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Polizeiticker Leipzig Lebenslange Haftstrafen für Hells Angels nach Mord in Leipzig
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Lebenslange Haftstrafen für Hells Angels nach Mord in Leipzig
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16:42 04.06.2019
Die Angeklagten und ihre Verteidiger im Gerichtssaal. Quelle: Kempner
Leipzig

Nach 90 Verhandlungstagen mit über 200 Zeugen wurde am Dienstag endlich das Urteil im Rockermord-Prozess verkündet: Lebenslänglich für die vier angeklagten Hells Angels wegen gemeinschaftlichen Mordes, zweifachen versuchten Mordes sowie gefährlicher Körperverletzung. „Sie haben die Ehre ihres Clubs über das Leben eines Menschen gestellt“, wandte sich der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf an die Angeklagten. „Nun müssen sie sich fragen, ob es das Ganze wert war.“

Laut Anklage feuerte Stefan S. (33) am 25. Juni 2016 gegen 15.35 Uhr in der Eisenbahnstraße mit einer Pistole sieben Mal auf die Gruppe der von Migranten dominierten United Tribuns (UT). Der Türke Veysel A. (27) starb, zwei weitere UT-Mitglieder wurden lebensbedrohlich verletzt. Die Mitangeklagten Marcus M. (36), Ex-Chef des inzwischen aufgelösten Leipziger Hells-Angels-Ablegers, Frank M. (47) und Ferenc B. (42) sollen mehrfach auf Kopf und Oberkörper des am Boden liegenden und noch lebenden UT-Anwärters eingetreten haben.

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen fand seit 2017 am Leipziger Landgericht der Prozess gegen vier ehemalige Hells Angels statt. Sie wurden für den Mord an einem 27-Jährigen auf der Eisenbahnstraße zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Einer der Schwerverletzten war UT-Vizepräsident Sooren O. (33), ein aus dem Diskokrieg und zahlreichen Strafverfahren bekannter Iraner. Dieser soll Stunden zuvor auch für den Auslöser des blutigen Konflikts gesorgt haben. Nach Überzeugung des Schwurgerichts habe er während eines Friseurbesuchs Stefan S. gesehen, wie dieser in Rocker-Kluft durch die Eisenbahnstraße gelaufen sei und habe ihm einen Schlag verpasst. „Er erteilte ihm ein Verbot, sich in Hells-Angels-Klamotten in der Eisenbahnstraße zu zeigen“, so Jagenlauf.

Messer und Pistolen

Für die „Höllenengel“ – spätestens seit dem Rückzug des Bandidos MC jahrelang der tonangebende Rockerclub in der Stadt – sei daher eine Machtdemonstration fällig gewesen. „Sie wollten zeigen, dass sie sich von den UT nichts verbieten lassen“, so Jagenlauf. 15 Hells Angels hätten sich an einem Freisitz an der Kreuzung Eisenbahnstraße/Neustädter Straße versammelt – in Sichtweite des UT-Clubhauses. Bewaffnet waren sie laut Gericht mit fünf Messern und zwei Pistolen. „Jedem Hells Angel war klar, dass es kein Zurückweichen geben kann“, erklärte Jagenlauf. Und das obwohl ihre Kontrahenten „jünger, durchtrainierter und kampferprobter“ gewesen seien. Und: Die „Höllenengel“ hätten in dem von den UT beanspruchten Revier damit rechnen müssen, dass diese weitere Verstärkung anfordern.

Sooren O., der mit seiner Chefetage bereits auf dem Weg zu einem Deutschland-Treffen der Tribuns war, habe seine Männer zum Clubhaus beordert und später mit einem Tritt gegen einen verfeindeten Rocker die direkte Konfrontation eingeleitet. „Auch die UT haben sich strafbar gemacht“, befand Jagenlauf. Die Verteidigung meinte deshalb, es käme auch Notwehr in Betracht. Zumindest gebe es keinen Nachweis eines gemeinsamen Tatplanes. Selbst Oberstaatsanwalt Guido Lunkeit räumte ein: „Ob der Einsatz der Waffe Gegenstand der Absprache unter den Hells Angels war, daran habe ich Zweifel.“

Bei der Zufahrt auf den Hof des Landgerichts wurden ankommende Autos am Dienstag auch einer Unterbodenkontrolle unterzogen. Scharfe Sicherheitsvorkehrungen galten an allen Prozesstagen. Quelle: Christian Modla

Das Gericht sah das anders. Stefan S. habe seinen Plan umgesetzt, der mit der ganzen Gruppe verabredet gewesen sei. Ein Mitglied der Hells Angels habe sogar einen Polizisten aus der Schussbahn geschubst. Für Oberstaatsanwalt Guido Lunkeit, der lebenslänglich gefordert hatte, war es gemeinschaftlicher Mord aus Rache. Die Strafkammer ging jedoch auch davon aus, dass es sich um Machtkämpfe handelte, bei denen wirtschaftliche Interessen eine Rolle gespielt haben könnten.

Schweigen bis zum Schluss

Die Angeklagten hatten bis zum letzten Prozesstag geschwiegen, ebenso wie etliche Zeugen, welche nach Auffassung des Gerichts nicht in die Auseinandersetzung hineingezogen werden wollten. Mithin gab es nur ein undeutliches Handy-Video von der Tat sowie umfangreiche Protokolle aus der Telefonüberwachung.

Einige Verteidiger erwägen bereits, Revision gegen das Urteil einzulegen. Wie berichtet, forderten die Rocker-Anwälte für Stefan S. eine Haftstrafe von sieben Jahren wegen Totschlags und zweifachen versuchten Totschlags, für Marcus M. maximal dreieinhalb Jahre Haft wegen schweren Landfriedensbruchs, für Ferenc B. eine Verurteilung lediglich wegen Körperverletzung und für Frank M. sogar einen Freispruch. Rechtsanwalt Curt-Matthias Engel, der den mutmaßlichen Todesschützen vertritt: „Die mündliche Urteilsbegründung war inkonsequent und widersprüchlich.“

Von Frank Döring

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