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Polizeiticker Leipzig Jahrelanger Kindesmissbrauch in Leipzig: Lange Haft für Stiefvater
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Jahrelanger Kindesmissbrauch in Leipzig: Lange Haft für Stiefvater
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06:03 22.07.2019
Auf dem Weg zum Prozess verbirgt er sein Gesicht: Steffen S. wurde wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Quelle: Kempner
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Leipzig

Erst durch einen hastig geschriebenen Hilferuf auf einer Parkbank in Leipzig-Paunsdorf kam dieser schlimme Missbrauchsfall ans Licht: Über Jahre hinweg soll ein Mann (34) sich an seiner Stieftochter vergangen haben. Jetzt wurde er am Landgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Insgesamt 22 Fälle sahen die Richter in dem seit Mitte Januar laufenden Prozess als erwiesen an. Schwerer sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Körperverletzung – Opfer Nina (*) muss im Tatzeitraum zwischen März 2013 und Juli 2018 die Hölle durchgemacht haben. Sie war gerade mal elf Jahre alt, als Steffen S., der Lebensgefährte ihrer Mutter, sie zum Oralverkehr zwang.

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Mit Gewalt Widerstand gebrochen

Laut Anklageschrift soll er dabei Gewalt angewendet haben und dem Mädchen etwa Mund und Nase zugehalten haben, bis sie Atemnot bekam, um ihren Widerstand zu brechen. Übergriffe ereigneten sich nach Erkenntnissen der Ermittler in Kinder- und Schlafzimmer sowie in der Wohnung des Angeklagten und auch in seinem Auto im Parkhaus des Paunsdorf-Centers.

Wer weiß, wie lange die Tortur für die Schülerin noch gedauert hätte. Doch im Juli 2018 entschloss sich Nina zu einem verzweifelten Versuch, Hilfe zu holen. „Wer das findet, bitte helft mir!“, lautete der erste Satz. Das mittlerweile 16-jährige Mädchen schilderte in wenigen Zeilen, dass es seit Jahren von ihrem Stiefvater vergewaltigt wird, benannte konkreten Daten, Namen sowie Adressen und hinterließ ihren Hilferuf auf einer Parkbank am Grünen Bogen im Stadtteil Paunsdorf.

Verzweifelte Suche nach Hilfe: So hinterließ das missbrauchte Mädchen den Zettel. Quelle: privat

Zum Glück fand Sandra U. (30) den mit Baumrinde beschwerten Zettel am Morgen des 21. Juli 2018 und rief die Polizei an. „Mein erster Gedanke war: So was denkt sich keiner aus“, sagte die Leipzigerin gegenüber der LVZ. „Für mich war klar: Das ist ernst.“ Sie sei froh, dass der Täter hinter Gitter kam. „Hoffentlich kann das Mädchen diesen Albtraum bald verarbeiten“, so Sandra U.

Steffen S. kam nach seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Nun verurteilte ihn die 3. Strafkammer zu insgesamt sieben Jahren Haft. (*Name geändert)

Von Frank Döring