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Polizeiticker Leipzig Mädchen missbraucht und gefilmt: Mehrere Jahre Haft für Leipziger
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mädchen missbraucht und gefilmt: Mehrere Jahre Haft für Leipziger
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23:15 19.01.2017
Haupttäter Peter F. muss wegen sexuellen Missbrauchs in Haft.
Haupttäter Peter F. muss wegen sexuellen Missbrauchs in Haft.   Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ein Mann filmt ein kleines Mädchen, das nackt und mit gespreizten Beinen daliegt. Die Mutter des Kindes ist dabei und sagt hinterher zur Kripo: „Wir fanden es lustig.“ 15 Fälle des sexuellen Missbrauchs, zwei davon schwer, ahndete am Donnerstag das Landgericht. Der Haupttäter muss für mehrere Jahre hinter Gitter, die Mutter des Opfers kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Es waren Cybercops des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, die auf die Spur des Hauptangeklagten Peter F. (60) kamen, als dieser Kinderpornos aus dem Internet herunterlud. Bei der Wohnungsdurchsuchung in Leipzig kam heraus: Der Mann hatte bei sich zu Hause selbst Sex-Filme mit einem Kind hergestellt. „Es war eindeutig die selbe Wohnung, in der auch die Aufnahmen gemacht wurden“, so ein Kriminalkommissar vor Gericht. „Außerdem fanden wir bei dem kinderlosen Tatverdächtigen auffällig viel Spielsachen, Schokolade und Malzeug.“

Bereits zum Prozessauftakt am 11. Januar hatten Peter F. und die Mitangeklagte Iveta S. (48) Geständnisse abgelegt. Laut Anklage soll Peter F. zwischen März 2014 und Mai 2016 die damals acht- bis zehnjährige Tochter seiner zeitweiligen Partnerin Iveta S. sexuell missbraucht haben – für 15 Taten wurde er am Ende verurteilt. Oralverkehr, Bilder und Videos des Kindes in aufreizenden Posen – und die Mutter, eine seit 2005 in Deutschland lebende Slowakin, war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in acht Fällen dabei, wurde deshalb wegen Beihilfe bestraft.

Das Urteil fiel mild aus, denn die 3. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Norbert Göbel hatte den Angeklagten ein bestimmtes Strafmaß in Aussicht gestellt, sofern sie gestehen und damit ihrem Opfer eine quälende Vernehmung vor Gericht ersparen. Am Ende schickte das Gericht Peter F. für vier Jahre und neun Monate in Haft. Immerhin ist der Mann bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern mehrfach vorbestraft. Iveta S. bekam eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Das entsprach im Wesentlichen auch den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Opfer-Anwältin Ina Alexandra Tust erreichte auf dem Weg eines sogenannten Adhäsionsverfahrens, dass Peter F. an ihre Mandantin 10 000 Euro Schmerzensgeld als Wiedergutmachung zahlen muss. Das inzwischen elfjährige Mädchen lebt nicht mehr bei seiner Mutter, sondern in einer betreuten Wohngemeinschaft. Ein familiengerichtliches Verfahren, bei dem es um das Sorgerecht geht, ist vor dem Amtsgericht anhängig. Iveta S., die nach eigenen Angaben weitere zehn Kinder hat, um die sich ihr geschiedener Mann in der Slowakei kümmert, leide darunter, ihre Tochter nicht beschützt zu haben, sagte ihr Anwalt Karsten Hausmann.

Von Frank Döring