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Polizeiticker Leipzig Brandstiftung – War es der Verlobte des Stückelkiller-Opfers?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Brandstiftung – War es der Verlobte des Stückelkiller-Opfers?
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09:36 15.06.2018
Löscheinsatz am 9. Juli 2016 in der Lindenauer Schadowstraße. Der Dachstuhl war nicht mehr zu retten, brannte komplett ab. Seit Donnerstag steht Ronny K. wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht. Quelle: Holger Baumgärtner
Leipzig

Nach dieser Nacht standen die Mieter buchstäblich vor dem Nichts: Im Juli 2016 ging ein Wohnhaus in der Schadowstraße in Flammen auf. Das Feuer zerstörte den 260 Quadratmeter großen Dachstuhl. Alle Bewohner verloren ihr Zuhause, allein der Gebäudeschaden lag bei einer halben Million Euro. Auch Anja B. (40), die im November 2016 von Stückelmörder Dovchin D. (39) auf bestialische Weise getötet wurde, wohnte zu dieser Zeit in dem Haus. Seit Donnerstag sitzt ihr damaliger Verlobter Ronny K. (32) wegen schwerer Brandstiftung auf der Anklagebank im Leipziger Amtsgericht.

Auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses im Stadtteil Lindenau ist in der Nacht zum Samstag ein Feuer ausgebrochen. Die Bewohner blieben unverletzt, konnten aber nicht mehr ins Gebäude zurückkehren.

Kompletter Dachstuhl zerstört

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat der gelernte Gartenbauer am 9. Juli 2016 gegen 2.30 Uhr auf dem Dachboden in der Schadowstraße 4 das Feuer gelegt. Die Flammen zerstörten den kompletten Dachstuhl des Gebäudes und auch des benachbarten Hauses 4a. Glücklicherweise stießen die Einsatzkräfte rechtzeitig auf rund 200 Kilogramm explosive Pyrotechnik, die in einer Wohnung gelagert waren. Durch die Brandschäden und das Löschwasser wurden alle Wohnungen unbewohnbar, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände gingen in Flammen auf, auf dem Dachboden abgestellte Fahrräder wurden zerstört.

Nachbarn bleiben auf Schaden sitzen

So hatte Erik S. (58), der gegen 2.30 Uhr hörte, wie jemand mit schweren Schritten auf den Dachboden ging, rund 8000 Euro Schaden zu beklagen. Ronny K. habe ihm gegenüber etwas von einem Kabelbrand gesagt. Doch das sei technisch unmöglich, so der gelernte Elektriker vor Gericht. Jens M. (53) verlor bei dem Brand die komplette Wohnungseinrichtung und zwei Fahrräder – Schaden: etwa 22 000 Euro. Bei seinem Nachbarn Rüdiger N. wurde ebenfalls alles zerstört, auf den rund 15 000 Euro Schaden blieb er sitzen.

Doch selbst der Angeklagte, der zum Prozessauftakt zu den Tatvorwürfen schwieg, blieb nicht verschont. Er wohnte seit November 2013 mit seiner Lebensgefährtin Anja B. und der knapp zwei Jahre alten Tochter im Erdgeschoss. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das war“, erklärte Melanie H. (46) im Zeugenstand. Sie hatte mit Ronny K. 2013 für einige Monate eine Beziehung, danach bis September 2017 eine Affäre. Auch mit Anja B. war sie zeitweise befreundet.

Zwist aus Eifersucht

Doch dann folgte ein übler Zwist, offenbar aus Eifersucht. So behauptete Anja B., dass Melanie H. ihrem Lebensgefährten nachstellt und ihn stalkt. Auch das Feuer soll sie gelegt haben. Aus dem Protokoll einer polizeilichen Vernehmung geht hervor, dass Anja B. am 20. Juli bei Melanie H. angerufen und sie der Tat bezichtigt habe. Ronny K. rief sogar beim Führungs- und Lagezentrum der Polizei an und bezichtigte Melanie H. der Brandstiftung, wie ein Kripokommissar im Prozess schilderte. Doch die Verkäuferin sagte vor Gericht, sie habe zur Tatzeit mit Migräne zu Hause gelegen. Auch die Polizei schloss sie rasch als Tatverdächtige aus

Am 30. Juli soll dann Ronny K. bei Melanie H. gewesen sein und habe bei einer gemeinsamen Nacht erzählt, er sei zu der Zeit an der Ostsee gewesen und wegen des Brandes mit einem geliehenen Motorrad sofort nach Leipzig gefahren.

Wichtige Zeugin fehlt

Dies war aus Sicht der Ermittler nachweislich gelogen, so ein Beamter vor Gericht. Ronny K. sei in der Tatnacht vor dem brennenden Haus gesehen worden. Bekannte berichteten zudem, dass er in jener Nacht kurz vor Ausbruch des Feuers an der Tankstelle in der Merseburger Straße war, um Alkohol zu kaufen. Ein Kassenzettel für Bier, Cola und Wodka von 2.20 Uhr liegt in den Verfahrensakten.

Die Hauptverhandlung soll am 26. Juni fortgesetzt werden. Dann will das Gericht auch eine wichtige Zeugin vorführen lassen, die in der Tatnacht bei dem Angeklagten und Anja B. zu Besuch war. Dem Prozessauftakt blieb sie unentschuldigt fern.

Von Frank Döring

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