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Polizeiticker Leipzig Verletzte durch Böllerwurf im Stadion – Bewährung für Lok-Fan
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Verletzte durch Böllerwurf im Stadion – Bewährung für Lok-Fan
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16:08 19.11.2018
Lok-Fan Nico B., hier mit seinem Anwalt Ingo Stolzenburg im Gerichtssaal, gestand den Böllerwurf. Quelle: André Kempner
Leipzig

Urteil zwei Jahre nach einem Skandalspiel, bei dem René Gruschka (52), damals Teammanager beim 1. FC Lok Leipzig und Schiedsrichter-Assistent Steffen H. (34) durch einen Böllerwurf zum Teil erheblich verletzt wurden: Lok-Fan Nico B. (22) kam am Montag am Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Anklagebehörde wollte ihn hinter Gitter bringen.

Rückblick: Am 11. September 2016 treffen Lok Leipzig und RB Leipzig II im Bruno-Plache-Stadion aufeinander. Die Probstheidaer liegen 0:1 gegen den ungeliebten Lokalrivalen zurück, als der Linienrichter in der 89. Minute gegen Lok eine umstrittene Abseitsentscheidung trifft. Schon da sind die Heimfans außer sich, klettern auf Zäune, werfen Feuerzeuge und mit Steinen gefüllte Becher auf das Spielfeld. In der 93. Minute eine Freistoßentscheidung für RB. Ein Böller fliegt aus dem Publikum, landet genau zwischen dem Schiedsrichter-Assistenten und Gruschka, der gerade am Spielfeldrand Wurfgeschosse einsammelt.

Manager in Notaufnahme

„Ich habe einen Knall gehört und einen Blitz vor meinem Gesicht gesehen“, erinnerte sich Gruschka am Montag beim Prozess am Amtsgericht. „Später war ich dann in der Notaufnahme der Uniklinik.“ Der Lok-Manager erlitt ein Knalltrauma, wie auch der Linienrichter, ferner Tinnitus, sein Trommelfell war gerissen und sein Gleichgewichtsorgan massiv beeinträchtigt. Er musste sich mehreren stationären Operationen unterziehen, war wochenlang im Krankenhaus. Bei einem Eingriff verlor er seinen Geschmackssinn vollständig, ein Hörgerät benötigt er entgegen den Angaben in der Anklageschrift gegenwärtig nicht, befindet sich jedoch weiterhin in Behandlung. Zudem ist er in psychologischer Behandlung.

Auch für den Verein hatten die Ausschreitungen Folgen: Der Nordostdeutsche Fußballverband eröffnete gegen den Regionalligisten ein Sportgerichtsverfahren, 3000 Euro Strafe und eine Beschränkung der Zuschauerzahl für ein Spiel waren die Sanktionen. 

Geständnis und Reue

„Es ist zutreffend, dass mein Mandant die Person ist, die den Böller geworfen hat“, erklärte Verteidiger Ingo Stolzenburg. „Aber der Wurf war nicht gezielt, er hatte nicht die Absicht, jemanden zu treffen.“ Zunächst tat Nico B. alles, um nicht ins Blickfeld der Ermittler zu geraten. Als eine gute Freundin von ihm bei den Behörden aussagte, soll er in einer Disko einer Frau 200 Euro geboten haben, wenn sie die „Verräterin“ schlägt. Vor Gericht zeigte er nun Reue. „Es tut mir wahnsinnig leid“, so Nico B. zu Gruschka. Der Einzelhandelskaufmann sparte inzwischen 1500 Euro, die sein Anwalt während der Verhandlung an Gruschka übergab – eine Art Anzahlung eines Schmerzensgeldes, wie es hieß. Gruschka nahm das Geld und erklärte, gegen Nico B. „keine weiteren Maßnahmen“ ergreifen zu wollen. Zumal der Beschuldigte nach Aussage von szenekundigen Beamten auch nicht zu den gewaltbereiten Fans des 1. FC Lok gehört und keine Vorstrafen aufweist.

Leib und Leben gefährdet

Gleichwohl forderte die Staatsanwaltschaft wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Der Angeklagte sei gleichgültig gegenüber den Folgen für mögliche Opfer gewesen, so Staatsanwalt Tobias Merkel. Verteidiger Stolzenburg sagte, sein Mandant habe nicht versucht, jemanden zu verletzen, die Tat sei aus einer affektgeladenen Situation heraus entstanden. Es handele sich um einen Fall mit „unglaublicher Tragik“. Er plädierte auf Jugendstrafrecht, in jedem Fall aber eine bewährungsfähige Strafe.

Amtsrichterin Juliane Guha entschied auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Durch seinen Böller habe Nico B. „Leib und Leben anderer gefährdet“. Andererseits habe er durch sein Geständnis entscheidend zur Aufklärung des Falles beigetragen.

Von Frank Döring

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