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Polizeiticker Leipzig Mauer erschlägt Arbeiter: Gericht spricht Bauleiter schuldig
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mauer erschlägt Arbeiter: Gericht spricht Bauleiter schuldig
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10:50 16.05.2019
17. Februar 2016 in Rückmarsdorf: Als diese Mauer an der Miltitzer Straße einstürzt, wird ein Bauarbeiter verschüttet. Für den 46-Jährigen kommt jede Hilfe zu spät. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Thomas R., 46 Jahre alt, arbeitete direkt neben der knapp fünf Meter hohen Mauer, als diese umstürzte und ihn begrub. Er war sofort tot. Mehr als drei Jahre nach diesem tragischen Arbeitsunfall in Leipzig-Rückmarsdorf verurteilte das Amtsgericht den damaligen Bauleiter zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Es sprach den 65-jährigen Reinhard S. am Mittwoch der fahrlässigen Tötung schuldig. Diese Entscheidung entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft. Auf Freispruch hingegen wollte die Verteidigung hinaus.

„Es lief dort wie so oft auf Baustellen: Augen zu und durch“, sagte Staatsanwältin Daniela Francke. Selbst für Laien sei ersichtlich gewesen, dass diese Konstruktion nicht hält. Wie Kinder es mit Legosteinen praktizierten, so hätten Arbeiter die Mauern an Eschenweg und Miltitzer Straße hochgezogen – ohne jegliche Stützen oder Sicherungen der Wände.

„Die waren schneller als geplant“

Als Arbeiter Thomas R. am 17. Februar 2016 gegen 10.30 Uhr mit einer Rüttelplatte den Boden verdichtete, kippte die 4,75 Meter hohe Wand aus Gasbetonsteinen auf Fußweg und Straße. Beinahe hätte es noch andere Arbeiter erwischt. Selbst als Experten von Kripo und Landesdirektion vor Ort waren, fiel eine weitere Wand um. Mehrere seien so instabil gewesen, dass man sie mit der Hand hätte eindrücken können, sagte ein Mitarbeiter der Landesdirektion. Die Baustelle war zunächst gesperrt worden.

„Dass nicht noch mehr passierte, ist ein Glücksfall. Es hätte dort eine Schulklasse erschlagen können“, meinte die Staatsanwältin. Als Bauleiter für eine Leipziger Firma könne Reinhard S. die Verantwortung nun nicht auf ein Subunternehmen abwälzen, betonte sie. Reinhard S. hatte Letzteres dafür engagiert, Wände für das künftige „Dänische Bettenlager“ hochzuziehen. Statt mit zwei oder drei Maurern sei das Unternehmen aber mit fünf Leuten angerückt, hieß es. „Die waren schneller als geplant. Wir kamen nicht hinterher“, berichtete der Polier der Leipziger Firma. Justament am Unfalltag hätten Schalung und Stützen aufgestellt werden sollen.

„Verquickung unglücklicher Umstände“

Rechtsanwalt Mario Thomas sprach von einer „Verquickung unglücklicher Umstände“. Außer der fehlenden Sicherung und der Rüttelplatten-Arbeit habe es auch noch einen starken Sturm gegeben, so der Verteidiger. Sein Mandant sehe eine „moralische Schuld“ bei sich. Denn er habe sich auf den Subunternehmer verlassen, dass dieser bei der Mauerhöhe selbst für Sicherungen sorgt oder aber seine Bedenken anmeldet. Der Anwalt plädierte auf Freispruch. Im strafrechtlichen Sinne habe der Bauleiter keine Pflichtverletzungen begangen.

Richterin Gudrun Engelhardt folgte jedoch der Auffassung der Staatsanwältin. Der Bauleiter sei eindeutig in der Pflicht gewesen, für einen Baustopp oder andere Sicherungsmaßnahmen zu sorgen. Dass er die Wände letztmals bei einer Höhe von zwei Metern gesehen haben will, nahm ihm das Gericht nicht ab. „Er war jeden zweiten Tag vor Ort.“

„Ich wollte wissen, wie es dazu kam“

Als Zuschauerin verfolgte Gisela R., die Mutter des Getöteten, den Prozess: „Ich wollte wissen, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Ich wünsche niemandem das, was ich durchgemacht habe“, so die 76-Jährige. Einen Tag nach dem Tod ihres Sohnes erlag ihr Mann einer Krebserkrankung. Es ist ein Zufall, dass das Gericht dem Bauleiter als Bewährungsauflage die Zahlung von 2000 Euro an die Sächsische Krebsgesellschaft auferlegte.

Von Sabine Kreuz

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