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Polizeiticker Leipzig Brutaler Hooligan-Angriff wegen Alkohol-Wette?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Brutaler Hooligan-Angriff wegen Alkohol-Wette?
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17:50 13.06.2019
Der Tatort am „Megapark“ in Mallorca. Nach einer brutalen Attacke auf einen afrikanischen Türsteher wird gegen zwei deutsche Urlauber ermittelt. Quelle: dpa
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Leipzig

 Es wäre endlich mal eine gute Nachricht von der Lieblingsinsel der Deutschen: Der von Leipziger Hooligans auf Mallorca krankenhausreif geschlagene Türsteher befindet sich offenbar auf dem Weg der Besserung. Wie die auf katalanisch erscheinende Zeitung „Ara Balears“ berichtet, hat der 44 Jahre alte Senegalese die Intensivstation verlassen und wurde auf die normale Station der Uniklinik Son Espases in Palma de Mallorca verlegt. Nach einer Not-Operation sei er demnach nicht querschnittsgelähmt.

Ein Sprecher der örtlichen Polizei wollte sich auf Anfrage der LVZ nicht genauer zu dem Gesundheitszustand des Opfers äußern. Das sei Sache der Ärzte, hieß es. Von der Genesung des Mannes hingen indes auch das weitere Ermittlungsverfahren und die Frage ab, wann die tatverdächtigen Leipziger Johannes H. und Robert F. (beide 2o) erneut einem Haftrichter vorgeführt werden. „Das Verbrechen ist anders zu bewerten, sollte das Opfer eine Querschnittslähmung davon getragen haben“, sagte der mallorquinische Polizeisprecher. Es könne daher noch Wochen oder Monate dauern, bis eine genaue Anklage feststehe. Bis dahin würden die Männer aus Leipzig in Untersuchungshaft verbleiben. Gegen sie werde wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Schon kurz nach der Tat hatten die spanischen Behörden einen rassistischen Hintergrund vermutet, weil sich auf einem Handy der Tatverdächtigen rechtsradikale Symbole und Bilder des Ku-Klux-Klan befunden haben sollen.

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Rangelei in Disko

Der LVZ liegen Aussagen von Zeugen aus dem Umfeld der inhaftierten Hooligans vor. Ihre Version der Vorgänge: Die Rechtsextremen hätten keinen rassistischen Angriff geplant. Johannes H. und Robert F. gehörten demnach zu einer etwa 70 Mann umfassenden Gruppe aus Lok-Ultras, die am Ballermann Saisonabschluss feiern wollten. Am Samstagabend seien die Hooligans in der Diskothek „Megapark“ am Partystrand von S’Arenal eingerückt. Unter massivem Alkoholeinfluss sei Robert F., der auch beim „Imperium Fight Team“ trainiere, infolge einer Wette mehr oder weniger nackt auf die Bühne geklettert und habe „Lok Leipzig“ geschrien. Die Security habe ihn mit Nachdruck aufgefordert, die Disko zu verlassen, ihn geschoben und vor sich her geschubst. Als er einen Schlag abbekam, weil er unter starker Alkoholeinwirkung nur sehr langsam ging, seien bei dem Kampfsportler die Sicherungen durchgebrannt und er habe dem senegalesischen Türsteher, der ihn nach draußen drängte, ins Gesicht geschlagen, worauf dieser zu Boden ging. Robert F. wurde daraufhin fixiert.

Sein Kumpel Johannes H. soll dann mehrfach auf den am Boden liegenden Türsteher eingeschlagen haben, bis dieser bewusstlos war. Ein Gewaltexzess, der selbst unter Bekannten der mutmaßlichen Täter auf Ablehnung stieß. „Der Mann lag schon am Boden“, sagte einer. „Da noch auf den Kopf mit Fäusten einzuhauen, geht gar nicht.“ Allerdings: Kollegen des schwer verletzten Senegalesen hätten draußen den bereits gefesselten Robert F. so massiv gegen den Kopf getreten, dass dieser ebenfalls bewusstlos gewesen sei. Von den Behörden liegt zu dieser Tatversion bislang keine offizielle Bestätigung vor. Bisherigen Berichten zufolge hätten die Leipziger gegen 21.30 Uhr ohne Vorwarnung auf den Security-Mitarbeiter eingeschlagen.

Keine Ermittlungen in Leipzig

In Leipzig hat der Fall bislang keine Konsequenzen nach sich gezogen. Polizeisprecher Andreas Loepki dementierte Medienberichte, wonach szenekundige Beamte aus der Messestadt nach Mallorca gereist seien. „Es sind definitiv keine Mitarbeiter von uns oder von der Bundespolizei vor Ort“, sagte er auf Anfrage. „Wenn die spanischen Behörden dies für erforderlich halten, werden sie ein Rechtshilfeersuchen stellen.“ Auch in Leipzig würden angesichts des aktuellen Falls zunächst keine Ermittlungen gegen die rechte Ultra-Szene oder den Kampfsportclub aufgenommen, erklärte Andreas Ricken von der Staatsanwaltschaft.

Von Frank Döring und Pia Siemer