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Polizeiticker Leipzig Zu wenig Alkohol im Glühwein – Geschäftsmann sollte 525 Euro Strafe zahlen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Zu wenig Alkohol im Glühwein – Geschäftsmann sollte 525 Euro Strafe zahlen
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13:57 14.01.2017
Der Inhalt eines Tässchens Glühwein muss mindestens sieben Volumenprozent Alkohol besitzen – ansonsten ist es gar kein Glühwein.
Der Inhalt eines Tässchens Glühwein muss mindestens sieben Volumenprozent Alkohol besitzen – ansonsten ist es gar kein Glühwein.   Quelle: Foto: Fotolia/Grafik: Patrick Moye
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Leipzig

Bereits am 22. Januar 2015 hatte ein Lebensmittelkontrolleur aus Leipzig an einem der Stände des Angeklagten – auf dem Querbahnsteig im Hauptbahnhof – eine (Kost-)Probe genommen, die ganz und gar nicht nach seinem Geschmack war. Natürlich hat Rico K. (41) im Dienst nicht getrunken, sondern den wässrigen Auszug dem Labor zur Verfügung gestellt. Die zuständige Landesuntersuchungsanstalt notierte dann auch ganz trocken: Es handele sich um eine braun gefärbte, bitter schmeckende Substanz, die lediglich über 5,7 Volumenprozent Alkohol verfügt. Laut Gesetz muss Glühwein allerdings einen alkoholischen Mindestwert von sieben Prozent haben.

Deshalb auch trat die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Der Wein sei zu stark erhitzt worden, habe den Anforderungen nicht genügt. Schon einmal – Ende 2013 – war Glühwein an einem Verkaufsstand derselben Kette von der Lebensmittelkontrolle beäugt und beanstandet worden.

„Ich bestreite das alles ja auch gar nicht“, beteuerte der angeklagte Geschäftsmann. „Wenn aber eine Mitarbeiterin nicht mitdenkt und den Wein bis auf 90 Grad erhitzt, passiert eben so etwas.“ Er habe sogar schriftliche Arbeitsanweisungen erteilt, worauf zu achten ist. Und habe das auch selbst in bestimmten Abständen kontrolliert oder von einem Beschäftigten kontrollieren lassen. Denn: Glühwein verträgt keinesfalls hohe Temperaturen, da der Alkohol ab 78 Grad Celsius verdampft. Sogar ab 72 Grad Celsius, hieß es vor Gericht. Offenbar streiten sich darüber noch die (Wein-)Götter.

Ernüchternd: Bei einer bereits vor Jahren in Berlin durchgeführten Prüfung an Weihnachtsmarktständen beanstandeten Kontrolleure sogar etwa jeden zehnten verkauften Glühwein. Der häufigste Fehler? Zu geringer Alkoholgehalt.

Staatsanwalt Michael Ullrich hielt dem Angeklagten nun zwar seine Mitwirkung an der Aufklärung zugute. Als Verantwortlicher für die Einhaltung lebensmittelrechtlicher Vorschriften habe er auch kontrolliert – aber eben „nicht genug“. Deshalb plädierte er für eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 35 Euro. Statt des Glühweinkochers wäre wohl ein Durchlauferhitzer angebrachter gewesen. Darin wird das Getränk erst beim Ausschenken heiß gemacht.

Amtsrichter Mathias Win-derlich sprach von überspannten Forderungen. Zumal es auf dem Querbahnsteig keinen Wasseranschluss gab, der Einsatz dieses Gerätes somit nicht möglich gewesen sei. Nach Ansicht des Richters hat Markus Sebastian R. seine Pflichten – aufgrund seiner Anweisungen und Kontrollen – erfüllt. Für die Nachlässigkeit einer Mitarbeiterin am Stand – den es inzwischen nicht mehr gibt – könne er nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Übrigens hat Richter Winderlich – in Vorbereitung auf den Prozess – im Dezember selbst den Leipziger Weihnachtsmarkt-Test gemacht: „Da gab es schon den einen oder anderen Stand, wo der Glühwein ganz schön verkocht war!“

Von Sabine Kreuz