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Polizeiticker Leipzig Überfall auf 87-Jährige – Angeklagter schweigt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Überfall auf 87-Jährige – Angeklagter schweigt
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06:01 22.03.2019
Seit November 2018 in Untersuchungshaft, in Handschellen zum Prozess: Marcus R. (rechts) soll eine 87-jährige Rentnerin brutal überfallen haben. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Als Ursula B. (87) am 8. Juli 2018 kurz vor 14.30 Uhr von einem Spaziergang nach Hause in die Offenburger Straße in Leipzig-Grünau kam, traf sie ein heftiger Faustschlag mitten ins Gesicht. Die demenzkranke Frau erlitt großflächige Hämatome und eine Prellung des linken Augapfels, kam stationär in ein Krankenhaus. Der Täter hatte es auf ihre Handtasche abgesehen – seine Ausbeute: rund 100 Euro. Am Donnerstag begann am Amtsgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Räuber Marcus R. (30). Doch der ungelernte Leipziger, der seit November 2018 in Untersuchungshaft sitzt, schwieg zum Auftakt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass er die Gefahr erheblicher körperlicher Schäden für sein Opfer billigend in Kauf nahm. Marcus R. ist daher wegen schweren Raubs in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Da der Angeklagte jedoch keine Aussage machen wollte, hatte das Gericht auch das hochbetagte Opfer, das in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebt, zur Vernehmung geladen. Doch Ursula B. blieb der Verhandlung fern. Ohnehin kann sie sich nach Angaben ihrer Angehörigen nicht mehr an den Überfall erinnern. „Bei einer ärztlichen Bescheinigung über die Verhandlungsunfähigkeit kann auf ihr Erscheinen verzichtet werden“, so Amtsrichterin Ute Pisecky.

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Für den Prozess ist das allerdings ein erhebliches Problem. Denn Sohn und Enkel der überfallenen Seniorin, die am Donnerstag in der Hauptverhandlung ausführlich befragt wurden, sind offenbar eher Teil des Problems als der Lösung. „Es gibt einen dringenden Tatverdacht gegen den Angeklagten“, sagte Pisecky nach Einvernahme der beiden Zeugen, „aber mit ihren Aussagen erschweren sie die Beweisaufnahme.“ Denn Torsten B. (39) und Sigmund B. (63) verstrickten sich in Widersprüche und änderten während der Zeugenbefragung mehrmals ihr Aussageverhalten, worauf sich weder das Gericht noch die anderen Verfahrensbeteiligten einen Reim machen konnten.

So hatte Torsten B. nach dem Überfall die Handtasche seiner Oma gesucht und diese tatsächlich unweit des Tatorts in der Ludwigsburger Straße gefunden. Nach seiner Aussage habe er die Tasche mit weißen Einweghandschuhen aus seinem Auto in einen Wäschekorb gelegt und zur Polizei gebracht, weil ihn die Ermittler gebeten hätten, das Beweismittel auf keinen Fall in eine Tüte zu packen. Sein Vater Sigmund B. berichtete später, man habe die Handtasche mit blauen Handschuhen aus seinem Auto in einem Plastik-Leichensack verstaut, den er aus beruflichen Gründen bei sich hatte. Nicht die einzige augenfällige Ungereimtheit, so dass die Richterin den Enkel schließlich fragte: „Wollen sie jemanden aus der Sache raushalten? Der Gedanke kommt einem angesichts ihrer Zeugenaussagen.“ Weil nun weitere Zeugen vernommen werden müssen, soll der Prozess zu einem späteren Termin fortgesetzt werden.

Von Frank Döring

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