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Polizeiticker Leipzig Hammer-Anschlag auf Grüne Villa in Leipzig – Täter wollten SPD treffen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Hammer-Anschlag auf Grüne Villa in Leipzig – Täter wollten SPD treffen
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17:07 31.01.2018
Beschädigte Scheiben am SPD-Büro in der Karl-Heine-Straße.
Beschädigte Scheiben am SPD-Büro in der Karl-Heine-Straße. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 Zweiter Anschlag auf ein Leipziger SPD-Büro innerhalb von drei Tagen: Unbekannte haben sich im Internet zu einem Angriff auf das Domizil des SPD-Ortsvereins Südwest in der Karl-Heine-Straße am vergangenen Sonnabend bekannt. Erst am Donnerstag voriger Woche waren sämtliche Frontscheiben des Bürgerbüros des SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann in der Georg-Schumann-Straße eingeworfen worden (die LVZ berichtete).

Der erneute Anschlag wurde zunächst als normaler Vandalismus wahrgenommen – weil die Täter sich offenbar nicht besonders gut auskannten und gar nicht direkt das SPD-Büro trafen. Der Ortsverein ist Mieter in der Grünen Villa am Westwerk. Weil am Haupteingang des von verschiedenen Vereinen genutzten Gebäudes ein SPD-Plakat hängt, geriet diese Eingangstür ins Visier der Angreifer. „Es war ein Genuss, die Scheiben unter der Wucht der Hammerschläge zerbersten zu sehen“, heißt es in einem Bekennerschreiben, das erst am Dienstagabend auf der linken Szeneplattform „Indymedia“ auftauchte. „Unser Gemüt gekühlt hat die Tat wenig, und so bleibt die SPD auch weiterhin Ziel unserer feindseligen Gedanken und Taten.“

Erneute Kritik an Syrien-Einmarsch der Türkei

Als Motiv für die Hammerattacke musste erneut der Einmarsch des türkischen Militärs in der kurdischen Enklave Afrin in Nordsyrien herhalten. Vor allem Deutschland habe dem türkischen Präsidenten Erdogan die nötigen Waffen geliefert, um seine Offensive durchführen zu können, so die mutmaßlichen Urheber des Anschlags, darunter auch Panzer aus deutscher Produktion. „Geliefert wurden diese Panzer im Rahmen umfangreicher Waffendeals unter der Schirmherrschaft des von der SPD geführten Außenministeriums.“ Ganz ähnlich war nach dem ersten Anschlag in der Georg-Schumann-Straße argumentiert worden. Bereits da waren weitere Angriffe angekündigt worden. „So lange deutsche Waffen unseren revolutionären Freund*innen in Rojava den Tod bringen, werden in deutschen Städten Scheiben bersten“, drohten Unbekannte via „Indymedia“ .

Begonnen hatte die Anschlagsserie am 22. Januar, als Unbekannte an der Eyüp-Sultan-Moschee in der Hermann-Liebmann-Straße Scheiben einwarfen, Bitumen-Bomben gegen die Hauswand schleuderten und Losungen an die Fassade sprühten. Die Moschee wird von der islamischen Dachorganisation Ditib betrieben. Der Staatsschutz und das beim Landeskriminalamt angesiedelte Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) haben die Ermittlungen übernommen. Die SPD zeigte sich am Mittwoch betroffen. Benjamin Schulz vom Ortsverein Südwest: „Eine solche Tat ist als Mittel der politischen Auseinandersetzung indiskutabel und außerdem vollkommen sinnfrei.“

Von Frank Döring