Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Gemkow-Prozess in Leipzig: Zweifel mehren sich
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Gemkow-Prozess in Leipzig: Zweifel mehren sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 05.06.2019
Justizminister Gemkow in der Tatnacht mit Polizeibeamten. Bei dem Anschlag wurden Scheiben seiner Wohnung in der Leipziger Südvorstadt zerstört. Quelle: Holger Baumgärtner
Leipzig

Verliert die Justiz im Verfahren um den Anschlag auf die Wohnung von Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) auch noch ihren zweiten Angeklagten? Im Berufungsprozess gegen Lok-Hooligan Thomas K. (32) am Mittwoch im Landgericht mehrten sich Zweifel, dass der Beschuldigte überhaupt am Tatort war.

Der Kampfsportler aus der rechten Szene war im September 2017 vom Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Demnach soll Thomas K. am 24. November 2015 kurz nach 2 Uhr mit mindestens vier Komplizen die Fenster des Eckhauses August-Bebel-/Scharnhorststraße mit Granitsteinen attackiert haben. Zwei Geschosse durchschlugen die an der Ministerwohnung angebrachte Schlagschutzfolie und landeten in Gemkows Zuhause. Durch die kaputten Scheiben schleuderten die Täter mit stinkender Buttersäure gefüllte Christbaumkugeln, während der Minister mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern schlief. Vor allem aufgrund seiner DNA, die an einer Verpackung für Christbaumkugeln am Tatort sichergestellt wurde, galt Thomas K. als überführt.

Zeugen und Spuren

Doch DNA-Pannen sorgten gerade in diesem Verfahren bereits für eine Überraschung. So landete ursprünglich auch ein Autohändler aus Nordrhein-Westfalen trotz Alibi auf der Anklagebank, dessen DNA laut einem Gutachter durch Sekundärübertragung von Körperzellen an einen Granitstein vom Tatort gelangte. Könnte auch die DNA-Spur von Thomas K. kontaminiert sein? Das Gericht will dazu einen Gutachter hören – und auch sonst im übertragenen Sinne jeden Stein umdrehen. So benennen die Verteidiger Curt-Matthias Engel und Mario Thomas wohl Zeugen, die bestätigen, dass Thomas K. wie behauptet nur beim Weihnachtsbaumschmücken half.

Am Mittwoch sagten zunächst zwei Anwohner aus der Scharnhorststraße aus, die in der Nacht des Anschlags die Täter beobachteten. „Ich hörte ein Klirren und sah fünf dunkel gekleidete und teilweise vermummte Personen“, erinnerte sich ein 54-Jähriger, der die Polizei alarmiert hatte. Die Täter seien 1,70 bis 1,80 Meter groß und schlank gewesen. Eine 32-Jährige sagte, keiner der Unbekannten sei äußerlich besonders aufgefallen. Der Angeklagte ist hingegen über zwei Meter groß und wog nach eigenen Angaben zur Tatzeit mehr als 170 Kilogramm. Wäre ein solcher Hüne nicht aufgefallen? Diese Zeugenaussagen passen nach Auffassung von Richter Bernd Gicklhorn jedenfalls „nicht dazu, dass Thomas K. dabei gewesen sein soll“.

Tatmotiv bröckelt

Zudem bröckelt offenbar auch das bisher angenommene Tatmotiv. Der Angeklagte hatte einen Anschlag auf Gemkow bestritten, da sie einen gemeinsamen Bekannten hätten: Der besagte Kampfsporttrainer ist Gemkows Studienfreund. Stattdessen ging das Amtsgericht davon aus, dass der Anschlag ohnehin nicht dem Justizminister galt, sondern einem benachbarten linken Modelabel. Dieses hatte jedoch bereits im Mai 2014 seine Geschäftstätigkeit endgültig und vollständig eingestellt, wie nun auch aus der Insolvenzakte eindeutig hervorgeht, die das Gericht am zweiten Prozesstag teilweise verlas.

Ein weiteres Thema im Berufungsprozess: Spuren, die nach Connewitz führen. Bereits in der ersten Instanz hatten Polizeibeamte ausgesagt, dass ein Fährtenhund 2,5 Kilometer vom Tatort zu einem Haus in der Connewitzer Biedermannstraße gelaufen sei, wo ein wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch verurteilter Linksextremer wohnt. Dieser gab an, zur Tatzeit mit einem Freund im Westwerk gewesen zu sein. Das Alibi wurde aber nach Angaben des damaligen Operativen Abwehrzentrums nicht überprüft.

Während die Staatsanwaltschaft im Berufungsprozess eine höhere Strafe für den vorbestraften Hooligan will, drängen dessen Verteidiger auf einen Freispruch – Fortsetzung in der nächsten Woche. Zudem ist seit November 2018 eine weitere Anklage gegen einen Steinewerfer (38) anhängig.

Von Frank Döring

Eine 19-Jährige ist am Montagmittag am Leipziger Hauptbahnhof von einer Straßenbahn angefahren worden. Die junge Frau wollte den nicht durch Signale abgesicherten Übergang überqueren.

04.06.2019

Zu schnell, auf der Flucht vor der Polizei eine rote Ampel überfahren, auf Drogen und ohne Führerschein ist ein 39-Jähriger am Montag aus dem Verkehr gezogen worden. Auf der Flucht überfuhr er ein auch ein Fahrrad, mit dem ein passant ihn stoppen wollte.

04.06.2019

Ein Straßenbahnfahrer ist am Montagnachmittag im Leipziger Osten von zwei Fahrgästen angegriffen worden. Diese hatten zuvor versucht, die Tür einer Tram von Innen aufzureißen.

05.06.2019