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Leipzig Nachfahren von Turnvater Jahn wandeln auf der Leipziger Sportroute
Leipzig Nachfahren von Turnvater Jahn wandeln auf der Leipziger Sportroute
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16:58 18.07.2019
Auf Spurensuche: Ernest John Rohr (Mitte), der Ururururenkel von Friedrich Ludwig Jahn, sowie dessen Eltern Kelly Ann und Ernest John Rohr senior an der Turnhalle Leplaystraße. Ebenfalls im Bild: Anselm Hartinger (links) und Wolfgang Metz (hinten). Quelle: André Kempner
Leipzig

Am Fockeberg – dort begann Leipzigs Fußballgeschichte – steht eine Stele. An der Sporthalle Leplaystraße, der Wiege des Leipziger Sportstättenbaus, hängt eine Tafel. Die beiden Markierungen sind Vorreiter der historischen Sportroute, die in den kommenden Jahren auf 22 Stationen anwachsen wird. Jene an der Sporthalle Leplaystraße schaute sich am Mittwoch auch Ernest John Rohr an. Der 18 Jahre alte US-Amerikaner ist der Nachkomme in sechster Generation von Turnvater Jahn. Er ist gerade mit seinen Eltern Kelly Ann (52) und Ernest John Rohr senior (56) in Leipzigauf Spurensuche seines Ahnen.

Turnvater Jahn auf Sportroute nicht präsent

Ernest John Rohr senior und junior, Wolfgang Metz und Anselm Hartinger (von links) beim Besuch im Alten Rathaus. Quelle: André Kempner

Und er schaute auch im Stadtgeschichtlichen Museum vorbei, das derzeit nur einen kleinen Ausstellungsteil zu Leipzigs Sportgeschichte zeigen kann. Dort ist Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) allerdings nur „im Geiste“ präsent, zum Beispiel über einen ausgestellten Turnbock (um 1900). „Er steht für die frühe Turngeschichte. Barren und Reck, die Jahn erfunden hat, können wir hier leider nicht ausstellen“, erzählt Wolfgang Metz vom (derzeit geschlossenen) Sportmuseum, das zum Stadtgeschichtlichen Museum gehört.

Gemeinsam mit der ehemaligen Leiterin Gerlinde Rohr hat er maßgeblich die Sportroute mitentwickelt, für die die US-Amerikaner sich ebenfalls interessieren. Etwa für Leipzigs erstes Turnhaus, die heutige Sporthalle Leplaystraße. Bereits 1847 entstand für den Allgemeinen Turnverein zu Leipzig ein erstes Turnhaus, früher gab es dort nur einen Turnplatz mit diversen Geräten. „Ob Friedrich Ludwig Jahn diesen Turnplatz besucht hat, wissen wir leider nicht“, so Metz. Er sei aber zu dieser Zeit mindestens zweimal in Leipzig gewesen. Auf der Route, die Meilensteine der Leipziger Sportgeschichte markiert, ist der Turnvater daher auch nicht präsent. Die Rohrs nehmen es gelassen: „Die Sportroute ist eine sehr gute Präsentation“, lobte Ernest John Rohr senior.

Acht weitere Stationen bis zum Turnfest 2021

Nach den ersten beiden Stationen sollen weitere acht folgen – und zwar bis 2021; dann ist Leipzig Gastgeber des Deutschen Turnfestes. „Die Reihenfolge müssen wir noch festlegen“, sagt Anselm Hartinger, der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums. Das wird im Kulturamt koordiniert. Das Aufstellen der Stelen und Tafeln, die an Sportstätten, Sportartenentwicklungen sowie Institutionen des Sports erinnern, muss vorbereitet und genehmigt werden – es ist ja ein Eingriff in den Straßenraum sowie an Gebäuden.

Stele am Fockeberg: An dieser Stelle an der heutigen Fockestraße (damals Bauernwiesen) spielten Leipziger Schüler 1883 erstmals Fußball. Dort begann Leipzigs Entwicklung zur Fußballhochburg. Quelle: Mathias Orbeck

Garantiert dabei wird wohl der Alexis-Schumann-Platz an der Karl-Liebknecht-Straße sein, der einst als Festplatz für Turnfeste genutzt wurde. Die SPD hat inzwischen beantragt, die Station, die dem Verein SK Bar Kochba Leipzig und anderen jüdischen Sportvereinen gewidmet ist, im Jahr 2020 zu realisieren. Hintergrund: Der jüdische Sportverein wurde 1938 verboten und seine Mitglieder waren, wie alle anderen Juden in Leipzig und Deutschland auch, der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. 2020 hätte er sein 100. Gründungsjubiläum feiern können. Das wird nun im neuen Stadtrat diskutiert.

Design ist an Sport angelehnt

Anders als beim musikalischen Stadtrundgang Notenspur wird bei der Sportroute keine zusammenhängende Tour ausgeschildert. An den Tafeln gibt es eine an die jeweilige Station angepasste Umgebungskarte, die auf benachbarte Stationen hinweist. Das Stuttgarter Büro Uebele hatte einen vom Kulturamt initiierten Gestaltungswettbewerb gewonnen. Das Design ist keineswegs zufällig – es folgt einer klaren Ableitung aus der Bilderwelt des Sports: Farben, Geometrien, Streifen, Ziffern und Linien von Trikots, Spielfeldern und Laufbahnen, Vereinsemblemen oder Sportgeräten bilden die Grundlage für die gewählte grafische Abstraktion.

Die Form der Stelenfahne ist aus der Verwendung verschiedener Fahnen im Sport hergeleitet. Kurz erläutert wird jeweils die Geschichte des Ortes in deutscher und englischer Sprache. Die Kosten für Entwurf, Anfertigung und Montage belaufen sich für die Wandtafel auf rund 4000 Euro und für die Stele auf rund 10 000 Euro. Familie Rohr will übrigens zum Turnfest 2021 wieder nach Leipzig kommen.

Von Mathias Orbeck

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