Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Rechtsmediziner im Rockerprozess: Tödlicher Schuss traf Opfer von hinten
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Rechtsmediziner im Rockerprozess: Tödlicher Schuss traf Opfer von hinten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:43 20.05.2019
Die vier angeklagten „Höllenengel“ vor dem Landgericht Leipzig: Sie haben jeweils zwei Verteidiger. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Traf ein Schuss den Kopf? Oder führten Fußtritte gegen den Kopf zum Tod? Welche Person befand sich wo, als die Schüsse fielen? Um diese Fragen ging es am Montag beim Mordprozess gegen vier Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels am Landgericht Leipzig. Am mittlerweile 86. Verhandlungstag kamen zwei Gutachter – ein Rechtsmediziner sowie ein Digitalforensiker – zu Wort.

Bereits seit dem 8. September 2017 müssen sich vier „Höllenengel“ wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem Anwärter des verfeindeten Clubs United Tribunes (UT) verantworten. Laut Anklage feuerte Stefan S. (33), ein arbeitsloser Maler, am 25. Juni 2016 in der Eisenbahnstraße sieben Mal auf die United Tribunes. Zwei Projektile trafen Veysel A. – der 27-jährige Türke starb.

Opfer starb an Verblutungsschock

„Dabei handelte es sich um zwei Durchschüsse“, sagte Rechtsmediziner Vladimir Wenzel am Montag. Seiner Einschätzung nach traf der tödliche Schuss den 27-Jährigen von hinten – im rechten Lendenbereich. Dabei seien Beckengefäße verletzt worden. „Das führte schließlich zu einem Verblutungsschock“, so der Arzt. Der weitere Schuss am rechten Oberarm sei nicht tödlich gewesen.

Ursprünglich waren die Ärzte im Krankenhaus auch von einer Kopfschusswunde ausgegangen. „Eine Fehlinterpretation“, meinte Wenzel. Tatsächlich habe es „mindestens drei Gewalteinwirkungen gegen den Kopf“ des Geschädigten gegeben. „Durch Fußtritte“, so der promovierte Rechtsmediziner. Er sowie ein Kollege seien „fest davon überzeugt, dass die Kopfverletzungen nicht todesursächlich waren“.

„Keine Abwehrverletzungen“

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Mitangeklagten Marcus M. (36, Ex-Chef des inzwischen aufgelösten Leipziger Hells-Angels-Ablegers), Frank M. (47) und Ferenc B. (42) mehrfach auf den Kopf und Oberkörper des bereits am Boden liegenden und noch lebenden Veysel A. eingetreten haben. Bei dem Opfer seien „keine passiven oder aktiven Abwehrverletzungen“ festgestellt worden. Es habe „keine Hinweise auf eine körperliche Auseinandersetzung“ gegeben, berichtete der Rechtsmediziner.

Die Abgabe der Schüsse dokumentiert ein Amateur-Video, das am Tattag aus einer Entfernung von 15 bis 20 Meter aufgenommen wurde, von schlechter Qualität ist, dennoch Eingang in den Prozess fand. Es gilt als eines der wichtigsten Beweismittel, das von Digitalforensiker Dirk Labudde unter anderem danach untersucht wurde, welche Person sich wo bei den einzelnen Schüssen befand.

„Das hat alles keinen Sinn“

Doch Anwalt Michael Stephan, Verteidiger von Ex-Hells-Angels-Boss Marcus M., hielt den Professor von der Hochschule Mittweida für befangen. Als Gründe nannte er Verfolgungseifer, rechtsfehlerhafte Grundsätze und nicht vorhandene wissenschaftliche Standards. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf ist jedoch anderer Ansicht; es lehnte den Befangenheitsantrag am Montag ab.

Labudde war allerdings, wie sich herausstellte, anhand seiner Videoanalyse von zwei statt drei von Schüssen getroffenen Personen damals in der Eisenbahnstraße ausgegangen. „Das hat doch alles gar keinen Sinn“, kommentierte Curt-Matthias Engel, Verteidiger des mutmaßlichen Schützen, die Angaben des Sachverständigen. Tatsächlich gab es außer dem tödlich Verletzten zwei weitere Opfer – ebenfalls Mitglieder der United Tribunes, die in Lebensgefahr schwebten. Es geht deshalb zudem um zweifachen Mordversuch. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Von Sabine Kreuz

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein zwei Monate altes Baby soll so heftig geschüttelt worden sein, dass es lebensbedrohliche Hirnblutungen erlitt. Seit Montag steht deshalb ein 26-Jähriger vor Gericht.

20.05.2019

Ein Mann ist am Montagnachmittag wegen aggressiven Verhaltens in ein Krankenhaus gebracht worden. Zuvor hatte er Nachbarn in Leipzig-Volkmarsdorf beleidigt und attackiert. Erst vor wenigen Wochen holte ein Spezialeinsatzkommando ihn aus seiner Wohnung.

20.05.2019

Bei einem Einsatz im Leipziger Zentrum sind am Samstagmorgen mehrere Polizisten verletzt worden. Sie wollten einen aggressiven Mann aus seiner Wohnung holen.

20.05.2019