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Polizeiticker Leipzig Totschlag in Leipziger Nachtclub: Angeklagter erinnert sich nicht
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Totschlag in Leipziger Nachtclub: Angeklagter erinnert sich nicht
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14:41 16.09.2019
Angeklagt wegen Totschlags: Deividas R. hat in einem Leipziger Nachtclub einen Freund getötet. Sein Verteidiger Matthias Luderer (li.) gab zum Prozessauftakt eine Erklärung ab. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, frage ich mich: Wie ist das passiert?“ Deividas R. (31) soll in einem Nachtclub in Leipzig-Eutritzsch seinen Freund derart geprügelt und getreten haben, dass dieser später im Krankenhaus starb. Doch er behauptet, davon nichts mehr zu wissen. Am Montag startete der Prozess gegen den Litauer am Landgericht. Der Tatvorwurf von Staatsanwalt Torsten Naumann: Totschlag.

Die Beweislage gegen den Vater eines vierjährigen Jungen ist erdrückend. Eine Überwachungskamera des Clubs in der Dessauer Straße filmte den Gewaltexzess am Morgen des 17. März dieses Jahres. Es sind verstörende Aufnahmen, die am ersten Verhandlungstag zu sehen waren. Mehr als eine Stunde lang nahm sich das Schwurgericht Zeit, um anhand der Videos einen möglichen Auslöser der Tat zu ermitteln.

Gewaltexzess am Morgen

Doch auf den Bildern überwiegt zunächst Tristesse: Deividas R. und sein Landsmann Robertas V. (33) sitzen im Shisha-Raum des Clubs. Während sich ein anderer Gast alsbald mit einer der hier beschäftigten Damen zurückzieht, hocken die beiden Litauer an einem Beistelltisch, trinken Bier und Schnaps, starren immer wieder auf ihre Smartphones. Am Tag zuvor war Deividas R. von einer Nachtschicht als Paket-Fahrer zurückgekehrt, hatte seither nicht mehr geschlafen. „Wir wollten zu einem Puff fahren, um Spaß zu haben“, berichtete der Angeklagte vor Gericht. Ein bisschen getanzt habe er, doch für mehr reichte sein Bargeld offenbar nicht.

Auf dem Überwachungsvideo ist zu sehen, dass sein Bekannter gegen 7.10 Uhr mit einer Mitarbeiterin den Shisha-Raum verlässt. Deividas R. ist nun allein und ein paar Minuten später auf dem Sofa eingeschlafen. Als Robertas V. um 7.37 Uhr zurückkehrt, will er ihn wecken. Er schüttelt ihn – vergeblich. Es dauert, bis Deividas R. wieder halbwegs wach ist und aufstehen kann. Der Timer der Kamera steht auf 7.45 Uhr, noch eine Viertelstunde, bis der Club schließt. Beide Männer stehen sich gegenüber, sie scheinen über irgendetwas zu streiten. Robertas V. stupst seinen Freund an. Da rastet Deividas R. völlig aus. Er streckt seinen Kontrahenten mit der Faust nieder, dieser sackt auf dem Sofa zusammen. Obwohl Robertas V. bereits bewusstlos ist, tritt Deividas R. ihn wie von Sinnen gegen den Kopf. Und dann geht er auch noch mit einem Beistelltisch aus Metall auf seinen Landsmann los.

Wiederbelebt nach Herzstillstand

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erlitt das Opfer Blutungen im Schädel-Innenraum und einen Herzstillstand. Rettungskräfte konnten den Litauer zunächst wiederbeleben, doch am 24. März starb er im Krankenhaus.

„Mein Mandant ist über die Geschehnisse sehr bestürzt“, sagte Verteidiger Matthias Luderer. Mittlerweile habe der Angeklagte der Mutter des Opfers einen Brief des Bedauerns übersandt. „Er kann aber nicht sagen, wie es dazu gekommen ist.“ Schlafmangel, Alkohol, womöglich auch Drogen – hatte der Litauer einen Filmriss? Ein Angestellter des Clubs sagte aus, dass beide Litauer nicht stark betrunken, sondern höchstens angetrunken waren. „Ich kann mich erst wieder erinnern, dass ich draußen auf der Straße war, die Sonne schien und die Polizei mich festgenommen hat“, so Deividas R., der seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

Die 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf hat für den Prozess noch sieben Verhandlungstage bis 8. November vorgesehen.

Von Frank Döring

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