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Polizeiticker Leipzig Achtfacher Mordversuch: Täter muss in Psychiatrie
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Achtfacher Mordversuch: Täter muss in Psychiatrie
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18:03 20.12.2018
Das Landgericht hat einen Leipziger wegen achtfachen Mordversuchs in die Psychiatrie geschickt. Der Mann gilt als schuldunfähig. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Versuchter Mord in acht Fällen und versuchte schwere Brandstiftung: Die Tatvorwürfe gegen Jens M. (51) waren erheblich. Da er jedoch an Schizophrenie leidet, gilt er als schuldunfähig. Der Beschluss des Landgerichts lautete daher nun: Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Für seine Nachbarn in dem Wohnhaus in der Torgauer Straße waren es Monate des Schreckens. Laut Staatsanwaltschaft terrorisierte sie der Ex-Mieter immer wieder. Los ging es damit Ende 2015, ab Sommer 2017 eskalierte die Lage zunehmend. So soll er im ersten Halbjahr 2018 einer Mieterin gedroht haben: „Soll ich dich gleich abstechen?“, habe Fensterscheiben von Nachbarhäusern eingeschlagen sowie Juden und Ausländer beschimpft. Nachdem der Hausbesitzer ihm im Februar die Wohnung fristlos gekündigt hatte, soll Jens M. eine acht Kilo schwere Kabeltrommel auf ihn geworfen haben. Das Opfer konnte im letzten Moment ausweichen.

Benzin im Treppenhaus

Der schlimmste Fall ereignete sich am 4. Juni dieses Jahres. Nach Überzeugung des Gerichts versuchte Jens M., das Treppenhaus mithilfe von Benzin anzuzünden. Gegen 21 Uhr habe er im Flur einen großen Kanister Kraftstoff ausgeschüttet, um ihn mit Streichhölzern zu entflammen. Zum Glück bekamen Hausbewohner durch den entstandenen Lärm rechtzeitig Wind davon, hielten den Brandstifter davon ab, seinen Plan umzusetzen. Andernfalls wäre die Sache womöglich furchtbar ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft war im Prozess davon überzeugt, dass bei einem Brand der Fluchtweg für die Hausbewohner versperrt gewesen wäre und sie hätten sterben können.

Auch die Schwurgerichtskammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf bewertete die Tat als achtfachen Mordversuch. Um eine Bestrafung ging es in dem Sicherungsverfahren jedoch nicht. Wichtig war allein die Frage, ob von Jens M. weitere erhebliche Straftaten zu befürchten sind und er für die Allgemeinheit gefährlich ist. Angesichts der Vorgeschichte rund um das Haus in der Torgauer Straße bejahte dies die Kammer. Mithin wird der Arbeitslose dauerhaft in einer speziellen Einrichtung des Maßregelvollzugs untergebracht.

Von Frank Döring