Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Motorrad-Unglück auf A9: Leipziger Rettungssanitäter trauern um Kollegen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Motorrad-Unglück auf A9: Leipziger Rettungssanitäter trauern um Kollegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:01 03.09.2019
Bei dem tödlichen Motorrad-Unglück am Freitag auf der A9 kam Thomas D. ums Leben, der in Leipzig als Rettungssanitäter arbeitete. Seine Kollegen sammeln nun Spenden für die Familie.
Bei dem tödlichen Motorrad-Unglück am Freitag auf der A9 kam Thomas D. ums Leben, der in Leipzig als Rettungssanitäter arbeitete. Seine Kollegen sammeln nun Spenden für die Familie. Quelle: Bodo Schackow/dpa
Anzeige
Leipzig

„Das Unfassbare ist geschehen. Unser langjähriger Kollege und Freund ist am 30. August 2019 auf tragische Weise ums Leben gekommen.“ So beginnt der Aufruf bei Facebook, mit dem die Rettungssanitäter der ASG Ambulanz in Leipzig derzeit Geld für die Familie ihres verstorbenen Kollegen sammeln. Thomas D. war einer der vier Motorradfahrer, die am vergangenen Freitag auf der Autobahn 9 in Ostthüringen starben. Als Notfall-Sanitäter half der 43-Jährige aus der Nähe von Hohenmölsen (Burgenlandkreis) selbst bei Unfällen – eine Motorrad-Tour musste er nun mit dem Leben bezahlen.

Es war gegen 16.45 Uhr, als Thomas D. und seine drei Begleiter wegen Starkregens Schutz unter einer Autobahnbrücke zwischen Bad Lobenstein und Schleiz (Saale Orla-Kreis) suchten. Genau an dieser Stelle kam ein in Richtung Berlin fahrender Transporter nach rechts von der Fahrbahn ab, kippte um und erfasste die Biker. Für das Quartett kam jede Hilfe zu spät. Die vier Männer starben noch an der Unfallstelle.

Auch Schwiegervater von Thomas D. unter den Opfern

Unter den Todesopfern war nach LVZ-Informationen auch der Schwiegervater von Thomas D. (†75). Beide gehörten ebenso wie ein weiteres Opfer im Alter von 60 Jahren zum Verein „Motorradfreunde Grunau“, der auf seiner Homepage um die verstorbenen Mitglieder trauert. Der vierte Biker (†57) kam nach Polizeiangaben aus Pforzheim in Baden-Württemberg.

Ein Kleintransporter erfasste die vier Biker, die unter einer Brücke vor dem Regen Schutz suchten. Quelle: Bodo Schackow/dpa

Die Gruppe sei gerade auf dem Heimweg von einer Tour in den österreichischen Alpen gewesen, berichtet der Leipziger ASG-Wachleiter Carsten Göpfert im Gespräch mit der LVZ. „Thomas war großer Motorrad-Fan, kam damit auch zur Arbeit.“ Göpfert kannte D. seit 2001, als dieser als Notfallsanitäter beim ASG-Rettungsdienst anfing. „Der Verlust nimmt alle Kollegen sehr mit.“ Für Göpfert und die anderen Mitarbeiter gehören schwere Unfälle zum Alltag, doch der Tod ihres Freunds und Kollegen hat alle schockiert. D. hinterlässt seine Frau und zwei Söhne.

Schon 12.000 Euro Spenden nach drei Tagen gesammelt

Die Kollegen entschlossen sich am Sonntag einen Spendenaufruf zu starten, um die Familie zu unterstützen. Bis Dienstagnachmittag gingen bereits mehr als 12.000 Euro auf dem Paypal-Konto ein. „Wir sind überwältigt von der Resonanz, von den vielen Spenden, aber auch von den Kommentaren, die Kollegen, Freunde und teilweise auch fremde Menschen hinterlassen, die der Unfall betroffen macht“, sagt Göpfert. „Das hat Gänsehaut bei uns ausgelöst.“

Bei Kollegen war D. sehr beliebt, wie die Nutzerbeiträge bei Facebook und unter dem Spendenaufruf zeigen. „Er war immer gern gesehen in unserer Notaufnahme“, ist dort zu lesen. „Man hat uns einen ganz tollen Kollegen und Menschen genommen. Es ist so unfassbar“, schreibt eine ehemalige Kollegin. Auch Sanitäter der Johanniter und des Deutschen Roten Kreuzes bekunden ihre Trauer.

Leipziger Rettungswagen fahren mit Trauerflor

Die 14 Rettungsfahrzeuge der ASG sind seit dem Unglück mit Trauerflor unterwegs. Auch die Leipziger Feuerwehr schloss sich an und befestigte schwarze Schleifen an den städtischen Krankenwagen. „Die Retter sind eine große Familie, deswegen unterstützen wir die Aktion. Er war einer von uns“, erklärt Feuerwehrsprecher Torsten Kolbe, der D. auch persönlich kannte. Vor 20 Jahren absolvierten beide gemeinsam die Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Mit schwarzer Schleife an der Antenne: Die Fahrzeuge der ASG-Rettungswagen tragen Trauerflor. Quelle: Kempner

Was genau zu dem Unglück führte, dazu laufen noch die Ermittlungen. Bislang ist unklar, warum der Mercedes-Transporter aus dem Landkreis Barnim (Brandenburg) nahe Raila von der Fahrbahn abkam, ob der 38-Jährige am Steuer möglicherweise abgelenkt war oder wegen des heftigen Regens die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.

Transporter-Fahrer konnte bislang nicht befragt werden

„Der Fahrer konnte aufgrund seiner Verletzungen bisher noch nicht vernommen werden“, sagte Sven Schroth, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera, am Dienstag auf LVZ-Nachfrage. Der 38-Jährige und ein 31-jähriger Mitfahrer wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Der 29-jährige Beifahrer erlitt schwere Verletzungen. Gegen den Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Zur Unfallursache seien Gutachten und weitergehende Untersuchungen beauftragt worden, erklärte Schroth. Deren Ergebnisse würden jedoch wahrscheinlich erst in einigen Wochen vorliegen.

Bei der ASG in Leipzig-Plagwitz „muss das Tagesgeschäft weitergehen“, weiß Wachleiter Carsten Göpfert. Ein externer Experte soll dabei helfen, die Trauer zu verarbeiten. Die Notfall-Sanitäter sind für ihren verstorbenen Kollegen weiter als Lebensretter im Einsatz. Bei Facebook schreiben sie: „Thomas hat uns stets viel bedeutet und hinterlässt eine große Lücke. Wir werden ihn vermissen.“

Hier geht es zum Spendenkonto bei Paypal.

Von Robert Nößler