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Polizeiticker Leipzig Nach Schlägerei an Lene-Voigt-Schule: Behörden kämpfen gegen Gerüchte
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Nach Schlägerei an Lene-Voigt-Schule: Behörden kämpfen gegen Gerüchte
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22:14 16.01.2017
Nach Auseinandersetzungen an der Lene-Voigt-Schule ist die Polizei vor Ort.
Nach Auseinandersetzungen an der Lene-Voigt-Schule ist die Polizei vor Ort. Quelle: Kempner
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Leipzig

Polizeikontrollen, schlimme Gerüchte und Eltern in Angst: Eine zunächst eher banale Auseinandersetzung zwischen zwei Schülern an der Lößniger Lene-Voigt-Schule hat für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Schulleitung und Polizei wollen am heutigen Dienstag beraten, wie eine weitere Eskalation verhindert werden kann.

Rückblick: Am Mittwoch voriger Woche waren auf dem Schulhof in der Willi-Bredel-Straße ein deutscher Schüler und ein unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber (UMA) aneinandergeraten. Nach Angaben der Polizei schlichtete ein Lehrer den Streit. „Das war ein Gerangel, bei dem es auch eine Backpfeife gab“, sagte Roman Schulz von der Sächsischen Bildungsagentur in Leipzig. „Mehr war nicht. Es floss kein Blut, es gab keine Knochenbrüche.“ Aus Sicht der Behörden war es eine Situation, wie sie leider immer mal wieder an wohl fast jeder Schule vorkommt.

Aber sie war offenbar Anlass für ein Nachspiel nach Schulschluss: Im Umfeld des Moritzhofes sollen sich rund zwanzig Teenager zwischen 15 und 17 Jahren geprügelt haben – etwa zehn Deutsche und zehn UMA. Laut Polizei droschen die Jugendlichen teilweise mit ihren Gürteln aufeinander ein. Von anderen Schlagwerkzeugen, die gerüchteweise zum Einsatz gekommen sein sollen, sei nichts bekannt. „Nach unseren Erkenntnissen gab es einen Leichtverletzten“, resümierte Polizeisprecher Uwe Voigt auf LVZ-Anfrage. „Meldungen über einen Beteiligten, der mit einer Fraktur ins Krankenhaus kam, können wir nicht bestätigen. Auch die noch vor Ort befindlichen Jugendlichen wussten davon nichts.“ Am Donnerstag mussten Bürgerpolizisten und eine Streife des Reviers Südost erneut eingreifen, führten hinter der Schule Identitätsfeststellungen bei zwölf UMA durch. „Es wurden Platzverweise ausgesprochen“, so Voigt. „Waffen wurden aber auch da nicht gefunden.“

Der Polizeisprecher betonte dies ausdrücklich, weil Gerüchte seither ein weitaus düstereres Szenario malen. Demnach sollen die Beamten Männer gestoppt haben, die mit Waffen und Eisenstangen unterwegs zur Schule waren, auch eine Pistole sei sichergestellt worden. Es kursierte sogar die Info, dass um die 50 Ausländer aus der Eisenbahnstraße ihren Landsleuten ihn Lößnig zu Hilfe eilen wollten.

Bisheriger Höhepunkt der Aufregung: Über das Wochenende verbreitete sich über soziale Netzwerke eine dubiose Nachricht, dass minderjährige Asylbewerber angeblich planten, am Montagmorgen bewaffnet zur Lene-Voigt-Schule zu kommen. Der Unterricht, hieß es, falle deshalb aus. Entsprechend dramatisch waren die Beobachtungen von Betroffenen. „Das Schulgelände ist von Polizei umstellt, ganz wenige Schüler sind da“, so eine Mutter.

„Aufgrund der Nachricht in den sozialen Netzwerken hat ab 6.40 Uhr ein Einsatz an der Schule stattgefunden“, erläuterte Behördensprecher Voigt am gestrigen Vormittag. „Es sind Einlasskontrollen durchgeführt worden. Außerdem hat der Revierführer mit der Schulleitung gesprochen.“

Anwohner schilderten zudem, dass auch im Umfeld der Schule Personen-kontrollen stattfanden. „Ich kam gegen7.45 Uhr vom Einkaufen und musste meinen Rucksack zeigen“, berichtete ein Lößniger (46). Abgesehen von der Polizeipräsenz sei aber der normale Schulbetrieb aufrechterhalten worden, so die Behörden. Waffen wurden nicht gefunden.

Damit die Sache nicht noch weiter aus dem Ruder läuft, wollen Schulleitung und Polizei heute ihr weiteres Vorgehen abstimmen. Dabei stehe die Prävention im Vordergrund, erklärte Bildungsagentur-Sprecher Schulz. „Es gibt kein akutes Bedrohungsszenario. Aber es muss vermieden werden, dass die Lage eskaliert.“ Die Lene-Voigt-Schule trägt immerhin den Titel „Schule der Toleranz“, unterrichtet auch ausländische Kinder in einer DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache). „Wir haben es hier nicht mit einem Hotspot der Gewalt zu tun“, beteuerte Schulz. „Die Schule hat kein Sicherheitsproblem.“

Von F. D.