibt keine objektiven Beweismittel wie etwa DNA-Spuren“, so Harr. Einzig subjektive Beweismittel wie beispielsweise Aussagen von Zeugen stünden zur Verfügung. Während der mehrstündigen Anhörung der Betroffenen schloss das Gericht am Montag zum Schutz ihrer Intim- und Privatsphäre die Öffentlichkeit aus. Und der Angeklagte wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Aus den Akten würden sich „spürbare Widersprüche“ ergeben, erklärte die Verteidigung. Bis 17. November sind noch zwei Prozesstage geplant.

Laut Staatsanwaltschaft bestand zwischen der Mutter der Betroffenen und dem Angeklagten während der Tatzeit eine Lebenspartnerschaft. Die Frau hatte drei Kinder mit in die Beziehung gebracht – außer der Geschädigten zwei ältere Geschwister. 1995 kam ein weiteres Mädchen auf die Welt: eine leibliche Tochter des Angeklagten. Die Familie war Mitte der 1990er-Jahre mehrfach umgezogen. Als Tatorte nannte die Oberstaatsanwältin drei verschiedene Wohnungen in Leipzig und eine vierte in Bayern.

Von Sabine Kreuz