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Polizeiticker Leipzig Verwahrloste Kinder: Stadt schweigt zu Fall
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Verwahrloste Kinder: Stadt schweigt zu Fall
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22:00 02.08.2018
Die Polizei rettete die Kinder aus ihrer Notlage.
Die Polizei rettete die Kinder aus ihrer Notlage. Quelle: LVZ
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Leipzig

Nach dem Polizeieinsatz bei drei völlig verwahrlosten Kleinkindern in Grünau steht eine Frage im Raum: War das Jugendamt über die schlimmen Zustände bei der Problemfamilie womöglich schon seit längerer Zeit informiert? Doch die Stadt hüllt sich zu dem schockierenden Fall in Schweigen. „Wir dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussagen dazu treffen“, sagte am Donnerstag eine Rathaussprecherin gegenüber der LVZ.

Ein Zufall rettete die Kinder

Es war, wie berichtet, ein purer Zufall, der die Kinder rettete: Mitarbeiter der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) hatten die verschmutzten Kleinen am Dienstag durch ein Fenster entdeckt, als sie Tätigkeiten an dem Haus in der Alten Salzstraße verrichteten. Als kurz darauf Polizeibeamte an der Wohnungstür klingelten und die älteste Tochter (16) öffnete, trafen sie auf ein unfassbares Chaos: Müll, verschimmelte Speisereste, Kot – und mittendrin drei sich selbst überlassene Kinder.

Vier Kinder und vier Tiere

Die zwei Mädchen (2, 10) und der Junge (3) wohnten hier mit ihrer 16-jährigen Schwester und der alleinstehenden Mutter (39), die bei dem Polizeieinsatz zunächst gar nicht zu Hause war, erst später kam. Nach Angaben der Polizei befanden sich die Kleinsten in einem schlimmen Zustand, waren teilweise mit Fäkalien beschmiert. In der Wohnung lebten zudem zwei Hunde und zwei Katzen. Auf Veranlassung der Behörden wurden die Kinder in einem Krankenhaus ärztlich untersucht. Zumindest die drei Jüngsten befinden sich weiter in Obhut des Jugendamtes, zumal gegen ihre Mutter wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt wird. Das weitere Vorgehen werde nun geprüft, teilte die Stadtverwaltung mit. Für die Zukunft der Kinder sei jedoch eine gerichtliche Entscheidung erforderlich.

Früheres Einschreiten angezeigt?

Doch hätte die Stadt nicht schon früher einschreiten können und müssen? Wie die LVZ aus Behördenkreisen erfuhr, soll das Jugendamt die Familie aus der Alten Salzstraße schon vor etwa zwei, drei Jahren zumindest im Visier gehabt und möglicherweise auch betreut haben. Das Rathaus mochte einen früheren Kontakt am Donnerstag auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

Der Fall erinnert an das Schicksal einer Problemfamilie, die vom Jugendamt betreut worden war: Am 17. Juni 2012 waren die verwesten Leichen des kleinen Kieron-Marcel und seiner Mutter Christin F. (26) in der Parterrewohnung der Familie in der Möckernschen Straße entdeckt worden. Die Frau starb an Drogen, ihr kleiner Sohn verdurstete Tage später.

Von Frank Döring