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Polizeiticker Leipzig Obduktion im Mordfall Sophia aus Leipzig: Es gab zwei Tatwaffen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Obduktion im Mordfall Sophia aus Leipzig: Es gab zwei Tatwaffen
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15:35 31.07.2019
Ein Gerichtsbeamter präsentiert eine Nachbildung des Lkw-Werkzeugs, mit dem Sophia erschlagen wurde. Die Tatwaffe ist bisher nicht gefunden, der Angeklagte bestätigte aber, dass es sich um ein solches Werkzeug gehandelt habe. Quelle: Matthias Puppe
Bayreuth/Leipzig

Wann und wie starb die Leipziger Tramperin Sophia? Beim Mordprozess im Bayreuther Landgericht gehören diese Fragen zu den wichtigsten. An ihnen könnte sich entscheiden, ob der geständige Angeklagte Boujemaa L. tatsächlich wegen vorsätzlichen Mordes verurteilt wird oder ob ihm Strafmilderung für eine Affekthandlung zusteht – so wie er es behauptet.

Zur Klärung hatte Richter Bernhard Heim am Mittwoch unter anderem zwei spanische Rechtsmedizinerinnen geladen, die Sophias Leiche am Fundort in Nordspanien untersucht und sie später auch obduziert hatten. Im Gegensatz zu allen bisherigen Zeugen waren die beiden Ärztinnen nicht persönlich vor Ort, wurden stattdessen per Live-Video aus einem Büro im baskischen Institut für Rechtsmedizin in Vitoria-Gasteiz in Nordspanien hinzugeschaltet. Ein Novum, betonte eine Gerichtssprecherin.

Technisch aufwändige Vernehmungen

Solche Vernehmungen über 1500 Kilometer hinweg erfordern viel Technik im sonst prunkvoll-historischen Auditorium, an dessen Wänden große, goldgerahmte Porträts von bayrischen Adligen hängen. Eine mobile Kamera, ein großer Bildschirm, auch eine Leinwand, mit der die Zuschauer im erneut voll besetzten Gerichtssaal der Befragung folgen konnten, mussten herangeschafft werden. Und es erfordert einen weiteren Dolmetscher – neben dem für den Angeklagten ins Arabische übersetzenden Kollegen. Der Sophia-Prozess ist auch ein internationaler.

Wegen des Mordes an Sophia Lösche aus Leipzig steht ein Lkw-Fahrer aus Marokko vor dem Landgericht in Bayreuth. Ein Rückblick auf den Fall.

Eineinhalb Stunden dauert die Vernehmung, es geht um Fachbegriffe der Rechtsmedizin, die in den verschiedenen Gutachten der Spanier stehen und die der Sachverständige des Bayreuther Gerichts auf etwaige Übersetzungsfehler kontrolliert. Verletzungen an Sophias Händen, die von Fesselungen nachweislich vor ihrem Tod stammen, kommen zur Sprache. Auch eine Verletzung im Mundraum wurde festgestellt. Spuren sexueller Handlungen seien dagegen nicht entdeckt worden. „Es gibt viele Hinweise darauf, dass es zu sexuellen Handlungen kommen sollte, zu denen es aber nicht kam“, sagt der Anwalt von Sophias Familie.

Todeszeitpunkt in Frankreich – oder früher

Richter Heim will genau wissen, wie Sophias Leiche in Spanien gefunden wurde. Nackt, gefesselt an Beinen und Händen, mit Brandspuren an den Beinen, umhüllt von einer Plastiktüte. So übersetzt der Dolmetscher die Angaben aus Spanien. Dann kommt die Frage, auf die Ankläger, Verteidiger und Zuhörer gewartet haben: Wann starb Sophia? „Zwischen dem Nachmittag des 16. Juni und dem Nachmittag des 17. Juni“, sagt eine der Rechtsmedizinerinnen. Dies sei anhand des Verwesungszustandes der Leiche errechnet worden. Damals war der Angeklagte bereits in Frankreich. Heim reicht diese Antwort aber noch nicht aus. Könnte Sophia auch bereits am Tag ihres Verschwindens gestorben sein? „Ja, der 14. Juni wäre auch möglich“, sagt die spanische Expertin.

Warum diese Unsicherheit? „Die Leiche wurde in dem Lkw aufbewahrt, in dem es vergleichsweise kühl war. Das könnte den biologischen Prozess beeinflusst haben“, heißt es aus Spanien. Einen eindeutigen Beweis, dass Sophia tatsächlich erst in Frankreich gestorben war, liefert die Obduktion somit nicht – auch wenn die Rechtsmedizinerinnen das vermuten. „Ziel ist es, die Wahrheit zu finden. Davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt“, wird Sophias Bruder Andreas im Anschluss sagen. Er wirkt nicht enttäuscht, spricht von einem Indizienprozess, der sich eben immer weiter verdichte. Es gehe darum nachzuweisen, dass der Angeklagte nicht die Wahrheit sage.

Rechtsmedizin geht von zwei Waffen aus

Andreas verweist auf andere Angaben der spanischen Experten, die am Mittwoch erstmals im Gerichtssaal zu hören waren. Angesichts der Verletzungen an Sophias Kopf gehen die Rechtsmedizinerinnen von zwei Tatwaffen aus, mit denen an zwei verschiedenen Zeitpunkten zugeschlagen wurde. Im Geständnis von Boujemaa L. war von nur einer Waffe die Rede – ein etwa 35 Zentimeter langes und 1,5 Kilo schweres Stahlrohr, das als Werkzeug zum Befestigen von Radmuttern verwendet wird.

Laut des Obduktionsergebnisses gibt es an Sophias Kopf aber auch Verletzungen, die von einem „kleineren Gegenstand mit breiter, flacher Oberfläche“ stammen und zu einem anderen Zeitpunkt als die Schläge mit dem Stahlrohr erfolgten. „Die ersten Schläge führten zur Bewusstlosigkeit, die zweiten zum Tod“, sagen die spanischen Ärztinnen.

Von Matthias Puppe

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