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Polizeiticker Leipzig Erste Hinweise nach Angriff auf Prokuristin in Leipzig
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Erste Hinweise nach Angriff auf Prokuristin in Leipzig
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06:44 06.11.2019
Baustellen in Connewitz sind verstärkt Ziel von Anschlägen. Nun traf es erstmals die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma. Quelle: Kempner
Leipzig

Ermittler des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums (PTAZ) gehen nach dem Anschlag auf die Prokuristin einer Immobilienfirma in Leipzig ersten Spuren nach. „ Es gibt Hinweise, die wir bearbeiten“, sagte der Sprecher des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA), Tom Bernhardt am Dienstag gegenüber der LVZ. Um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden, sei es aktuell aber nicht geboten, mit detaillierten Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Zwei vermummte Täter waren am vergangenen Sonntag gegen 19.10 Uhr in die Wohnung der 34-jährigen Claudia P. in der Gottlaßstraße in Leipzig-Wahren eingedrungen und hatten sie mit mehreren Faustschlägen verletzt. Die Frau arbeitet für eine Leipziger Immobilienfirma, die unter anderem im linken Szenestadtteil Connewitz im künftigen „Südcarré“ mehrere neue Eigentumswohnungen baut.

„Szenetypischer Begriff“

„Projekte wie das Südcarré stellen eine Bedrohung für Connewitz als politischen Raum dar“, heißt es in einem Bekennerschreiben, welches dreieinhalb Stunden nach dem Überfall auf dem linken Szeneportal Indymedia veröffentlicht wurde. Man habe sich entschieden, „die Verantwortliche für den Bau eines problematischen Projekts im Leipziger Süden da zu treffen wo es ihr auch wirklich weh tut: in ihrem Gesicht“. Auch Personen, die hier investieren oder wohnen, müsse klar sein, „dass sie sich an einem Angriff auf einen Raum der radikalen Linken beteiligen, und dass dieser Angriff beantwortet werden wird“.

Verfasser des Drohschreibens ist eine „Kiezmiliz“. Dabei handele es sich den Ermittlern zufolge um keine feste Gruppierung. LKA-Sprecher Bernhardt sagte, es sei ein „szenetypischer Begriff“, der auch in anderen Großstädten wie Berlin von der dortigen Szene benutzt werde. „Wir ordnen diesem Begriff keinen festen Personenkreis oder gar eine Organisation zu“, so Bernhardt.

Zuletzt hatte die „Kiezmiliz“ sich Ende Oktober nach Ausschreitungen in Connewitz zu Wort gemeldet. „Wir hoffen, dass die Bullen irgendwann verstehen, dass sie in Connewitz unerwünscht sind und es auch in Zukunft keine gute Idee ist, die BewohnerInnen des Viertels durch ihre Präsenz zu belästigen“, hieß es auf Indymedia. Und auch zu Angriffen mit Hämmern und Farbe auf eine Pizzeria, eine Versicherungsfiliale und ein Lokal im Dezember 2018 bekannte sich die „Kiezmiliz“.

„Nicht nachvollziehbar“

Der brutale Angriff auf die Prokuristin hat indes selbst innerhalb der Szene für Ablehnung gesorgt. So postete „Prisma-Interventionistische Linke“, die laut Verfassungsschutz „als Scharnier zwischen nicht gewaltorientierten und militanten Linksextremisten bzw. nicht extremistischen Gruppen“ fungiert, via Facebook: „Um es kurz zu machen: der Projektentwicklerin einer Immobilienfirma einen Hausbesuch abzustatten, und sie dort anzugreifen ist daneben und aus unserer Perspektive nicht nachvollziehbar.“

Das LKA ermittelt wegen des Tatvorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und sucht insbesondere Zeugen, die sich im Tatzeitraum im Tatortbereich aufgehalten und etwas Verdächtiges gesehen haben. „Auch sonstige Beobachtungen sowie Feststellungen im Internet, die zur beschriebenen Tat und den hieran beteiligten Tätern Aufschluss geben können, sind von Bedeutung“, so die Behörde. Hinweise nimmt die Kripo unter Telefon 0341 96646666 entgegen.

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