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Polizeiticker Leipzig Connewitz: Darum bleibt die Staatsanwaltschaft bei versuchtem Mord
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Connewitz: Darum bleibt die Staatsanwaltschaft bei versuchtem Mord
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17:40 07.01.2020
Polizisten räumen eine Kreuzung im Stadtteil Connewitz. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
Leipzig

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hält im Zusammenhang mit den Silvester-Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz in Leipzig am Vorwurf des versuchten Mordes fest. „Wir sehen derzeit keine Veranlassung, davon abzurücken“, sagte Behördensprecher Ricardo Schulz am Dienstag in Leipzig. Daran ändere auch ein Video aus der Silvesternacht nichts, das die Wochenzeitung „Zeit“ inzwischen veröffentlicht hat. Die Ermittler gehen vom Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe aus.

In der 1 Minute und 18 Sekunden langen Aufzeichnung ist zu sehen, wie ein Polizist verletzt, beworfen und anschließend von seinen Kollegen weggeschleift wird. „Das massive Einwirken kann man nicht wegreden“, sagte Schulz.

Schwere Ohrverletzung

Wegen des Angriffs auf einen 38 Jahre alten Beamten wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Die Staatsanwaltschaft vertrete die Auffassung, dass ein „massiver Tritt oder Schlag gegen einen ungeschützten Kopf oder Oberkörper potenziell lebensbedrohlich ist“, sagte Schulz am Dienstagabend auf LVZ-Anfrage. Dass dies Konsequenzen haben kann, sei bereits daran erkennbar, dass der betroffene Beamte „offensichtlich bewusstlos geworden ist“. In der Gesamtbewertung sei man zur Einschätzung gekommen, dass eine tödliche Verletzung billigend in Kauf genommen worden sei. Deshalb halte man am Anfangsverdacht des versuchten Mordes fest.

Auch das von der „Zeit“ veröffentlichte Video dokumentiere eine „erhebliche Aggressivität“ der mutmaßlichen Angreifer. Der Beschuss der Beamten mit Pyrotechnik, wie im Video zu sehen, sei zudem von „erheblicher Gefährlichkeit“. „Die tätliche Auseinandersetzung wurde hier gesucht“, so Schulz. Die Angreifer sind bislang nicht ermittelt.

Gewaltsamer Jahreswechsel: Mehrere Polizisten wurden bei den Krawallen von Linksautonomen am Connewitzer Kreuz verletzt. Die Foto-Dokumentation einer Gewaltnacht.

Das Video habe den Ermittlungsbehörden bislang nicht vorgelegen, sagte Schulz. Ein Zeugenaufruf des Landeskriminalamtes hatte keinen einzigen Hinweis erbracht. Nach der Veröffentlichung werde das Video jetzt aber „im Rahmen der Ermittlungen Berücksichtigung finden“, so Schulz. „Wir werden das auswerten.“ Es zeige zwar nur einen Bruchteil des Geschehens, es deute sich derzeit jedoch an, dass das Bildmaterial echt sei. Noch werde es geprüft.

Erste Verhandlung am Mittwoch

Bereits am Mittwoch wird sich ein Verdächtiger vor dem Amtsgericht Leipzig für Vorfälle in Connewitz verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft hatte ein beschleunigtes Verfahren wegen Angriffs auf Vollstreckungsbeamtegegen den 27-Jährigen beantragt. In solchen Verfahren können Strafen von maximal einem Jahr ausgesprochen werden.

Ein Grund dafür sei, dass der Beschuldigte nicht über einen festen Wohnsitz verfüge. „Es besteht deshalb die Besorgnis, dass der Angeklagte sich der Hauptverhandlung entziehen könnte“, erklärte Schulz auf Nachfrage. Dem 27-Jährigen wird ein tätlicher Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Sachverhalt sei hinreichend klar, eine weitere Beweisaufnahme nach derzeitigem Stand nicht nötig.

Weitere Schnellverfahren seien aktuell nicht angedacht. Drei Männer im Alter von 29 bis 32 Jahren befinden sich in Untersuchungshaft. Ihnen wird ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, versuchte und vollendete Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. „Die Tatvorwürfe sind in diesen Fällen schwerer, weitere Ermittlungen sind nötig“, so Schulz. Sie würden sich deshalb nicht für Schnellverfahren eignen.

Am Connewitzer Kreuz hatten sich laut Polizei in der Silvesternacht mehr als 1000 Menschen versammelt. Nach Mitternacht eskalierte die Situation und es gab Attacken gegen Polizisten.

Von CN/dpa