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Polizeiticker Leipzig Stalking-Prozess: Fast sieben Jahre Haft für Leipziger Dozentin
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Stalking-Prozess: Fast sieben Jahre Haft für Leipziger Dozentin
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17:32 10.12.2019
Angeklagte Anja S. mit ihrem Verteidiger Reinhard Baehr, der eine Bewährungsstrafe forderte. Quelle: Sabine Kreuz
Leipzig

Sie tyrannisierte laut Gericht einen Mann und dessen Familie aus Wut und Hass: Eine Leipziger Dozentin muss wegen einer Serie von Brandstiftungen für sechs Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Nach acht Verhandlungstagen sprach die 8. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Rüdiger Harr die Angeklagte Anja S. (38) am Dienstag schuldig: Brandstiftung in acht Fällen sowie versuchte schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung. „Es war ein Indizienprozess“, so Harr.

Hundekot und tote Tiere

„Dieses Verfahren sprengte jeden Rahmen“, sagte Staatsanwältin Karin Schultrich. Die Stalkingfälle seien hinsichtlich Intensität, Dauer und Folgen für die Opfer ungewöhnlich. Anja S. wird beschuldigt, zwischen Oktober 2015 und April 2019 insgesamt neun Autos angezündet zu haben, wobei zehn weitere Fahrzeuge durch Flammen beschädigt wurden – Gesamtschaden: mehrere Hunderttausend Euro. Neben vorsätzlicher Brandstiftung ging es auch um Nachstellung, weil Anja S. ihren früheren Physiotherapeuten, den sie 2011 während ihrer Behandlung kennengelernt hatte, sowie dessen Familie und Praxis terrorisiert haben soll. Laut Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte, die nach eigenen Angaben früher selbst Schöffin am Gericht war, Autos ihrer Opfer mit Hundekot beschmiert und tote Vögel an Klingelschilder geklemmt haben.

Terror nach Kontaktabbruch

Die Serie von Straftaten begann, als Physiotherapeut Philipp S. den zunächst freundschaftlichen Kontakt zu seiner Patientin abbrach, weil ihm die Nähe zu viel wurde. Anfang Oktober 2015 ging vor dem Wohnhaus des Therapeuten und seiner neuen Partnerin in Reudnitz-Thonberg der Golf der Frau in Flammen auf. Später brannten Fahrzeuge in Gohlis bei den Eltern des Physiotherapeuten, vor der Wohnung der Praxischefin in Zentrum-Ost und an der Praxis. Dort soll die Angeklagte auf dem Erdgeschoss–Balkon ein Feuer entfacht haben.

Abrupt endete der Spuk, als die Dozentin am 21. April 2019 in der Fritz-Seger-Straße in Gohlis-Süd festgenommen wurde. Hier wollte sie der Anklage zufolge gerade einen Mercedes anzünden. Seither sitzt sie in Untersuchungshaft. „Mein ganzes bisheriges Leben hat sich seitdem aufgelöst“, sagte Anja S. kurz vor der Urteilsverkündung. „Was ich getan habe, war zweifellos falsch.“

Keine Zeugen, keine Spuren

Dies bezog sie jedoch nur auf einen Teil der angeklagten Fälle. Nach Ansicht der Verteidigung hat Anja S. die meisten der ihr zur Last gelegten Brände gar nicht gelegt. Bis auf die beiden Brandstiftungen am 15. und 21. April dieses Jahres, welche seine Mandantin eingeräumt hatte, seien ihr keine Taten nachzuweisen. „Es gibt keine Zeugen und keine Spuren“, so Verteidiger Reinhard Baehr. Daher plädierte er auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Sieben Jahre Haft lautete hingegen die Forderung von Staatsanwältin Schultrich. Die Kammer folgte nahezu dem Antrag der Anklagebehörde. Richter Harr: „Wir haben hier als Rechtsstaat ein kräftiges Signal zu setzen.“

Von Frank Döring

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