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Polizeiticker Leipzig Kleinkind erleidet in Leipzig schwere Verbrennungen: Unfall oder Absicht?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Kleinkind erleidet in Leipzig schwere Verbrennungen: Unfall oder Absicht?
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07:01 24.05.2019
Gemeinschaftsunterkunft in der Leipziger Riebeckstraße: Auf einer solchen Herdplatte erlitt der kleine Junge schwerste Verbrennungen. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

War es ein Unfall oder volle Absicht? Die Staatsanwaltschaft Leipzig geht davon aus, dass ein Vater seinen kleinen Sohn bewusst mit dem nackten Po auf eine heiße Herdplatte gesetzt hat, um ihn wegen erneuten Einnässens zu züchtigen. Der Anklagevorwurf lautet auf Misshandlung Schutzbefohlener.

Staatsanwältin Yvonne Kobelt sprach am Donnerstag zu Beginn des Prozesses am Amtsgericht von einer „gefühllosen Gesinnung“. Der 32-Jährige habe dem Jungen im September 2016 in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Leipziger Riebeckstraße schwere Verletzungen zugefügt. Der zur Tatzeit zwei Jahre und neun Monate alte Junge erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades.

Mann bringt glühende Kohle ins Spiel

Der Angeklagte Amjad Al-R. bestritt jedoch eine derartige Züchtigungsmethode. Vielmehr seien die Wunden „aus Versehen“ entstanden, sagte Hagen Karisch, der Verteidiger des Syrers. Sein Mandant habe den Sohn auf dem Arm getragen. Möglicherweise sei es zu den Verbrennungen gekommen, als sich der Vater nach unten beugte, um nach der Pizza im Backofen zu schauen, meinte der Beschuldigte. Als Alternative brachte der Angeklagte auch zur Sprache, dass sich der Junge, nachdem er ins Zimmer der Familie gerannt sei, an der heißen Kohle für eine Shisha-Pfeife verbrannt haben könnte.

Diese Variante hatte aber bereits im Vorfeld ein Rechtsmediziner ausgeschlossen. Er führte die schlimmen kreisrunden Brandwunden auf eine Herdplatte zurück.

Angeklagter erhält Hausverbot

Unmittelbar nach dem Vorfall vom September 2016 hatte die Kindesmutter ihren Ehemann schwer belastet. Das bezeugte am Donnerstag ein Angestellter aus der Gemeinschaftsunterkunft. „Sie kam völlig aufgelöst zu mir und erzählte, dass es sich um eine Bestrafung für den Jungen handelte.“ Das solle er aber nicht weitertragen, sie habe Angst.

Der Sozialbetreuer bezeichnete den Angeklagten als dominant und berichtete von weiteren Vorfällen. So soll Amjad Al-R. seinem großen Sohn ein Küchenmesser in die Hand gedrückt haben, damit er andere Kinder verletze. Auch die Wasserpfeife in den Zimmern der Einrichtung sei untersagt gewesen. Das habe den Angeklagten jedoch überhaupt nicht interessiert. „Schließlich habe ich ihm wegen mehrerer Verstöße Hausverbot in der Riebeckstraße erteilt.“

Gericht interessiert: Wie geht es Kind heute?

Beim Prozessauftakt am Donnerstag wollte die 36-jährige Ehefrau allerdings von ihrer einstigen Aussage nichts mehr wissen. „Er hat das nicht mit Absicht gemacht“, betonte die zierliche Syrerin, die derzeit mit ihren Kindern in einer Wohngemeinschaft lebt. Sie hatte sich zeitweise von ihrem Ehemann getrennt, wohnte vorübergehend auch im Frauenhaus. Wie es vor Gericht hieß, kehrte sie aber selbst in dieser Zeit in die Gemeinschaftsunterkunft zurück, um für den Mann zu kochen. Seinen Angaben vom Donnerstag zufolge will die Familie wieder zusammenziehen, eine Wohnung habe man schon.

Das Gericht beraumte bis 24. Juni noch zwei weitere Termine an. Unter anderem soll der Ehefrau ein Rechtsbeistand beigeordnet werden. Sowohl ein Rechtsmediziner als auch eine aktuelle Betreuerin des damals verletzten Jungen sollen zum Gesundheitszustand angehört werden.

Von Sabine Kreuz

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