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Polizeiticker Leipzig Gold-Abzocke: Leipziger Insider warnt vor Vertuschung
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Gold-Abzocke: Leipziger Insider warnt vor Vertuschung
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09:57 21.09.2019
Um tonnenweise Gold geht es in dem mutmaßlichen Anlageskandal, von dem auch Hunderte Leipziger betroffen sein sollen. Quelle: dpa
Leipzig

Nach der Razzia wegen der millionenschweren Gold-Abzocke in Hessen überschlagen sich auch in Leipzig die Ereignisse. Kaum hatte die LVZ über Ermittlungen im Zuge des bundesweiten Anlageskandals berichtet, wurden Vermittler und geprellte Anleger der ins Visier der Staatsanwaltschaft geratenen PIM Gold GmbH und deren Vertriebsarm PGD dazu aufgefordert, einer Interessengemeinschaft mit Sitz in der Leipziger Südvorstadt beizutreten.

Nicht nur die Verbraucherzentrale Sachsen sieht das Projekt ausgesprochen kritisch. „Man darf vermuten, dass es sich bei den Gründungsmitgliedern um die ehemalige Führungselite der PIM/PGD handelt“, sagte ein Firmeninsider gegenüber der LVZ. „Das lässt für mich die Frage zu, ob man hier nicht gezielt die Vermittler und Kunden zu beeinflussen versucht, um eigene strafrechtlich relevante Dinge zu vertuschen und um weitere Zeit zu gewinnen.“

„Überflüssige Rechtskonflikte“

Dem Info-Schreiben der IG zufolge geht es darum, „einer möglichst großen Vielzahl von Betroffenen die Unterstützung und Förderung ihrer Rechtsinteressen auch ohne erhebliche Kosten zu ermöglichen“. Ein Gang zum Rechtsanwalt würde den Initiatoren zufolge dem einzelnen Anleger wenig konkrete Ergebnisse bringen. „Nach unseren Erfahrungen ist es viel besser, möglichst frühzeitig und möglichst mit starker Stimme, nämlich organisiert, gegenüber den wirklichen Verantwortlichen Rechtsansprüche zu sichern und möglicherweise überflüssige Rechtskonflikte zu harmonisieren und zu vermeiden“, wirbt die IG.

Der Mitgliedsbeitrag betrage 98 Euro. In einem internen Anschreiben an Geschäftspartner heißt es: „Somit haben Sie nunmehr als Vertrieb mit der funktionstüchtigen IG ein konkretes Instrument und Hilfsmittel, um für sich selbst, Ihre Unterstrukturen und Anleger technisch und juristisch bestmöglich aktiv zu reagieren.“

Kein Mehrwert für Opfer

Madlen Müller, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen, ist skeptisch. „Ich sehe da momentan keinen Mehrwert für die geschädigten Verbraucher“, sagte sie. „Erst recht dann, wenn Verbraucher gegen Vermittler wegen einer möglichen Falschberatung vorgehen wollen, funktioniert das nicht.“

Seit der LVZ-Veröffentlichung sei die Nachfrage bei der Verbraucherzentrale deutlich stärker geworden. Es kämen ausschließlich Kunden eines Goldhandelshauses in der Leipziger Innenstadt, das ein sehr aktiver Vertriebspartner der mutmaßlichen Gold-Betrüger war und hohe Provisionen erhalten haben soll. Die Anleger seien von der Inhaberin dieses Geschäfts eingeladen worden, der neuen Interessengemeinschaft beizutreten.

Aber die betroffenen Verbraucher würden sagen: „Wir wurden von den Leuten angeschrieben, die uns den Mist verkauft haben. Wieso sollen wir denen jetzt vertrauen, dass sie uns helfen wollen?“ Die Verbraucherzentrale rät dazu, lieber einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht vor Ort anzuheuern. „Ich schicke die Leute auch zur Polizei, damit sie Strafanzeige erstatten“, berichtete Müller.

Insider vermutet Maulkorbtaktik

Selbst ein hiesiger Vermittler der PIM Gold rät seinen Kunden von einer Mitgliedschaft in der IG ab. „Ich werde nicht beitreten und es auch nicht meinen Anlegern empfehlen“, stellte er gegenüber der LVZ klar. „Anwälte, welche die PIM-Elite vertreten, werden niemals die Interessen der geschädigten Anleger wahrnehmen. Ich sehe darin eine Maulkorbtaktik, man macht quasi den Bock zum Gärtner.“

Gegen Verantwortliche der PIM Gold GmbH wird, wie berichtet, wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges ermittelt. Federführend ist in dem Verfahren die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Behördensprecher Robert Hartmann sprach auf Anfrage von einem „betrügerischen Schneeballsystem“. Im Fokus der Ermittler stehen fünf Personen, der mutmaßliche Drahtzieher (48) kam im Zuge der Razzia am 4. September am PIM-Hauptquartier im hessischen Heusenstamm in Untersuchungshaft.

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Sparer wie vom Schlag getroffen

Medienberichten zufolge sollen rund 10 000 Anleger in den vergangenen zehn Jahren Gold im Wert von rund 150 Millionen Euro erworben haben. Das „Handelsblatt“ recherchierte, dass eine Vertragsdatenbank von PIM Lieferverpflichtungen von 3,38 Tonnen Feingold aufliste, von denen angeblich 2,11 Tonnen separat gelagert werden mussten. Bei einer ersten Durchsuchung Mitte Juli habe die Behörde nur 228 Kilogramm Gold gefunden. Mithin würden nahezu 1,9 Tonnen Gold fehlen.

Allein in Leipzig und Umgebung dürften mehrere Hundert Kunden betroffen sein. „Das sind ganz normale Sparer. Handwerker, Selbstständige, Beamte“, so der PIM-Vermittler gegenüber der LVZ. „Die sind jetzt wie vom Schlag getroffen.“

Von Frank Döring

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