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Polizeiticker Leipzig Baby in Lebensgefahr – Angeklagter schweigt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Baby in Lebensgefahr – Angeklagter schweigt
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19:01 20.05.2019
Der Angeklagte Paul P. (links) mit seinem Anwalt Stephan Bonell im Gerichtssaal. Er soll ein zwei Monate altes Baby massiv geschüttelt haben. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Hat dieser ruhig wirkende Mann ein zwei Monate altes Baby so heftig geschüttelt, dass es in Lebensgefahr geriet? Diese schwierige Frage ließ sich zum Prozessauftakt am Montag im Amtsgericht Leipzig nicht eindeutig beantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Paul P. (26) gefährliche Körperverletzung vor. Der Anklageschrift zufolge soll er am 24. Mai 2016 in der Wohnung seiner Lebensgefährtin in Sellerhausen-Stünz ihren kleinen Sohn Sebastian (*) so heftig geschüttelt haben, dass er Hirnblutungen erlitt und notoperiert werden musste.

Richterin Ute Fritsch hatte gleich mehrere behandelnde Ärzte geladen, welche mit dem Fall betraut waren. „Wir haben extrem schnell operieren können“, erinnerte sich etwa der damals zuständige Facharzt für Kinderchirurgie der Uniklinik. „Das waren sicher glückliche Umstände.“ Schläfrig und apathisch habe der Kleine gewirkt. Schon bei der Ultraschalluntersuchung habe sich ein Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma ergeben. Danach sei das Baby per Computertomografie (CT) untersucht worden.

„Massive Gewalteinwirkung nötig“

Bei dieser CT sei besonders der Vater sehr fürsorglich gewesen und habe sich mit dem Kind in die Röhre gelegt, erinnerte sich der damalige Assistenzarzt der Notaufnahme. „Die Mutter hat geweint.“ Bereits bei den ersten Untersuchungen habe sich die Frage gestellt, ob womöglich ein Fall von Kindesmisshandlung vorliegt, so der Mediziner vor Gericht.

„Es war eine lebensbedrohliche Situation“, konstatierte der Neurochirurg, welche die Not-Operation bei dem Säugling maßgeblich durchführte. „Für diese Art Verletzungen ist eine massive Gewalteinwirkung nötig.“ Konkreter konnte sich der Fachmann nicht festlegen. Ein Sturz aus einer Höhe ab zwei Metern oder ein Verkehrsunfall könnten ein solches Verletzungsbild beispielsweise hervorrufen. Der Arzt hielt im Fall des Babys aus Sellerhausen-Stünz einen Aufprall für wahrscheinlicher als Schütteln. Ein Rutschen aus Schulterhöhe aufs elterliche Knie, wie das Paul P. und seine Lebensgefährtin in der Klinik berichtet haben sollen, reiche eher nicht aus, um derart massive Verletzungen zu erklären, so der Chirurg.

Der Angeklagte werde sich vorerst nicht zu den Tatvorwürfen äußern, sagte sein Verteidiger Stephan Bonell zum Prozessauftakt. Nun soll zum nächsten Verhandlungstermin in gut zwei Wochen auch die zuständige Fachärztin der Kinderradiologie zu den konkreten Untersuchungsergebnissen als Zeugin befragt werden.

Erst vor einem Jahr, im Mai 2018, war in einem ähnlichen, aber deutlich schwerwiegenderen Fall ein Leipziger Vater (28) wegen schwerer Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte seinen drei Monate alten Sohn so massiv geschüttelt, dass dieser schwerste irreparable Hirnverletzungen und eine Schädelfraktur erlitt. Sebastian blieb ein solches Schicksal nach Gerichtsangaben erspart. Die Behandlung des Babys sei erfolgreich gewesen. (*Name des Kindes geändert)

Von Frank Döring

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