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Polizeiticker Leipzig Freispruch nach Anschlag auf Sachsens Justizminister Gemkow
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Freispruch nach Anschlag auf Sachsens Justizminister Gemkow
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19:22 04.07.2019
Angeklagter Thomas K. mit seinen Anwälten Curt-Matthias Engel (links) und Mario Thomas im Gerichtssaal. Quelle: Kempner
Leipzig

Der Anschlag auf die Familie von Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow bleibt ungesühnt. Am Donnerstagabend hat das Landgericht den Angeklagten Thomas K. (32) freigesprochen. „Es ist bitter, wenn ein Verfahren mit so viel Energie geführt worden ist und dennoch nicht sicher ist, wer es war“, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Gicklhorn. „Aber es wäre eine Katastrophe, jemanden schuldig zu sprechen, der nicht sicher schuldig ist.“

Noch im September 2017 war der Kampfsportler aus der rechten Szene vom Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Der Vorwurf gegen ihn: Am 24. November 2015 soll er kurz nach 2 Uhr mit mindestens vier Komplizen die Fenster des Eckhauses August-Bebel-/Scharnhorststraße mit Granitsteinen attackiert haben. Zwei Geschosse durchschlugen die an der Ministerwohnung angebrachte Schlagschutzfolie und landeten in Gemkows Zuhause. Durch die zerstörten Scheiben warfen die Täter mit stinkender Buttersäure gefüllte Weihnachtsbaumkugeln, während der Minister mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern schlief. Thomas K. galt wegen seiner DNA, die an einer Kugel-Verpackung am Tatort sichergestellt wurde, als überführt.

Staatsanwalt will Haft

Staatsanwalt Andreas Ricken sah die Anklagevorwürfe auch zum Ende der Berufungsverhandlung am Landgericht als bestätigt an – vor allem wegen der DNA am Tatort. Die Erklärung des Angeklagten, er hätte regelmäßig den Weihnachtsbaum geschmückt, sei „eine Schutzbehauptung“. Mithin sei der Schuldspruch aus erster Instanz nicht zu beanstanden, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag in seinem Plädoyer und forderte sogar eine noch längere Haftstrafe: zweieinhalb Jahre.

Offenbar sei die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass ihr Mandant seine Unschuld beweisen müsse, monierten die Verteidiger Curt-Matthias Engel und Mario Thomas. Es gebe Zweifel, ob die DNA ordnungsgemäß gesichert und ausgewertet worden sei. Zudem sei eine Vielzahl an Möglichkeiten denkbar, wie das Zellmaterial von Thomas K. an die Verpackung gekommen sein könnte. „Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass der Angeklagte an der Tat beteiligt war“, so Thomas. Und sein Kollege Engel warf den Ermittlungsbehörden vor, nach dem „Casablanca-Prinzip“ vorgegangen zu sein und lediglich „die üblichen Verdächtigen“ ins Visier genommen zu haben.

DNA-Spur reicht nicht

Auch das Gericht befand, dass die DNA-Spur allein nicht für eine Verurteilung ausreicht. Immerhin war in dem Prozess schon einmal ein Unschuldiger auf der Anklagebank gelandet: Zellmaterial an einem Granitstein vom Tatort machte zeitweise einen Autohändler aus Nordrhein-Westfalen zum Beschuldigten, obwohl der ein Alibi hatte. „Das Verfahren hat gezeigt, dass DNA-Spuren mit größter Vorsicht zu genießen sind“, befand der Richter. „Auch eine Sekundärübertragung ist möglich.“

Diese Spur als zweifelsfrei anzusehen, sei auch ein Fehler im erstinstanzlichen Urteil gewesen, so Gicklhorn. Zudem habe man eine Spur ins linksalternative Connewitz nicht weiter verfolgt, obwohl ein Fährtenhund die Polizei eindeutig zu einem Haus in der Biedermannstraße geführt habe, in dem ein wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch verurteilter Linksextremer wohnt. Und: Keiner der Zeugen hat einen derart hünenhaften Mann am Tatort gesehen. Thomas K. ist deutlich über zwei Meter groß und wog nach eigenen Angaben zur Tatzeit mehr als 170 Kilogramm. „Er ist ein Riese“, meinte Gicklhorn, „er fällt auf, wo er geht und steht.“ Das Gericht zweifelte zudem die Theorie der Anklage an, wonach die Täter aus der rechten Szene gar nicht Gemkow, sondern eine benachbarte linke WG treffen wollten. Bei der akribischen Vorbereitung sei ein Missverständnis unwahrscheinlich.

Von Frank Döring

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