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Polizeiticker Leipzig Drogendealer lässt Videokonferenz mit Gericht platzen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Drogendealer lässt Videokonferenz mit Gericht platzen
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16:22 29.04.2019
In Handschellen zum Prozess: Angeklagter Josip H. wird Drogenschmuggel vorgeworfen. Sein Auftraggeber verweigerte die Aussage. Quelle: Kempner
Leipzig

Technisch klappte die aufwendig vorbereitete Videokonferenz zwischen Leipzig und Zagreb makellos. Doch dann spielte ausgerechnet Goran T. (37), der wichtigste Zeuge im Prozess um den Schmuggel von Drogen im Wert einer halben Million Euro, zur Überraschung aller Beteiligten nicht mit und verweigerte am Montagvormittag eine Aussage.

Goran T. soll nach Erkenntnissen der Ermittler von der kroatischen Hauptstadt aus einen Transporter mit 102 Kilogramm Marihuana auf den Weg nach Leipzig geschickt haben. Der Schmuggel flog am 3. Oktober vorigen Jahres auf und Spediteur Josip H. (64) landete in der Messestadt in Untersuchungshaft. Im Prozess am hiesigen Landgericht blieb sich der angeklagte Transportunternehmer treu: Er sei davon ausgegangen, Bauteile für einen Fahrzeughersteller zu transportieren. Seit 2010 biete er Transporte aller Art an und fahre regelmäßig nach Deutschland, unter anderem nach Stuttgart und Wolfsburg. In die VW-Stadt habe er im Auftrag von Goran T., einem früheren Schulfreund seines älteren Sohnes, auch Anfang Oktober fahren sollen. Deshalb habe er seinen Transporter zu dessen Restaurant in Zagreb gebracht, geht aus einer Erklärung des Angeklagten hervor, die sein Verteidiger Ralf Juhnke vortrug. Goran T. sei mit dem Auto weggefahren und habe es später beladen wieder zurückgebracht. 500 Euro sollte Josip H. nach eigener Aussage dafür bekommen, 200 Euro Tankgeld inbegriffen.

Kursänderung während der Fahrt

Aus den Verfahrensakten geht hervor, dass der Spediteur während der Fahrt am 2. Oktober um 23.03 Uhr die Nachricht via Handy erhielt, dass sein Ziel nun nicht mehr Wolfsburg, sondern Leipzig sei. Doch vor Ort habe er niemanden angetroffen, so Josip H., und auch ein schwarzer Golf, dem er folgen sollte, sei nicht aufgetaucht. Stattdessen tappte er in der Sommerfelder Straße in eine Polizeikontrolle. Die Beamten stellten schnell fest, dass sich in den mit Folie umwickelten Päckchen keine VW-Teile, sondern Marihuana befand. Der kroatische Transportunternehmer wurde festgenommen, sitzt seither wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in Untersuchungshaft.

Ein Schicksal, dass er mit Goran T. teilt. Dieser war nach Gerichtsangaben in Kroatien mit nahezu einer halben Tonne Rauschgift festgenommen worden. Über einen Beamten der Deutschen Botschaft in Zagreb bekam das Landgericht die Info, dass der mutmaßliche Drogendealer auch zum Leipziger Verfahren aussagen könne und wolle. Also wurde alles bereitet, um den wichtigen Zeugen im fernen Kroatien via Videovernehmung zu befragen und möglicherweise herauszufinden, ob Josip H. mehr ist als nur ein ahnungsloser Fernfahrer kurz vorm Rentenalter. Goran T. wurde am Montag aus der Haft zum Gerichtsgebäude gebracht, in Leipzig und Zagreb warteten Richter, Staatsanwälte und Verteidiger auf seine Vernehmung. Doch dann passierte: nichts. Er werde nur in seinem eigenen Verfahren aussagen, so Goran T. Eine Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Zagreb war sogar für Montagvormittag angesetzt. Der Termin wurde aber wieder abgesetzt – wegen der zeitgleich stattfindenden Videokonferenz mit Leipzig

Von Frank Döring

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