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Polizeiticker Leipzig Prozess gegen Hells Angels: Psychiater hält Angeklagte für schuldfähig
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Prozess gegen Hells Angels: Psychiater hält Angeklagte für schuldfähig
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22:30 16.04.2019
Die vier Angeklagten mit ihren Verteidigern im Landgericht Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Seit anderthalb Jahren verfolgt der Berliner Psychiater Frank Wendt vor Ort den in Leipzig laufenden Mordprozess gegen vier Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels. Am Dienstag gab der Gutachter erstmals seine Einschätzung zu dem Quartett ab. Demnach sind aus psychiatrischer Sicht alle vier Angeklagten voll schuldfähig.

Bereits seit dem 8. September 2017 müssen sich vier „Höllenengel“ vor dem Landgericht wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem Anwärter des verfeindeten Motorradclubs United Tribunes (UT) verantworten.

Ankläger gehen von Vergeltungsschlag aus

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft feuerte Stefan S. (33), ein arbeitsloser Maler, am 25. Juni 2016 in der Eisenbahnstraße sieben Mal auf die United-Tribunes-Gruppe. Zwei Schüsse trafen Veysel A. – der 27-jährige Türke starb. Zudem erlitten zwei weitere Personen lebensgefährliche Verletzungen. Laut Anklage soll es sich damals um einen Vergeltungsschlag der Hells Angels gehandelt haben, um sich für einen zuvor erfolgten Übergriff zu rächen. Seit Prozessbeginn schweigen die vier Angeklagten.

Und auf Gespräche mit Psychiater Wendt beziehungsweise dessen Untersuchungen ließ sich allein der mutmaßliche Todesschütze Stefan S. ein. Die drei anderen wegen gemeinschaftliches Mordes angeklagten Marcus M. (36), Frank M. (47) und Ferenc B. (42) lehnten indes eine Kontaktaufnahme ab. Daher stützten sich die Einschätzungen des Sachverständigen allein auf die ihm zur Verfügung stehenden Akten sowie die Zeugen-Vernehmungen an den bislang rund 80 Verhandlungstagen.

„Keine gravierenden psychiatrischen Erkrankungen“

Laut Wendt bestehen bei dem mutmaßlichen Todesschützen Stefan S. zwar „persönlichkeitsbedingte Auffälligkeiten“ wie etwa depressive Verstimmungen. „Es gibt aber keine Hinweise für eine gravierende psychiatrische Erkrankung“, sagte der Gutachter. „Und es gibt auch kein Suchtmittelproblem.“

Auf die Fragen von Verteidiger Curt-Matthias Engel, was Angst und Panik bei seinem Mandanten ausgelöst haben könnten, als die Hells-Angels-Gruppe auf die United Tribunes in der Eisenbahnstraße traf, meinte der Arzt: Er wolle Stefan S. Angst nicht absprechen, es habe sich aber um normale Emotionen gehandelt. „Und nicht um Angst im Sinne eines psychisch-pathologischen Zustandes.“

Auch in Bezug auf die Mitangeklagten gebe es keine Hinweise auf Intelligenzminderungen oder hirnorganische Störungen. Zunächst hatte es noch eine zweite psychiatrische Gutachterin gegeben, sie war als befangen abgelehnt worden.

Plädoyers ab Ende April geplant

Der Prozess wird laut dem Vorsitzenden Richter Hans Jagenlauf am 29. April mit der Anhörung eines Rechtsmediziners und eines weiteren Sachverständigen zur Auswertung von Videoaufnahmen fortgesetzt. Zudem müsse die Schwurgerichtskammer noch über einige Anträge entscheiden. Den derzeitigen Planungen zufolge könnten Staatsanwaltschaft und Nebenklage dann am 30. April plädieren, die acht Verteidiger möglicherweise in der Woche darauf.

Wie berichtet, sind die Sicherheitsvorkehrungen von Beginn des Prozesses an immens hoch, auch wenn die beiden Leipziger Ableger dieser verfeindeten Motorradclubs längst ihre Auflösung bekannt gegeben haben.

Von Sabine Kreuz

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