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Polizeiticker Leipzig Angriff auf Notärzte in Leipzig: Mann angeklagt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Angriff auf Notärzte in Leipzig: Mann angeklagt
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19:56 12.09.2018
Angeklagter Samer S. (M.) mit Koran, Anwalt Ingo Stolzenburg (r.) und Justizwachtmeistern. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Die Liste der Vorwürfe gegenüber einem 25 Jahre alten Mann ist lang: Asylbewerber Samer S., dem seit Mittwoch am Landgericht Leipzig der Prozess gemacht wird, muss sich nicht nur wegen Angriffen auf Rettungskräfte und Brandstiftungen in Leipziger Flüchtlingsunterkünften verantworten. Die Staatsanwaltschaft lastet ihm zudem Attacken auf Mitbewohner und Widerstand gegenüber Polizisten an.

Erst Klinik, dann Gefängnis

Nach seiner Festnahme im März 2018 wurde der im Libanon geborene Palästinenser zunächst für drei Monate in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Ein Sachverständiger schätzte den Mann inzwischen aber als schuldfähig ein: Daraufhin wurde er aus der Klinik ins Gefängnis gebracht. Gleich zum Auftakt des Prozesses hinterließ der Angeklagte, der den Koran ins Gericht mitgebracht hatte, aber einen verstörenden Eindruck, sodass ihn statt der üblichen zwei gleich vier Justizwachtmeister im Visier behielten.

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Laut Staatsanwältin Yvonne Sada soll Samer S. am 30. September 2017 in der Flüchtlingsunterkunft in der Ludwig-Hupfeld-Straße einen Notarzt mit einem Obstmesser bedroht, danach ihn, einen Assistenten sowie Mitbewohner eingeschlossen haben, um die Herausgabe von Tabletten – Psychopharmaka – zu erpressen. „Dabei sagte er: ,Ich töte euch, ich steche euch die Augen aus’“, so die Staatsanwältin.

30.000 Euro Schaden bei Brand

Am 13. November drohte er laut Anklage einer Notärztin in derselben Einrichtung an, sein Zimmer abzubrennen, sollte er keine Psychopharmaka bekommen. „Sie ließ sich nicht einschüchtern“, so die Staatsanwältin. Aus Wut habe er daraufhin sein Bettzeug angezündet.

Nach Gewaltexzessen gegenüber Mitbewohnern am 17. sowie 21. November und einer Messerattacke in Berlin zündete er, wie es in der Anklage weiter hieß, in der Leipziger Flüchtlingsunterkunft in der Eythstraße seine Matratze an. Das Feuer breitete sich aus. Sachschaden: 30 000 Euro. Samer S. will sich laut Anwalt Ingo Stolzenburg zunächst nicht äußern; die fünfte Strafkammer beraumte bereits Prozesstermine bis 14. Dezember an.

Von Sabine Kreuz