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Polizeiticker Leipzig Nach Übergriff: Leipziger Grundschullehrerin mit einem Bein im Knast
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Nach Übergriff: Leipziger Grundschullehrerin mit einem Bein im Knast
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16:55 29.05.2019
Das Amtsgericht ließ im Prozess gegen eine Grundschullehrerin Milde walten. Der Angeklagten blieb Gefängnis erspart. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

„Es war Quatsch und pädagogisch absoluter Bullshit.“ Anja S. (Name geändert) versuchte vor Gericht gar nicht erst, den Vorfall abzustreiten. Die Leipziger Staatsanwaltschaft warf der Grundschullehrerin einen gewaltsamen Übergriff auf einen Drittklässler vor. Körperverletzung im Amt lautete daher der Tatvorwurf – und hätte die 40-Jährige beim Prozess am Mittwoch im Leipziger Amtsgericht um ein Haar hinter Gitter gebracht.

Laut Anklage umwickelte die Pädagogin am 5. November 2018 gegen 12 Uhr beim Musikunterricht der Klasse 3c einer Grundschule im Leipziger Norden den neunjährigen Ben mit Papierklebeband an Kopf und Oberkörper. Schmerzen und Hautrötungen habe der Junge dadurch erlitten. Für die Lehrerin war das eine Art Lektion auf die spaßige Art. „Er hat sich nie an Regeln gehalten, prügelte sich ständig mit anderen Schülern“, schilderte die Lehrerin. „Einige hatten panische Angst vor ihm. Es ging darum, zu zeigen: Jetzt ist auch er mal das Opfer.“ Die Mitschüler lachten, auch Ben. Das räumte der Schüler, der aus disziplinarischen Gründen eine Klasse zurückgestuft wurde, gegenüber der Richterin auch ein. „Ich fand es lustig, habe aber auch Stopp gesagt, doch sie hat nicht aufgehört.“ Nach dem Unterricht sei er zur Musiklehrerin gegangen und habe gesagt: „Das gibt ´ne Anzeige!“ Dabei sei er bis dahin gut mir ihr zurechtgekommen.

Drang zum Diebstahl

Anja S. wurde suspendiert, musste aus dem Schuldienst ausscheiden. Neuer Tiefpunkt eines Lebens, das der jungen Mutter schon vorher entglitten war. Laut Gericht ist sie wegen einer Reihe von Ladendiebstählen vorbestraft. Auch im aktuellen Prozess waren drei Fälle mit angeklagt. „Ich wollte mir auch mal was gönnen“, erklärte sie etwa den Diebstahl einer Flasche Champagner. Doch das ginge angesichts drückender finanzieller Probleme nicht. „Ich war seit Jahren nicht mehr im Urlaub, mein Leben dreht sich nur um Pflichten.“ Die Alleinerziehende hat zwei Kinder (fünf und neun Jahre). „Deren Väter machen Karriere und weigern sich, Unterhalt zu zahlen“, berichtete sie. Schulden bei Betriebskosten und einem Autoleasing summieren sich auf rund 10.000 Euro. Und dann sei da dieser Drang, Waren mitgehen zu lassen, ohne zu bezahlen. „Ich bemühe mich um eine Therapie, aber es dauert, bis man einen Platz bekommt“, so die Angeklagte unter Tränen, während ihre kleine Tochter, die mit im Sitzungssaal war, verwundert schaute, warum ihre Mama so traurig ist.

Noch einmal Bewährung

Richterin Claudia Eppelt-Knochenstiern ließ am Ende Milde walten. Obwohl Anja S. nach der Verurteilung wegen eines Verkehrsdeliktes noch unter laufender Bewährung stand, blieb ihr auch dieses Mal eine Haft erspart. Das rechtskräftige Urteil: Vier Monate Haft, erneut ausgesetzt zur Bewährung. Dies entsprach auch der Forderung von Staatsanwalt Michael Höhle. „Ich habe immense Hochachtung vor den Lehrern“, so der Anklagevertreter. „Es ist nachvollziehbar, dass manche Schüler einen zur Weißglut bringen.“ Der Lehrerberuf sei komplizierter geworden, so die Richterin, weil manche Eltern sich sofort in der Schule beschwerten, wenn Lehrer angeblich was falsch gemacht haben. Dies rechtfertige aber nicht eine solche Tat, betonten beide mit Nachdruck. „Es hat den Schüler gedemütigt“, so die Richterin zur Angeklagten, „ihnen sind die Pferde durchgegangen. Man braucht als Lehrerin starke Nerven, und die haben sie offenbar nicht.“ Beim nächsten noch so kleinen Delikt drohe ihr Gefängnis. „Eine weitere Chance gibt es nicht“, warnte die Richterin. „Das Fass ist voll.“

Von Frank Döring

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