Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Leipziger Rockermord: Staatsanwalt fordert lebenslänglich
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Leipziger Rockermord: Staatsanwalt fordert lebenslänglich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:45 21.05.2019
Seit September 2017 läuft am Landgericht der Prozess gegen Leipziger Hells Angels wegen gemeinschaftlichen Mordes. Quelle: Kempner
Leipzig

Im Mordprozess gegen vier Mitglieder der Leipziger Hells Angels hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag für alle Angeklagten lebenslange Haft wegen gemeinschaftlichen Mordes gefordert.

Oberstaatsanwalts Guido Lunkeit sah die in der Anklageschrift erhobenen Tatvorwürfe weitgehend als erwiesen an. Demnach feuerte der arbeitslose Maler Stefan S. (33) am 25. Juni 2016 gegen 15.35 Uhr in der Eisenbahnstraße mit einer Pistole Walther PPK, Kaliber 6,5 Millimeter sieben Mal auf die Gruppe der United Tribunes (UT). Zwei Projektile trafen den türkischen UT-Anwärter Veysel A. (27), der aufgrund der Schussverletzungen ums Leben kam. Dass Motiv Rache erfüllt für Lunkeit das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe.

Die Mitangeklagten Marcus M. (36, Ex-Chef des inzwischen aufgelösten Leipziger Hells-Angels-Ablegers), Frank M. (47) und Ferenc B. (42) sollen mehrfach auf Kopf und Oberkörper des am Boden liegenden und noch lebenden Veysel A. eingetreten haben. Diese Tritte gegen den Kopf seien von absolutem Vernichtungswillen geprägt gewesen, so Lunkeit, man habe den Mann töten wollen. Außer Veysel A. gab es zwei weitere Opfer – ebenfalls UT-Mitglieder, die durch Schussverletzungen in Lebensgefahr schwebten.

Entscheidung zur Rache

Lunkeit erklärte, dass es die Entscheidung zu einer Club-Rache gegeben habe. Auslöser des tödlichen Konflikts sei ein Zwischenfall Stunden zuvor gewesen. Demnach war Höllenengel Stefan S. in seiner Rockerkluft in der Eisenbahnstraße unterwegs – und zwar dort, wo die United Tribuns Iron City (UT) ihr Clubhaus eröffnet hatten. UT-Vizepräsident Sooren O. (32), ein aus dem Diskokrieg und zahlreichen Strafverfahren bekannter Iraner, soll Stefan S. gesehen, ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt und leicht verletzt haben. Aus diesem Grund hätten sich die Angeklagten sowie mindestens zwölf weitere Hells Angels an einem Freisitz an der Kreuzung Eisenbahnstraße/Neustädter Straße versammelt, um gegen die von Migranten dominierten United Tribuns vorzugehen.

Wie berichtet, dokumentiert ein Amateur-Video, das am Tattag aus einer Entfernung von 15 bis 20 Meter aufgenommen wurde und von schlechter Qualität ist, das Aufeinandertreffen der Rockerclubs und die Abgabe der Schüsse. Ohne dieses Video sowie Ergebnisse einer Telefonüberwachung wäre es schwierig gewesen, den Tatnachweis zu führen, so Lunkeit. „Ob der Einsatz der Waffe Gegenstand der Absprache unter den Hells Angels war, daran habe ich Zweifel.“

Bereits seit dem 8. September 2017 müssen sich die vier „Höllenengel“ wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Im Februar dieses Jahres war die Verhandlung wegen eines aktuellen Ermittlungsverfahrens unterbrochen worden. Dabei geht es um den Verdacht der gemeinschaftlichen Verabredung zum Mord. Die Opfer-Familie soll demnach geplant haben, an „Höllenengel“ Stefan S. Blutrache zu üben. Sämtliche Prozesstage fanden daher unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit den Plädoyers der Verteidiger wird der Prozess am Montag fortgesetzt.

Von Sabine Kreuz/Frank Döring

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Polizeiticker Leipzig Ermittlungen wegen Brandstiftung - Keller in Leipzig-Grünau in Flammen

Am Montagabend ist in einem Keller in Grünau ein Feuer ausgebrochen – der Rauch zog in mehrere Häuser in der Ringstraße. Verletzt wurde niemand. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

21.05.2019

In Stahmeln ist es am Montag gegen 15.20 Uhr zu einem schweren Unfall gekommen. Bei dem Versuch eine Straßenbahn zu erreichen wurde eine 46-Jährige von dieser erfasst und verletzt.

21.05.2019

Bei der Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten Rockerclubs Hells Angels und United Tribunes (UT) im Juni 2016 traf der tödliche Schuss das Oper von hinten. Das sagte ein Rechtsmediziner im Prozess um den Mord in der Leipziger Eisenbahnstraße. Außerdem wurde ein Digitalforensiker gehört, den Verteidiger für befangen halten.

20.05.2019