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Polizeiticker Leipzig Bei Einbruchsopfern wächst die Angst
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Bei Einbruchsopfern wächst die Angst
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06:03 19.11.2018
An diesem Hauseingang in Reudnitz-Thonberg rissen Einbrecher einen Schlüsseltresor aus der Wand. Quelle: Kempner
Leipzig

Eine eine frisch sanierte alte Fabrik in einer ruhigen Nebenstraße nahe der Innenstadt: Als Dirk W. (48) Mitte August in seine neue Wohnung nach Reudnitz-Thonberg zog, verschwendete er kaum einen Gedanken an Kriminalität. „Ich bin kein ängstlicher Mensch“, sagt er. „Aber sicher fühle ich mich aktuell nicht mehr.“ Kein Wunder: Seit dem Einzug wurde innerhalb von zwei Monaten viermal bei ihm eingebrochen. „Es mag ja sein, dass die Zahl der Einbrüche insgesamt zurückgeht“, so der Selbstständige, „aber ich persönlich habe leider ganz andere Erfahrungen machen müssen.“ Wie berichtet, kam es im vergangenen Jahr in der Messestadt laut dem Landeskriminalamt zu 1418 Wohnungseinbruchsdiebstählen – das waren immerhin 136 weniger als im Jahr zuvor. Doch bei den Opfern wächst das Gefühl der Unsicherheit trotz des leicht positiven Trends in der Statistik.

Erster Fall kurz nach Einzug

„Bereits nach knapp drei Wochen wurde die nagelneue Haustür aufgebrochen und versucht, in meine Wohnung, die im Erdgeschoss direkt gegenüber liegt, einzudringen“, berichtet Dirk W., „und das nachts, während ich obendrüber im ersten Obergeschoss geschlafen habe.“ Offenbar bekamen die Täter die Tür nicht auf und brachen stattdessen im Keller mehrere Abteile auf. „Am übernächsten Morgen stellte ich fest, dass Unbekannte in meinem kleinen Garten an der Terrassentür waren. Das Gartentor stand offen, ich hatte es zuvor geschlossen.“ Beim dritten Einbruch hatten es Unbekannte auf einen kleinen Geräteschuppen im Garten abgesehen, stahlen von seinem Fahrrad Anbauteile wie Fahrradcomputer und Lichtanlage. Wenig später verschwand sein komplettes Mountainbike. Dirk W. hatte es zwar angeschlossen, doch Einbrecher brachen das Schloss auf, zertrümmerten zudem eine Steinstatue aus dem Garten und richteten Schäden an der Hauswand an.

Bislang sei er noch recht glimpflich davongekommen, findet Dirk W., zumal die Versicherung zumindest das Fahrrad wohl ersetzen wird. „Aber wenn man das Gefühl hat, dass ständig jemand ums Haus schleicht, ist das ausgesprochen unangenehm.“

Tresor aus Wand gehebelt

Das kann Simon V. (26) bestätigen. Auch er wohnt im Leipziger Südosten und hat schon Erfahrungen mit Einbrechern machen müssen. Und das gleich mehrmals innerhalb weniger Stunden. Zunächst hebelten die Täter an einem Nachmittag Ende Oktober das Schlüsseldepot für Notfälle aus der Wand im Eingangsbereich des Hauses, berichtet der Leipziger, und gelangten so an den Generalschlüssel mit Zugang zu Technik- und Kellerräumen. Kurz darauf brachen offenbar die selben Ganoven ein Kellerabteil auf und erbeuteten zwei Fahrräder. In der folgenden Nacht dann der dritte Einbruch: Mehrere Keller wurden brachial geöffnet, Technik und mehrere Fahrräder entwendet, auch bei Simon V. „Es ist schon ein sehr beklemmendes Gefühl, wenn mehrfach in das Haus eingebrochen wird“, so der Leipziger. „Man kann ja davon ausgehen, dass es ein gezielter Angriff war.“

Fälle wie diese sind längst Alltag in Leipzig – trotz der zuletzt rückläufigen Entwicklung. Zum Vergleich: In Dresden kam es im vorigen Jahr zu lediglich 565 Wohnungseinbrüchen, in Chemnitz waren es gerade mal 320. Erst vor wenigen Tagen haben die Leipziger Polizeidirektion Leipzig und die Stadtverwaltung deshalb mit den sechs großen Leipziger Wohnungsgenossenschaften sowie der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund Leipzig eine „Kooperationsvereinbarung zum Schutz vor Wohnungseinbruch“ unterzeichnet (die LVZ berichtete). Wobei erneut eine Mitverantwortung der Mieter betont wurde. „Vielfach ist es immer noch Sorglosigkeit, durch die es Einbrechern allzu leicht gemacht wird“, befand Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke).

Wollen wir „Gated Communities“?

Betroffene wie Dirk W. sehen das nicht so. „Klar kann man sein Haus oder seine Wohnung zur Festung ausbauen, mit mehrfachen Schlössern, Querriegeln, Videoüberwachung“, sagt er. „Aber will man das? Irgendwie widerspricht das dem offenen Lebensgefühl, für das Leipzig steht, und für das ich Leipzig als Zugezogener schätzen gelernt habe.“

Führt die Entwicklung gar zu „Gated Communities“, zu geschlossenen Wohnkomplexen mit verschiedenen Arten von Zugangsbeschränkungen, wie es sie beispielsweise in den Metropolen der Vereinigten Staaten von Amerika gibt? Dirk W. zweifelt daran, „ob wir wirklich überall hohe Zäune, Mauern und Wachdienste haben wollen“. Andererseits fragt er sich: „Bringt Liberalität zwangsläufig steigende Kriminalität mit sich?“

Von Frank Döring

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