Übergriff auf transsexuelle Studentin in Leipzig: Gericht schließt Öffentlichkeit aus
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Polizeiticker Leipzig Übergriff auf transsexuelle Studentin: Gericht schließt Öffentlichkeit aus
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Übergriff auf transsexuelle Studentin: Gericht schließt Öffentlichkeit aus
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07:01 19.05.2020
Hinter markanten Trennscheiben im Saal 230: Prozessauftakt gegen Marcus S., hier mit Verteidigerin Annette Clement-Sternberger, am Landgericht. Quelle: A. Kempner
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Leipzig

Der Prozess um den schockierenden Übergriff auf eine transsexuelle Studentin in der Leipziger City läuft komplett hinter verschlossenen Türen – mit Ausnahme der Urteilsverkündung. Auf Antrag von Verteidigerin Annette Clement-Sternberger schloss die 5. Strafkammer am Montag bereits vor der Anklageverlesung alle Zuschauer aus.

Begründung: „Der Prozess wird sich im Wesentlichen mit dem psychischen Zustand und der Persönlichkeit des Angeklagten befassen“, so der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl. Eine öffentliche Erörterung würde schutzwürdige Interessen verletzen. Dem Vernehmen nach könnte der Angeklagte Marcus S. (40) wegen einer diagnostizierten psychischen Erkrankung vermindert oder gar nicht schuldfähig sein. Seine Einweisung in eine psychiatrische Klinik steht im Raum; dort ist der Maler seit Oktober 2018 bereits vorläufig untergebracht.

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Fall löst große Empörung aus

Wie berichtet, löste der gewalttätige Angriff vom 25. Juni 2018 auf die zur Tatzeit 22 Jahre alte Studentin große Empörung aus. Ein Unbekannter hatte die Transsexuelle, als diese auf einer Mauer an der Moritzbastei saß, erst nach ihrem Geschlecht gefragt und danach aufgefordert, sich zu entblößen. Danach brach er ihr mit einem Faustschlag das Nasenbein, verhöhnte sie. Die damalige sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sprach von einer „abscheulichen Tat“, nachdem der Studentenrat (Stura) der Uni den Fall öffentlich gemacht hatte. Erst nach einem Fahndungsaufruf mit Foto Ende 2018 stellte sich Marcus S. selbst bei der Staatsanwaltschaft.

Gewaltserie endet im Oktober 2019

Die Behörde legt ihm zudem eine ganze Serie ähnlich ablaufender Gewaltdelikte, Diebstahl und Hausfriedensbruch zur Last. Wie aus heiterem Himmel soll Marcus S. ein Dutzend Personen auf der Straße sowie in Straßenbahnen angegriffen haben. Am 25. September 2019 habe er binnen weniger Minuten kurz vor Mitternacht gleich auf drei Opfer – zwei Männer und eine Frau – eingeprügelt, so der Vorwurf. Nur Tage später, am 1. Oktober 2019, soll er einer Frau in den Bauch getreten haben, als sie in der Liebigstraße gerade an ihrem Fahrrad hantierte. Die Betroffene ist Nebenklägerin im Prozess. Nach zwei weiteren Gewaltausbrüchen am 18. Oktober 2019 auf dem Augustusplatz und im Hauptbahnhof wurde Marcus S. schließlich in eine medizinische Einrichtung gebracht.

Die Urteilsverkündung ist für den 17. Juni geplant.

Von Sabine Kreuz

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