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Polizeiticker Leipzig Sieben Wasserwerfer, zwei Hubschrauber: Mega-Aufwand für Mini-Demo
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Sieben Wasserwerfer, zwei Hubschrauber: Mega-Aufwand für Mini-Demo
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10:01 26.09.2019
Nur eine Handvoll Kundgebungsteilnehmer versammelte André Poggenburg am 21. August im Leipziger Süden. Doch es kamen auch hunderte Gegendemonstranten und 1200 Polizisten. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Rund 1200 Polizeibeamte, zwei Hubschrauber und eine mächtige Fahrzeugflotte: Bei der mutmaßlich letzten Mini-Demo von Ex-AfD-Mann André Poggenburg mit dem „Aufbruch deutscher Patrioten“ (AdP) am 21. August im Leipziger Süden sah sich die Polizei wieder mal zu einem Großeinsatz gezwungen. Auf Anfrage der Landtagsabgeordneten Juliane Nagel (Linke) listete das sächsische Innenministerium nun detailliert auf, wie viel Aufwand an jenem Abend tatsächlich betrieben wurde. Der Fall zeigt exemplarisch: Mittlerweile muss in Leipzig sogar eine Demo mit der Teilnehmerzahl eines Kindergeburtstages von einem Großaufgebot an Einsatzkräften abgesichert werden.

Angriffe auf Polizei befürchtet

Nicht einmal ein Dutzend Getreue konnte Poggenburg bei seiner fünften Kundgebung seit Mitte Februar in der Messestadt unter dem Motto „Gegen Linke Intoleranz und Aggression“ in der Richard-Lehmann-Straße um sich scharen. Die Versammlung wäre wohl kaum aufgefallen, wenn nicht auch rund 500 Gegendemonstranten durch die Connewitzer Straßen gezogen wären. Und von denen erwarteten die Sicherheitsbehörden nicht nur friedvollen Protest.

André Poggenburg hat am 21. August 2019 in Leipzig-Connewitz eine Kundgebung abgehalten. Es gab breiten Gegenprotest.

Es waren demnach Bestrebungen zu erwarten, die Poggenburg-Versammlung „zu verhindern oder zumindest zu stören“, so Innenminister Roland Wöller (CDU). „Das Spektrum der Aktionen der linken Szene gegen rechte Versammlungen im gesamten Stadtgebiet Leipzigs reichte in der Vergangenheit dabei von friedlichen Protestversammlungen über Blockadeaktionen mit passivem Widerstand bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, auch mit der Polizei.“

Wöller verwies auf die Straßenschlachten von Linksextremisten am 12. Dezember 2015 in der Südvorstadt. Wie derartige Ereignisse laut Wöller zeigen, „sind auch Ersatzaktionen abseits der eigentlichen Aufzugstrecke beziehungsweise des Versammlungsortes (Sachbeschädigungen, Barrikadenbau, Brandstiftungen, Angriffe auf die Polizei) mögliche Mittel.“ Übergriffe auf Personen und das Eigentum des politisch gegensätzlichen Lagers würden angestrebt.

1200 Polizisten aus fünf Bundesländern

Um dies zu verhindern, überließ die Polizei nichts dem Zufall. Zum Einsatz kamen nach Angaben des Ministeriums: 270 Meter Hamburger Gitter zur Absperrung, sieben Wasserwerfer, zwei Polizeihubschrauber, vier Befehlskraftwagen, ein Gefangenentransporter, zwei Lautsprecherwagen, ein Rettungswagen, ein Lkw Unimog, ein Abschleppwagen, ein Toilettenfahrzeug sowie weitere sechs Fahrzeuge, etwa für Bildübertragung, Dokumentation, Geräte und zum Abschleppen.

Hinzu kamen die Autos, mit denen die Beamten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden-Württemberg, Bayern sowie der Bundespolizei transportiert wurden. Beteiligt waren neben den Einsatzeinheiten beispielsweise auch Kommunikationsteams der Polizeidirektionen Chemnitz, Dresden, Görlitz und Zwickau. Unter den 1200 Polizisten befanden sich laut Innenministerium auch 34 Beamte in zivil.

Zum Vergleich: Die ersten drei Legida-Aufzüge im Januar 2015 wurden von insgesamt 9600 Polizisten abgesichert. Allein am 21. Januar waren es 5100 Beamte, die gegen Blockadeversuche von Gegendemonstranten und Gewalttäter auf beiden Seiten vorgehen mussten. Gemessen daran hielt sich zumindest der personelle Aufwand bei der Poggenburg-Demo in Grenzen.

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Am Ende wurden nach Angaben des Ministeriums Ermittlungsverfahren gegen fünf Personen wegen Beleidigung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und in drei Fällen wegen Verstoßes gegen das Sächsische Versammlungsgesetz eingeleitet. „Mit Ausnahme der Beleidigung, bei der keine Zuordnung möglich ist, wurden sie als politisch links motiviert eingeordnet“, so Wöller.

Von Frank Döring

Er ist selbst Tatverdächtiger und bewachte hinter Gittern seine Komplizen: Ein Beamter des sächsischen Justizvollzugs, der wegen der Krawalle von Hooligans und Neonazis in Leipzig-Connewitz angeklagt ist, hatte im Dienst offenbar Kontakt zu Mitangeklagten.

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