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Polizeiticker Leipzig Angeklagter fehlt: Connewitz-Prozess gegen Leipziger JVA-Beamten geplatzt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Angeklagter fehlt: Connewitz-Prozess gegen Leipziger JVA-Beamten geplatzt
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17:01 09.01.2020
Rechtsanwalt Helmut-Hartwig Heuer (r.) wartete vergeblich auf seinen Mandanten, den angeklagten JVA-Beamten Kersten M. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten Daniel W. (l.) wurde abgetrennt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Er ist selbst Angeklagter und doch bewachte er hinter Gittern mutmaßliche Mittäter: Ein Beamter der Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) sollte am Donnerstag im Zusammenhang mit den Krawallen von Hooligans und Neonazis im linksalternativen Leipzig-Connewitz vor Gericht stehen. Der Tatvorwurf gegen Kersten H. (34) sowie seinen Mitangeklagten Daniel W. (39): Landfriedensbruch in einem besonders schweren Fall.

Verhandlung ohne Angeklagten

Doch die Verhandlung am Amtsgericht Leipzig nahm eine überraschende Wendung. Zu Prozessbeginn um 10 Uhr blieb der Platz des angeklagten JVA-Beamten leer. Kurz zuvor hatte er sich bei seinem Verteidiger Helmut-Hartwig Heuer krank gemeldet. Weil dem Gericht jedoch kein Attest vorlag, veranlasste Richter Marcus Pirk auf Antrag von Staatsanwältin Sandra Daute eine Zwangsvorführung des 34-jährigen und unterbrach die Sitzung. Die Suche nach Kersten H. blieb jedoch ergebnislos. Polizeibeamte trafen den Angeklagten zu Hause nicht an. Daraufhin erließ der Richter Haftbefehl gegen ihn.

Persönliche Begegnungen im Gefängnis

Aus den Verfahren gegen 204 Rechtsextreme und Hooligans, die am 11. Januar 2016 durch die Connewitzer Wolfgang-Heinze-Straße gestürmt und eine Schneise der Verwüstung geschlagen haben sollen, ragt der Fall Kersten H. heraus. Immerhin hatte das Justizministerium auf Anfrage eingeräumt, dass der Schließer laut den Dienstplänen in den Justizvollzugsanstalten (JVA) Leipzig und Bautzen auf den gleichen Stationen arbeitete, auf denen in dieser Zeit auch Maik. K. und Nick F., zwei Beschuldigte der Connewitz-Krawalle, inhaftiert waren. Persönliche Begegnungen seien nicht auszuschließen, so ein Ministeriumssprecher gegenüber der LVZ.

Lange blieb Kersten H. unentdeckt

Das Problem aus Sicht des Ministeriums: Kersten H. war seiner Dienstpflicht als Beamter nicht nachgekommen, den Dienstherrn über das eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen ihn zu informieren. Somit wussten die Ermittler nicht, dass ihr Verdächtiger in einer JVA arbeitet. Zumal er bei der Beschuldigtenvernehmung von seinem Recht Gebrauch machte, nicht aussagen zu müssen. Sein Name war zwar in den Datenbanken hinterlegt, allerdings mit seinem früheren Beruf, da H. vor seiner Zeit als Beamter mal eine Anzeige erstattet hatte. Erst als sich Kersten H. wegen eines bevorstehenden Prozesstermins bei seinem JVA-Chef in Leipzig offenbarte, flog die Sache auf. Anfang Januar 2019 wurde der Mann, der am 1. September 2012 seine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten begonnen hatte und seit September 2014 an den Justizvollzugsanstalten Bautzen und Leipzig tätig war, suspendiert.

Die dritte Absage in Folge

Es ist bereits das dritte Mal, dass der Prozess gegen Kersten H. verschoben wird. Zwei vorherige Termine im Januar und Juli 2019 wurden ebenfalls kurzfristig abgesagt. Am Donnerstag wurde das Verfahren gegen den Mitangeklagten Daniel W. abgetrennt. Über seinen Verteidiger Axel Kaufmann ließ er mitteilen, dass er 2016 zwar bei den Übergriffen in Connewitz anwesend war, jedoch selbst keine Gewalt ausgeübt hätte. In einem Rechtsgespräch einigten sich die Prozessbeteiligten im Falle eines Geständnisses auf ein Strafmaß von höchstens 18 Monaten auf Bewährung sowie eine Geldstrafe.

Demonstranten vor dem Gericht Quelle: Kempner

Vor dem Prozess fand eine Kundgebung der linken Szene unter dem Motto „Netzwerk voller Einzeltäter – Vier Jahre nach dem Neonazi-Angriff auf Connewitz“ statt. Die Demonstranten forderten eine lückenlose Aufklärung und Ermittlungen zu rechtsradikalen Netzwerken.

Von Lilly Günthner, Frank Döring

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