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Polizeiticker Leipzig Zoff um Mordvideo von Leipzig-Eutritzsch: Nun droht Befangenheitsantrag
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Zoff um Mordvideo von Leipzig-Eutritzsch: Nun droht Befangenheitsantrag
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15:56 04.07.2019
Der Hauptangeklagte Hüseyin D. in Handschellen auf dem Weg zum Prozess. Quelle: Kempner
Leipzig

Trotz des von der Staatsanwaltschaft geheimgehaltenen Mord-Videos: Der Prozess um die Tötung des türkischen Geschäftsmanns Mehmet I. (42) im September 2014 in Leipzig-Eutritzsch wird fortgesetzt. Dies entschied die 3. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Norbert Göbel am Donnerstag. Dabei hatten die Verteidiger des Hauptangeklagten Hüseyin D. (50), Ines Kilian und Curt-Matthias Engel, beantragt, das Verfahren „wegen schwerwiegender rechtswidriger Verfehlungen der Ermittlungsbehörden“ einzustellen oder zumindest auszusetzen, was die Kammer jedoch ablehnte.

Immerhin wusste die Anklagebehörde seit November 2018, dass der wegen gemeinschaftlichen Totschlags mitangeklagte Bosnier Hasan M. (47) behauptet, den Mord an Mehmet I. mit seinem Handy aus der Jackentasche heimlich gefilmt zu haben. Die mögliche Existenz dieses aus Sicht der Verteidiger „Entlastungsbeweises schlechthin“ verschwieg Staatsanwalt Torsten Naumann monatelang sowohl den Anwälten von Hüseyin D. als auch dem Gericht. Daher forderten die Verteidiger auch die Ablösung Naumanns als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. „Er hat sich disqualifiziert“, so Engel am Donnerstag, zudem solle der Ankläger nunmehr als Zeuge vernommen werden.

Staatsanwalt nicht abgelöst

Die Kammer sah in dem geheimgehaltenen Tatvideo jedoch keinen Grund für eine komplette Einstellung des Verfahrens. Ein neues Beweismittel rechtfertige auch keine Aussetzung des Prozesses, so Göbel. Schließlich habe die Staatsanwaltschaft mittlerweile Stellung dazu genommen. Auch für eine Ablösung Naumanns sahen die Richter keine Veranlassung. Nun wollen die Anwälte von Hüseyin D. prüfen, ob sie gegen die Kammer ein Ablehnungsgesuch stellen, wie Engel ankündigte. Richter können laut Strafprozessordnung etwa wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden. Eine Entscheidung soll bis zum nächsten Verhandlungstag fallen.

Der Prozess läuft bereits seit Anfang Juni 2018. Laut Anklage soll Hüseyin D. aus Wut über Beleidigungen und Geldforderungen den Mord an dem türkischen Geschäftspartner Mehmet I. in Auftrag gegeben haben. Ismail Ö. (24), dessen Verfahren abgetrennt worden war, soll das Opfer schließlich erwürgt haben. Der nun wegen gemeinschaftlichen Totschlags mitangeklagte Hasan M. packte gegenüber den Behörden aus. Nach seinem Hinweis barg die Polizei den Leichnam des Opfers im November 2017 auf einem Gewerbeareal an der Dessauer Straße in rund zwei Metern Tiefe. Der Bosnier befindet sich seitdem im Zeugenschutzprogramm des Landeskriminalamtes, weshalb auch der Prozess unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. Das angebliche Mord-Video will Hasan M. einem Landsmann gegeben haben, der als früherer Armeeangehöriger in Afghanistan arbeitet. Bemühungen, diesen Bekannten ausfindig zu machen, scheiterten bislang. Torsten Naumann: „Mir sind dazu keine weiteren staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bekannt.“

Von Frank Döring

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