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Polizeiticker Leipzig Jungen gefesselt, missbraucht und gefilmt: 44-Jähriger gesteht Verbrechen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Jungen gefesselt, missbraucht und gefilmt: 44-Jähriger gesteht Verbrechen
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19:57 21.01.2020
Vor Prozessbeginn im Landgericht: Der Angeklagte – hier mit seinem Verteidiger und einem Justizbeamten – verbirgt sein Gesicht. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es war der Nachbarsjunge, an dem sich der Leipziger immer wieder und immer drastischer verging. Es seien Doktorspiele, gaukelte der Erwachsene dem Kind aus dem Mehrfamilienhaus im Norden der Stadt vor. Oder Bestrafungsspiele. Als Staatsanwalt Martin Oette am Dienstag im Landgericht die schlimmen Anklagevorwürfe detailliert vorträgt, schlägt sich der Beschuldigte Frank H. die Hände vors Gesicht. Dann wieder presst er sie an seine Ohren, als ob er selbst nicht ertragen könne, was er dem Opfer angetan hat.

17 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs und drei Fälle des sexuellen Missbrauchs lastet die Anklagebehörde dem 44-Jährigen – einem verheirateten Mann und Vater von zwei Teenagersöhnen – an. Zudem muss er sich wegen Körperverletzung und Herstellens kinderpornografischer Aufnahmen verantworten. Er hatte den Missbrauch gefilmt.

Urteil am 6. Februar

„Es stimmt, ich räume alles ein“, sagt der Angeklagte. Und Verteidiger Ingo Stolzenburg ergänzt: „Er war von Anfang an geständig. Bei allem, was geschehen ist, ist es das Einzige, was er noch tun kann.“ Sein Mandant werde einen Weg finden müssen, mit dem Schuldgehalt umzugehen. Das Urteil ergeht voraussichtlich am 6. Februar.

Dem Staatsanwalt zufolge missbrauchte Frank H. den Förderschüler zwischen Juni 2017 und Juli 2019. Damals war das Kind zwischen neun und elf Jahren alt. Bereits bei der ersten Straftat fesselte er den Jungen an die Heizung, verband seine Augen und entkleidete ihn. Der Angeklagte setzte ein ganzes Arsenal an Sexspielzeugen ein, tat dem Jungen auch sehr weh. „Er schrie vor Schmerzen nach seiner Mama“, sagt der Staatsanwalt. Der Angeklagte habe als „Belohnung Süßigkeiten in Aussicht gestellt“ oder ließ ihn an der Konsole spielen.

Beim Filmen erwischt

Frank H. flog Ende Juli 2019 auf, als ihn eine Zeugin beim Filmen des nackten Elfjährigen und seines kleinen Bruders in einem Gartengelände beobachtete. Danach fand eine Wohnungsdurchsuchung statt.

„Dabei wurde eine Unmenge an Asservaten sichergestellt“, berichtete ein ermittelnder Kriminalhauptkommissar. Es handelte sich um zahlreiche Festplatten, USB-Sticks, CDs und DVDs mit Kinderpornos, um Digitalkameras und Beutel voller Sexspielzeug. Seither sitzt Frank H., der bei einem Verein in Leipzig als Fachanleiter beziehungsweise Ausbilder auch mit Kindern und Jugendlichen zu tun hatte, in Untersuchungshaft. Seine Frau und seine Kinder waren damals im Urlaub – wie so oft auch zu den Tatzeiten. Sie würden nach wie vor zu ihm stehen, hieß es.

„Schuld verdrängt“

Frank H. aber sagt: „Um meine Familie zu schützen, werde ich mich distanzieren. Ich habe sie verloren. Mein Lebensinhalt ist weg.“ Er habe, so der Angeklagte, „seiner abnormen Neigung nachgegeben“. Den Nachbarsjungen „manipulierte ich bewusst, um den eigenen Trieb befriedigen zu können“. Die Videos habe er gedreht, um seine Fantasie ausleben zu können. „Ich habe Schuld verdrängt.“

Die Mutter des Opfers kennt bis heute nicht die Ausmaße der Verbrechen. Ihr großer Sohn habe ihr nichts erzählt. Er sei gern zu dem Nachbarn gegangen, glaubt sie. Er habe mit ihm gespielt, Gedichte gelernt. Als die Polizei ins Haus kam, sei sie „geschockt“ gewesen. Nur wenige Tage zuvor war ihr Baby tot auf die Welt gekommen. „Ich bin wie eine lebende Puppe, die nur funktioniert“, so die Hausfrau (34).

Von Sabine Kreuz

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